Aufstand gegen Maduro: Mindestens vier Tote bei Massenprotest – Update

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Der am Dienstagmorgen (30.) Ortszeit von Interimspräsident Juan Guaidó eingeleitete neuerliche Aufstand scheint vorerst gescheitert zu sein (Foto: Carla Reina Bocaranda)
Datum: 01. Mai 2019
Uhrzeit: 09:22 Uhr
Leserecho: 10 Kommentare
Autor: Redaktion
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Der am Dienstagmorgen (30.) Ortszeit von Interimspräsident Juan Guaidó eingeleitete neuerliche Aufstand scheint vorerst gescheitert zu sein. Der Tag endete mit harten Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften des Regimes und Guaido-Anhängern, mindestens ein Todesopfer und über Hundert Verletzte sind zu beklagen. Am Mittwoch sollen die Proteste weitergehen, das am Dienstag verkündete „Endspiel“ um die Macht dürfte damit in die nächste Runde gehen und für Zittern in Russlands südamerikanischem Brückenkopf sorgen.

Inzwischen hat Oppositionsführer Leopoldo López die chilenische Botschaft in Caracas verlassen und in der spanischen Botschaft Asyl beantragt. US-Präsident Donald Trump hat Kuba mit einem „vollständigen Embargo“ gedroht, wenn es seine Einmischung in Venezuela nicht beendet. „Wenn die kubanischen Truppen und Milizen ihre militärischen und anderen Operationen, die den Tod und die Zerstörung der venezolanischen Verfassung bewirken sollen nicht sofort einstellen, wird ein vollständiges Embargo mit maximaler Sanktion gegen Kuba eingeleitet“, verkündete Trump auf Twitter.

Der brasilianische Außenminister Ernesto Araújo traf gestern in Washington mit US-Außenminister Mike Pompeo und dem Sicherheitsberater des Weißen Hauses, John Bolton, zusammen. Laut der brasilianischen Presse diskutierte er mit ihnen eine Beteiligung der brasilianischen Streitkräfte an einer militärischen Intervention in Venezuela. Die Idee, die während des Treffens bewertet wurde, ist, dass brasilianische Militärbataillone in das venezolanische Territorium im Süden eindringen, „um Blutvergießen zu vermeiden“.

Obwohl Links-Diktator Nicolás Maduro den angeblichen Putschversuch des Militärs für gescheitert erklärte und in einer im Fernsehen übertragenen Rede von einer „Niederlage der kleinen Gruppe“, die in einem „Putsch-Scharmützel“ Gewalt über Venezuela habe bringen wollte sprach, hat sich das Szenario verändert. Während sich in der Vergangenheit Maduro-Anhänger blutige Auseinandersetzungen mit Sympathisanten der Opposition lieferten, blieben diese am Dienstag aus. Die Unterstützung für Maduro bröckelt immer mehr, die Tage des Überlebenskünstlers scheinen gezählt.

„Die Möglichkeit [einer Beteiligung Brasiliens an einer Militäraktion] ist nahezu Null – fast unmöglich. Wir haben bisher keine Mitteilung der US-Regierung erhalten die zeigt, dass diese Möglichkeit in Betracht gezogen wird“, so Bolsonaro in einem Interview. Nach seinen Worten gibt es in Venezuela „noch Raum für eine Verhandlungslösung“. Oppositionsführer Julio Borges traf sich mit dem deutschen Botschafter in Kolumbien. „Wir fordern, dass Ihre Regierung und Europa noch strengere Sanktionen gegen die Führung von Maduro, seine Frontmänner und die kubanische Diktatur verhängt“.

