Venezuela: Größter wirtschaftlicher Zusammenbruch seit 45 Jahren

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Die systembedingte Wirtschaftskrise in Venezuela lässt die Menschen hungern und verzweifeln. Millionen fliehen in die benachbarten Länder (Foto: Archiv)
Datum: 19. Mai 2019
Uhrzeit: 14:48 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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Kein anderer lateinamerikanischer Politiker hat eine solch desaströse Bilanz vorzuweisen wie Venezuelas Links-Diktator Nicolás Maduro. Der ehemalige Busfahrer ist für die größte Massenflucht in der Geschichte Lateinamerikas verantwortlich, das südamerikanische Land ist nach zwanzig Jahren Chavismus wirtschaftlich vollkommen ruiniert. Für den eigenen Machterhalt geht der Despot über Leichen, der ökonomische Kollaps in Venezuela ist nach Meinung von Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) der größte wirtschaftliche Zusammenbruch eines Landes in den vergangenen 45 Jahren außerhalb eines Krieges.

Die Tragödie wird als das „herausragendste Beispiel für eine katastrophale Politik seit Jahrzehnten“ bezeichnet, die außerhalb eines Bürgerkrieges kaum vorstellbar ist. „Angesichts einer menschlichen Tragödie dieses Ausmaßes ist es schwer Worte zu finden – wir kennen so ein Szenario nur als das Ergebnis eines Bürgerkrieges“, so Kenneth Rogoff, Chefökonom und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Harvard University. Ein ähnliches Ausmaß an wirtschaftlicher Verwüstung gab es demnach in Libyen zu Beginn dieses Jahrzehnts oder im Libanon in den 1970er Jahren. In Venezuela gab es jedoch keinen bewaffneten Konflikt, nach Ansicht der Wirtschaftsexperten sind ein unfähiges Regime, die Korruption und die falsche Politik von Nicolás Maduro und seinem Vorgänger Hugo Chávez für die Katastrophe verantwortlich.

Darüber hinaus hat die Regierung von US-Präsident Donald Trump in den letzten Monaten harte Sanktionen verhängt, um den Regime-Wechsel zu beschleunigen. Währenddessen übernahmen paramilitärische Gruppen die Kontrolle über die gesamte Bevölkerung, der öffentliche Dienst brach zusammen und die Kaufkraft der Mehrheit der Venezolaner verringerte sich auf ein paar Kilo Mehl pro Monat. Das einst reichste Land Lateinamerikas hat in den letzten zwei Jahren ein Zehntel seiner Bevölkerung verloren, über drei Millionen sind aus ihrem Heimatland geflüchtet.

Die Hyperinflation, die laut IWF in diesem Jahr voraussichtlich unglaubliche zehn Millionen Prozent erreichen wird, erinnert an das Chaos im Kongo in den 1990er Jahren. „Im Grunde sehen wir in Venezuela den absoluten Zusammenbruch des Konsums“, analysiert Sergi Lanau, stellvertretender Chefökonom am „Institute of International Finance“ (IIF), der Lobbyorganisation der Finanzindustrie. Laut der einzigen globalen Vereinigung von Finanzinstituten ist der Rückgang der Wirtschaftsleistung Venezuelas während der Regierungszeit Maduros ein Beispiel für absolute Unfähigkeit. Demnach wird das venezolanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis Ende des Jahres um 62 Prozent zurückgegangen sein (seit Beginn der Rezession im Jahr 2013/Machtübernahme von Maduro). Im Vergleich dazu betrug der durchschnittliche wirtschaftliche Rückgang in den ehemaligen Sowjetrepubliken nach Berechnungen des Verbandes während des Höhepunkts der Krise Mitte der neunziger Jahre rund dreißig Prozent.

Nach Angaben des IIF ist das Realeinkommen in Venezuela auf ein Niveau gesunken, das seit 1979 im Land nicht mehr erreicht wurde. Dies hat dazu geführt, dass viele Menschen im Müll und Kloaken nach Wiederverwertbarem suchen. Strom und Trinkwasser sind nur wenige Stunden am Tag verfügbar. Maduro und seine Helfershelfer machen die Vereinigten Staaten und die venezolanische Opposition für die weit verbreitete Hungersnot und den Mangel an medizinischer Versorgung verantwortlich. Fakt ist allerdings, dass die Rezession nachweislich schon mehrere Jahre vor den Sanktionen begann und der Zusammenbruch nun lediglich beschleunigt wird.

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  1. 1
    Miguel

    Nicht zu vergessen sind die 3 Millionen vermögenden Menschen, die bereits die letzten Jahre geflohen sind.

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