Venezuela: „Schlimmste Krise“ der lateinamerikanischen Geschichte

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Venezuela droht die grösste Staatspleite der Weltgeschichte (Foto: Archiv)
Datum: 05. April 2019
Uhrzeit: 01:46 Uhr
Leserecho: 6 Kommentare
Autor: Redaktion
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In ihrem Halbjahresbericht über Wachstumsprognosen für die Region Lateinamerika und die Karibik hat die Weltbank am Donnerstag (4.) ein düsteres Bild für Venezuela gezeichnet. Nach Angaben der „Banco Mundial“ macht Venezuela die „schlimmste Krise“ der lateinamerikanischen Geschichte durch. Experten der Weltbankgruppe vertreten die Ansicht, dass sich die sozioökonomischen Bedingungen aufgrund des Ölpreisverfalls, einer „stark verzerrenden“ Politik der Regierung, einer ungeordneten Haushaltsanpassung und eines schlechten wirtschaftlichen Managements „weiterhin rasch verschlechtern“.

Die Monetarisierung der Schulden des öffentlichen Sektors durch die Exekutive des venezolanischen Links-Diktator Nicolás Maduro sind ein weiterer Umstand, der die Zukunft des Landes negativ beeinflusst. „Diese Faktoren haben zu Hyperinflation, Abwertung und einem massiven Rückgang von Produkt und Verbrauch geführt“, so die multinationale Entwicklungsbank.

Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Jahr 2018 um 17,7 Prozent und wird laut der WB-Prognose 2019 voraussichtlich um 25 Prozent sinken, was einen kumulierten BIP-Rückgang von sechzig Prozent seit 2013 bedeuten würde. Was die wirtschaftlichen Analphabeten aus dem einst reichsten Land Lateinamerikas gemacht haben, belegen weitere Zahlen: Die jährliche Inflationsrate erreichte nach Angaben der Weltbank Ende 2018 1.370.000 Prozent. Laut der Finanzinstitution wird der Preisanstieg in diesem Jahr unglaubliche 10.000.000 Prozent betragen. In ihrer regionalen Analyse geht die Weltbank davon aus, dass die Armut der venezolanischen Bevölkerung neunzig Prozent erreicht hat.

Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen und der Internationalen Organisation für Migration wird geschätzt, dass die Zahl der Menschen, die das Land verlassen, bis Ende 2019 mehr als fünf Millionen betragen wird.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Galgo

    Und eine Schande für die Nachbarländer die nicht eingreifen! Jetzt dürfte es auch schon zu spät sein für ein militärisches Eingreifen der Nachbarstaaten, nun sind die Russen im Land, bisher wenige, aber nur einen von denen in´s Jenseits befördern könnte eine Katastrophe auslösen. Und der Ami sieht schon seit Jahren zu. Fing schon bei Obama an und seitdem dieser Donald Duck Verschnitt an der Macht ist wird es ganz komisch, er droht und herzt sich abwechselnd mit Vladimir. Nichts als Pfeifen in sämtlichen Regierungen. Aber gut, das Volk ist auch verblödet, sieht man sich z.B. Mexiko an, der „Neue“ ist auch nicht so ganz gebacken, hält Reden in angeheitertem Zustand und die klatschen Beifall. Wahrscheinlich ist es so, „jeder bekommt was er verdient!“

  2. 2
    Miguel

    Was sollen die venezolanischen Einwohner gegen die verbrecherische Regierung und Militärs ausrichten. die anliegenden Staaten hätten schon längst eingreifen müssen, dass war doch vor drei Jahren schon abzusehen das unwahrscheinlich viele Menschen aus Venezuela flüchten werden. Aber mittlerweile waschen alle Verbrecher aus der ganzen Welt ihr Geld in Venezuela, man bekommt doch erstklassige Angebote und alle Staaten angefangen von der Schweiz verdienen doch ordentlich mit.

  3. 3
    Peter Hager

    Der erste wirklich besorgniserregende, oder besser gesagt, deprimierende Indikator für ein böses Ende der Befreiungsbewegung war die Landung der zwei russischen Transportflugzeuge in Maiquetia nur wenige Tage nach dem Treffen russischer und U.S. Diplomaten in Rom. Hätten die USA eine militärische Intervention ernsthaft in Aussicht gestellt, hätten die Russen dies nie gewagt.