Die Mutter und die Angehörigen von Verteidigungsminister General Vladimir Padrino López baten ihn, sich „auf die Seite des Volkes“ zu stellen, das „Massaker zu beenden“ und Maduro „keinen Völkermord“ zu erlauben. Der Versuch, Nicolas Maduro aus dem Amt zu drängen, hat gestern die Flucht von Venezolanern nach Brasilien beschleunigt. Nach Angaben der brasilianischen Regierung sind 848 Venezolaner nach Pacaraima (RR) geflüchtet. Der tägliche Durchschnitt lag bisher bei 300. Hunderte Venezolaner versammelten sich in Paris und Madrid, um Juan Guaidó zu unterstützen und das Regime von Nicolás Maduro abzulehnen. Brasiliens Präsident Jair Messias Bolsonaro: „Der Bericht, den wir von unserem Geheimdienst haben, ist, dass es eine Kluft/Riss gab und der nähert sich immer mehr der Spitze der Streitkräfte. Es besteht die Möglichkeit, dass das Regime zusammenbricht“.

US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan hat seine für Mittwoch geplante Reise nach Europa abgesagt, „um die Maßnahmen hinsichtlich der aktuellen Situation in Venezuela mit anderen Regierungsstellen effizienter koordinieren zu können“. In Caracas und anderen Städten kommt es zu ersten Zusammenstößen, das Militär und Mitglieder der „Colectivos“ schießen mit Tränengas und Gummischrot auf friedlich demonstrierende Menschen.

Juan Guaidó: „Morgen beginnt ein gestaffelter Streik, bis alle sich einem Generalstreik anschließen“. Im brasilianischen Fernsehen sind Regierungstruppen zu sehen, die mit Tränengas und Gummischrot auf alte Menschen und Kinder schießen. Der Ständige Rat der OAS traf sich zu einer Dringlichkeitssitzung und hat die Angriffe und die Unterdrückung der Chavez-Truppen gegen die friedlichen Demonstranten scharf verurteilt. Bei den Protesten hat es nach Angaben von Interimspräsident Juan Guaidó zwei Tote gegeben, mindestens 230 Menschen wurden verletzt. Die 27-jährige Jurubith Rausseo starb am Mittwochabend in einer Klinik, nachdem ihr während der Proteste in den Kopf geschossen worden war. „AFP“ berichtete zudem, dass die Polizei gezielt Tränengasbomben und Gummipellets direkt auf Vertreter der Presse abgefeuert hatte.

Update, 2. Mai

Nach Angaben verschiedener Nichtregierungsorganisationen und lokalen Medien hat sich die Zahl der Todesopfer auf vier erhöht. Der 16-jährige Yosner Graterol wurde während der Proteste in der Stadt La Victoria niedergeschossen und starb am Donnerstagmorgen (Ortszeit) in einem Krankenhaus. Nach Angaben seiner Familie und zahlreichen Augenzeugen waren für den Mord Beamte der Polizei und motorisierte „Colectivos“ verantwortlich.

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  1. 1
    Peter Hager

    Eine vollständige Luft- und Seeblockade Kubas und ein vollständiges Embargo gegen Russland wären angebracht und würden mit Sicherheit Wirkung auch zeigen.

    „Der brasilianische Außenminister Ernesto Araújo traf gestern in Washington mit US-Außenminister Mike Pompeo und dem Sicherheitsberater des Weißen Hauses, John Bolton, zusammen. Laut der brasilianischen Presse diskutierte er mit ihnen eine Beteiligung der brasilianischen Streitkräfte an einer militärischen Intervention in Venezuela.“ So langsam kommen die wohl zur Sache. Bleibt die Frage offen, ob deren Präsidenten da mitspielen.

  2. 2
    Bono

    Wenn die Venezolans mal langsam zur Sache kommen, und das am Besten ohne Waffen, wäre mir lieber. Dass das geht, haben unsere ostdeutschen Mitbürger bewiesen.

