ESO: Chile: Anatomie einer kosmischen Möwe

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Das rosige Glühen einer kosmischen Möwe Bild: ESO/VPHAS+ team/N.J. Wright (Keele University)
Datum: 08. August 2019
Uhrzeit: 09:53 Uhr
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Autor: Redaktion
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Diese farbenfrohe und faszinierende Ansammlung von Objekten ist bekannt als der Möwennebel, benannt nach seiner Ähnlichkeit mit einer Möwe im Flug. Diese Region, die aus Staub, Wasserstoff, Helium und Spuren von schwereren Elementen besteht, ist die heiße und energiegeladene Geburtsstätte neuer Sterne. Das bemerkenswerte Detail, das hier vom VLT Survey Telescope (VST) der ESO aufgenommen wurde, enthüllt die einzelnen astronomischen Objekte, aus denen der Sternenvogel besteht, sowie die feineren Strukturen. Das VST ist derzeit das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, das den Himmel im sichtbaren Licht beobachtet.

Die Hauptbestandteile der „Möwe“ sind drei große Gaswolken. Die markanteste Wolke ist Sharpless 2-296, die die „Flügel“ bildet. Sh2-296 erstreckt sich über etwa 100 Lichtjahre von einer Flügelspitze zur anderen und zeigt leuchtendes Material und dunkle Staubbahnen, die sich inmitten heller Sterne schlängeln. Es ist ein schönes Beispiel für einen Emissionsnebel, in diesem Fall eine HII-Region, die auf die aktive Bildung neuer Sterne hindeutet, die in diesem Bild zu sehen sind.

Es ist die Strahlung dieser jungen Sterne, die den Wolken ihre fantastischen Farben verleiht und sie so auffällig macht, indem sie das umgebende Gas ionisiert und zum Leuchten bringt. Diese Strahlung ist auch der Hauptfaktor, der die Formen der Wolken bestimmt, indem sie Druck auf das umgebende Material ausübt und es zu den skurrilen Morphologien formt, die wir sehen. Da jeder Nebel eine einzigartige Verteilung von Sternen hat und wie dieser aus mehreren Wolken bestehen kann, gibt es eine Vielzahl von Formen, die die Phantasie der Astronomen beflügeln und zu Vergleichen mit Tieren oder bekannten Objekten anregen.

Diese Formenvielfalt wird durch den Kontrast zwischen Sh2-296 und Sh2-292 veranschaulicht. Letztere, hier direkt unter den „Flügeln“ zu sehen, ist eine kompaktere Wolke, die den „Kopf“ der Möwe bildet. Ihr markantestes Element ist ein riesiger, extrem leuchtender Stern namens HD 53367, der 20 mal so massereich wie die Sonne ist und den wir als das durchdringende „Auge“ der Möwe wahrnehmen. Sh2-292 ist sowohl ein Emissionsnebel als auch ein Reflexionsnebel. Ein Großteil seines Lichts wird von ionisiertem Gas emittiert, das seine jungen Sterne umgibt. Eine beträchtliche Menge Licht wird jedoch zudem reflektiert, welches von Sternen außerhalb des Nebels stammt.

Die dunklen Streifen, die die Gleichförmigkeit der Wolken unterbrechen und ihnen Textur verleihen, sind Staubbahnen – Bänder aus viel dichterem Material, die einen Teil des leuchtenden Gases hinter sich verbergen. Nebel wie dieser haben eine Dichte von wenigen hundert Atomen pro Kubikzentimeter, viel weniger als jedes andere künstliche erzeugte Vakuum auf der Erde. Dennoch sind die Nebel erheblich dichter als das umgebende Gas, das eine durchschnittliche Dichte von etwa 1 Atom pro Kubikzentimeter hat.

Die Möwe liegt an der Grenze zwischen den Sternbildern Canis Major (Großer Hund) und Monoceros (Einhorn), in einer Entfernung von etwa 3700 Lichtjahren in einem Arm der Milchstraße. Spiralgalaxien können Tausende dieser Wolken enthalten, die fast alle entlang ihrer umlaufenden Arme konzentriert sind.

Mehrere kleinere Wolken werden ebenfalls zum Möwennebel gezählt, darunter Sh2-297, eine kleine, knotenreiche Erweiterung der Spitze des oberen „Flügels“, Sh2-292 und Sh2-295. Diese Objekte sind alle im Sharpless-Katalog enthalten, einer Liste von über 300 leuchtenden Gaswolken, die der amerikanische Astronom Stewart Sharpless zusammengestellt hat.

Dieses Bild wurde mit dem VLT Survey Telescope (VST) aufgenommen, eines der derzeit größten Durchmusterungsteleskope der Welt, das den Himmel im sichtbaren Licht beobachtet. Das VST ist so konzipiert, dass es große Teile des Himmels schnell und mit hoher Empfindlichkeit fotografieren kann.

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ESO ist die führende zwischenstaatliche astronomische Organisation in Europa und mit Abstand das produktivste bodengebundene astronomische Observatorium der Welt. Sie hat 16 Mitgliedstaaten: Österreich, Belgien, die Tschechische Republik, Dänemark, Frankreich, Finnland, Deutschland, Irland, Italien, die Niederlande, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und das Vereinigte Königreich sowie der Gaststaat Chile und Australien als strategischer Partner. Die ESO führt ein ehrgeiziges Programm durch, das sich auf die Planung, den Bau und den Betrieb leistungsfähiger bodengebundener Beobachtungseinrichtungen konzentriert, die es Astronomen ermöglichen, wichtige wissenschaftliche Entdeckungen zu machen. Die ESO spielt auch eine führende Rolle bei der Förderung und Organisation der Zusammenarbeit in der astronomischen Forschung. ESO betreibt drei einzigartige Weltklasse-Beobachtungsstätten in Chile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Am Paranal betreibt die ESO das Very Large Telescope und sein weltweit führendes Very Large Telescope Interferometer sowie zwei Durchmusterungsteleskope: VISTA arbeitet im Infrarotbereich und das VLT Survey Telescope im sichtbaren Bereich. Ebenfalls am Standort Paranal wird die ESO das Cherenkov Telescope Array South, das weltweit größte und empfindlichste Gammastrahlenobservatorium, betreuen und betreiben. ESO ist auch ein wichtiger Partner in zwei Anlagen auf Chajnantor, APEX und ALMA, dem größten existierenden astronomischen Projekt. Auf dem Cerro Armazones, in der Nähe des Paranal, baut die ESO das 39 Meter große Extremely Large Telescope (ELT), welches „das größte Auge der Welt mit Blick in den Himmel“ sein wird.

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