Wasserkrise in Chile: Öffentlich-private Initiative für Bau einer „Wasserstraße“

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Die Wasserstraße besteht aus fünf Kanalabschnitten, mit denen Wasser vom Süden in den Norden des Landes transportiert werden kann (Foto: California State Water Project)
Datum: 03. September 2019
Uhrzeit: 09:11 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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Die Wasserkrise, von der ein großer Teil des Planeten betroffen ist, hat Chile zu einem der am stärksten gefährdeten Länder der Region gemacht. Die Regierung hat – über das Landwirtschaftsministerium – einen landwirtschaftlichen Notstand für mehrere Regionen angeordnet und die Landwirte haben die Wasserknappheit als die „schlimmste“ seit Jahrzehnten bezeichnet. Die Industrialisierung und der Klimawandel haben die Situation vor allem in Zentral- und Nordchile verschärft. Aus diesem Grund ist die „Corporación Reguemos Chile“ (RCH) entstanden, eine öffentlich-private Initiative, die den Bau einer „Wasserstraße“ anstrebt. Das Projekt zählt zu den teuersten in Lateinamerika.

Maximiano Letelier, Geschäftsführer von RCH, bestätigte die Fortschritte in dieser Angelegenheit: Am Dienstag, den 3. September, werden sie das Projekt im Rahmen von Konzessionen des Ministeriums für öffentliche Arbeiten (MOP) in Angriff nehmen und erläutern, dass es sich um eine Initiative für „private öffentliche Arbeiten“ handelt. Für das Projekt werden mindestens zwanzig Milliarden US-Dollar veranschlagt.

Die „Wasserautobahn“ wird es demnach ermöglichen, den Wasserüberschuss aus den Flüssen der Bío Bío-Region zu erfassen, speichern und nach Norden in die Atacama-Region zu transportieren. Nach Ansicht der öffentlich-privaten Körperschaft ist das Wasser der Flüsse in Bío Bío „reichlich vorhanden und wird in den Wintermonaten nicht in vollem Umfang genutzt“. Etwa achtzig Prozent des beförderten Wassers werden auf der Grundlage des eigenen Schwerkraftimpulses unter Verwendung des natürlichen Gefälles übertragen, die verbleibenden zwanzig Prozent durch Pumpstationen oder Hebestationen. Das Projekt sieht vor, ungefähr eine Million Hektar Land neu zu bewässern, wodurch die Menge der kultivierbaren Fläche „verdoppelt und Wohlstand in die Regionen Chiles zurückgegeben“ wird.

„Das Hauptziel der Wasserstraße besteht darin, die Entwicklung der Agrarindustrie in Chile voranzutreiben und die Exportkapazität des Landes zu stärken, sie in eine Agrar- und Ernährungsmacht umzuwandeln und ihre produktive Matrix und Abhängigkeit von Kupfer zu diversifizieren“, heißt es in dem Bericht. Dass es bereits massive Proteste von Umweltschützern und Indigenen gibt, wird nicht erwähnt.

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  1. 1
    Peter Hager

    Das genau sind die Projekte, die aus Kurzsichtigkeit, Gier und Größenwahn den Planeten ruinieren und auf Dauer allem Leben die Grundlage entziehen werden. Die Verantwortlichen sollte man lieber gleich in Sicherungsverwahrung nehmen, bevor sie das geplante Unheil anrichten können.

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