  3. 3
    noesfacil

    Es sind und bleiben die völlig unrealistischen Hirngespinste Herr Hager (und da kommet wieder der Alias- Martin Bauer) durch, den Sie hier von sich geben!
    Auch wenn diese unrealistischen Hirngespinste zweifellos ihre Wirkung hätten, moralisch gerechtfertigt wären, so bleiben diese dennoch eben nur das was diese sind, Fantastereien aus den Zeiten des kalten Krieges, bzw. davor und außerhalb jeden Völkerrechts, es sei denn es gäbe ein UNO- oder OAS- Mandat.
    Sehen Sie ein ebensolches? ich nicht.
    Derartige „Lösungen“ sind heute (kommen Sie endlich in 2019 an) nicht mehr möglich. Zudem haben die Putin´s & Konsorten längst Fakten geschaffen, sie sind nämlich schon da und der Herr Großmaul aus den USA wird sich mit den Putin´s & Konsorten nicht anlegen. Jedenfalls nicht wegen Venezuela.
    Die Opposition wird von dem Herrn US- Großmaul genau so verheizt, wie Sie dies zu Obamas Zeiten bereits hinlänglich kritisierten.
    noesfacil

  4. 4
    Peter Hager

    Gesetz, Völkerrecht, Gewaltmonopol… ist ja alles schön und gut! Fakt ist, es gab niemals und es wird niemals Zeiten geben, in denen der Stärkere sich nicht durchsetzt. Wenn nötig mit Gewalt und unter Bruch eines jeden Rechtes. Wenn dies schon so ist, dann bin ich persönlich lieber auf der Seite des Hammers als des Nagels.

  5. 5
    noesfacil

    „es gab niemals und es wird niemals Zeiten geben, in denen der Stärkere sich nicht durchsetzt. Wenn nötig mit Gewalt und unter Bruch eines jeden Rechtes“.

    Na das sage ich doch schon die ganze Zeit! Die verfluchten Putin‘s & Co. haben eben genau diese schier unumstößlichen Fakten längst geschaffen, mit Duldung und auf Wunsch des Venez. Apparates, welcher den „Hammer“ darstellt.
    Die Venezolanische Opposition wird unter tatkräftiger Mitwirkung der USA wieder einmal mehr verheizt.
    noesfacil

  6. 6
    Peter Hager

    Genau! Also braucht auch keiner Gesetz und Völkerrecht zu beachten, wenn er sich gegen Angriffe solcher Elemente zu schützen versucht, bzw. das Recht zur Notwehr ist auf seiner Seite. Doch wird insbesondere von der Linken stets mit zweierlei Maß gemessen. Eine Waffe in der Hand eines Demokraten dient dem kapitalistischen Imperialismus, in der Hand eines Sozialisten dient sie dem Erhalt des Weltfriedens, selbst wenn es dazu nötig ist, andere Völker zu überfallen und zu massakrieren. Das ist in deren Augen nicht mal Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates. Die Linksfraktion im Bundestag äußert sich regelmäßig genau so.

    • 6.1
      noesfacil

      „Eine Waffe in der Hand eines Demokraten dient dem kapitalistischen Imperialismus, in der Hand eines Sozialisten dient sie dem Erhalt des Weltfriedens, selbst wenn es dazu nötig ist, andere Völker zu überfallen und zu massakrieren“.

      Das mag die naive und weltfremde Argumentation der LINKEN sonst wo sein. Nur völlig Blinde und Verblendete jeder Art können derartigem Unsinn anschließen.
      Und dennoch, den USA und allen anderen (Russland, Kuba, China etc.) ebenfalls steht es nicht zu, mit der Waffe in der Hand, oder sonst wie, sich in die Venezolanischen Angelegenheiten einzumischen, es sei denn, es gäbe ein UN- oder OAS-Mandat, bzw. das Venezolanische Parlament würde mehrheitlich (besser einstimmig) in Vertretung des Venezolanischen Volkes ausdrücklich um eine solche Einmischung bitten.
      Nichts dergleichen ist jedoch einschlägig. Notwehr steht den Venezolanern zu, die USA sind nicht (bisher nicht) deren Stellvertreter und wollen dies auch ganz offenkundig gar nicht sein, sondern lieber hernach den Rahm abschöpfen. In der ersten Reihe stehen diese nicht, außer mit der großen „Trumpschen Klappe“.
      Glauben Sie die USA stellen die von Ihnen gepriesenen Demokraten -mit der Waffe in der Hand- dar???
      Ich nicht!
      noesfacil