    Inzwischen erklärte Ambrams auf die Frage, welche weiteren Pläne die USA hätten und ob darunter auch ein möglicher Militäreinsatz sei: „Wir bewegen uns in Richtung eines friedlichen Übergangs. Zwar habe Präsident Donald Trump gesagt, alle Optionen seien auf dem Tisch, und das gelte auch weiterhin. Dennoch sei ein Militäreinsatz nicht der Weg, für den sich die USA entschieden hätten.“ – Damit ist die Katze nun aus dem Sack und Venezuela wohl für Jahre oder Jahrzehnte hinaus an das organisierte Verbrechen verloren. Wieviel Präsenz die USA den Russen in „ihrem Hinterhof“ zukünftig gestatten werden, hängt letztendlich immer von der finalen Entscheidung des jeweiligen Präsidenten ab. Und da haben wir nichts Gutes zu Erhoffen. Schon Obama war ein unfähiger Versager auf der ganzen Linie, und Trump ist hochwahrscheinlich vom Kreml erpressbar, was noch viel schlimmer wäre. Wenn der eines Tages aus dem Amt ist, dürfte es für eine entscheidende Wende zu spät sein. Vor allem, falls wieder ein Kandidat der Sozi-Demokraten ins Weisse Haus einziehen sollte. Marco Rubio war bereits 2016 mein Favorit, doch auf ihn als zukünftigen Präsidenten zu spekulieren, wäre illusorisch.

    Fazit: Wir können ab nun getrost unsere Neven schonen und Venezuela abschreiben, soweit und so gut das dem Einzelnen in seiner individuellen Situation möglich ist. Meine Familie und ich sind glücklicherweise inzwischen heil in Deutschland angekommen. Alles weitere werden wir von hieraus planen und in Angriff nehmen. Weh tut das jedem von uns. Für mich ist es „nur“ ein glücklicher Abschnitt meines Lebens und viele Freunde, die ich in Venezuela zurück lassen muß, für meine Familie ist es sehr viel mehr.

    • 3.1
      HansRambo

      “ Fazit: Wir können ab nun getrost unsere Neven schonen und Venezuela abschreiben, soweit und so gut das dem Einzelnen in seiner individuellen Situation möglich ist. “

      Herr Peter Hager, bitte bleiben Sie noch dabei! Ich kann mich nur immer bedanken für die infos aus erster Hand.
      Mein junge ist da noch und ausser Geld senden kann ich ihn kaum erreichen. Es ist sooo traurig, wie die menschen in venezuela mit ihren CLAP paketen verblödet werden.
      Saludos, dios con venezuela.

      • 3.1.1
        Peter Hager

        Ihre Antwort ehrt mich. Natürlich kann man eineinhalb Jahrzehnte in Venezuela nicht einfach abstreifen, wie ein Reptil eine alte Haut. Noch immer haben wir dort einen Wohnsitz, wenn auch nicht mehr den ersten.. Ein Großteil der Familie meiner Frau wird das Land nicht verlassen können oder wollen. Auch zu einigen Freunden bleibt der Kontakt erhalten. Aber meine Informationen sind nun schon nicht mehr aus erster Hand.

        Und naturgemäß ist es etwas anderes, ob man das gerade aktuelle Tränengas selber einatmet oder nur davon ließt. Nur so erfährt man, daß dort inzwischen ein ganz bestialisches Gift verwendet wird, daß Menschen hilflos zusammenbrechen läßt und sie aus der Gaswolke weggetragen werden müssen, um sich mühsam zu erholen. Die vergleichsweise harmlose Gassorte, die bislang überwiegend aus Brasilien kam, ist nicht mehr verfügbar. Natürlich ist es etwas anderes, wenn 20 Meter vor einem ein Achtzehnjähriger nach einem Kopfschuss zusammenbricht, wenn man ihm selber ins Krankenhaus schafft und zur Notoperation sowie Nachversorgung verhilft und erleben muß, wie er mit Neunzehn Jahren dann doch an der Verletzung stirbt. Er taucht in keiner Statistik auf, in keinem Bericht über politische Morde oder Staatsterror. Ebenso ist es anders, selber die Konsequenzen von 80-100 Stunden Abschaltung von Strom, Wasser, Telefon, Internet etc. zu erleben, zumal wenn man nicht zu den korrupten PSUV Anhängern gehört und kein Gas zum Kochen kaufen kann. Wenn man morgens mit Hunger 2 Stunden lang durch die Strassen irrt, auf der Suche nach einer geöffneten Bäckerei, und schliesslich für $6 in bar ein paar Süssigkeiten erwirbt, mangels Brot… – Aber wie gesagt, ich bin jetzt im sicheren Hafen Freiheitlich demokratischen Grundordnung und des Gewaltmonopols einer Polizei, die man nicht für fünfzig Euro kaufen kann. Das ändert die Perspektive, nicht nur zum Guten, aber beruhigt. Dennoch schlafe ich hier schlechter, als in der warmen Tropenluft. Etwas Vertrautes fehlt…

        Ihrem Jungen in Venezuela alles Gute! Falls mal ein wirklich wichtiges Medikament fehlen sollte, könnte unser Kanal womöglich helfen. Ich denke, die Redaktion würde in einem Notfall vermitteln.

      • HansRambo

        Danke, freut mich sehr.
        Alles gut.

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