  7. 7
    Peter Hager

    Alles graue Theorie, sofern es sich auf die Gegenwart bezieht, insbesondere auf die Venezuelas. England hätte dann auch kein Recht gehabt, Hitler Deutschland den Krieg zu erklären, nur weil es einige Nachbarländer überfallen hat. Kuba und Russland sind in Venezuela militärisch eingefallen. Wo ist der Unterschied?

    Die USA bevorzugen, nach eigenen Verlautbarungen, eine rein friedliche Lösung, ohne militärisches Eingreifen. Warum sie also kritisieren und England nicht? – Wie sie sich verhalten würden, wenn die Opposition, vertreten durch Juan Guaidó, sie um militärische Hilfe bitten würden, wissen wir nicht. Noch nicht! Es wäre schändlich, würden sie dann die erbetene Hilfe verweigern. Zumal zumindest 80% der Venezonaler seit Jahren für eine militärische Intervention der USA beten. Ich schätze, man muß in letzter Zeit im Land gewesen sein, um das zu wissen.

    • 7.1
      noesfacil

      „Ich schätze, man muß in letzter Zeit im Land gewesen sein, um das zu wissen“

      Sie werden es kaum glauben, aber wir hier in Berlin sind über entsprechend, nicht nur Deutschland- weite, personalisierte Kanäle weit näher an Guaidó und der Opposition dran, als Sie sich das vorstellen können und wollen. Wir wissen hier sehr genau, was unsere Landsleute wollen und was sie eben auch nicht wollen, nämlich Ultra-rechtskonservative Typen a la Marco Rubio, Bolton, oder Pompeo, oder Rassisten al la Trump & Co im Land zu haben, welche über ihr Schicksal dann nach Gutsherrenart bestimmen.
      Auch ist es ein gerne erzähltes „Maria-Corinita- Märchen“, wonach die Cubaner und Russen in Venezuela militärisch eingefallen wären. Richtig ist, die Cubaner und Russen sind in Venezuela präsent, weil die Chavisten- Venezolaner diese „netten Leute“ aus ganz bestimmten pekuniären Gründen zum Schutz Ihrer Interessen ins Land geholt haben!
      Man könnte diese Chavisten- Venezolaner auch als Landesverräter bezeichnen.
      Im Umkehrschluss hätte ich auch kein Problem damit, wenn die AN, mehrheitlich (besser einstimmig und noch besser mit einem klaren UN- oder OAS- Mandat) die USA zum „Einfallen“ in Venezuela bitten würden.
      Eben dies wird aber -lamentablemente- nicht so ohne weiteres geschehen und der Herr Großmaul nebst geneigter Gefolgschaft aus den USA wird dies auch nicht tun, da eine direkte umkalkulierbare Auseinandersetzung mit den Russen droht, deren Präsenz in Venezuela -so widerlich diese auch sein mag- nicht mehr wegzudenken ist.
      Was hat jetzt das Ganze mit England zu tun?
      Auch die von Ihnen initiierten Parallelen zum WK.II sind absurd.
      Die Venezolanische Opposition wird wieder einmal mehr auf den Straßen Venezuelas, (bis jetzt) zu Gunsten der mit sich selbst kokettierenden US.- Lautsprecher, welche ich bereits benannte verheizt.
      noesfacil

    • 7.2
      Peter Hager

      Nun, ich sehe die Dinge anders. Kann ja vorkommen. Lassen wir’s dabei!

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