Amazonas-Regenwald und die Kraft der Paläoökologie

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Daten der nationalen brasilianischen Weltraumforschungsagentur zeigen, dass die Entwaldung im September 2019 um 96 Prozent gegenüber dem gleichen Monat des Jahres 2018 gestiegen ist (Fioto: Latinapress)
Datum: 30. Oktober 2019
Uhrzeit: 09:33 Uhr
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Autor: Redaktion
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Man könnte meinen dass es ein modernes Phänomen ist, Feuer zu legen um Wälder für landwirtschaftliche Nutzflächen zu roden. Wissenschaftler haben jedoch herausgefunden, dass es die alten Bewohner des Amazonas bereits vor 4.500 Jahren taten, mit einem entscheidenden Unterschied: Bäume wurden nur selektiv verbrannt, was heute wichtige Lehren für die Landbewirtschaftung im Amazonasgebiet ziehen könnte. Das Studium der antiken Umwelt – bekannt als Paläoökologie – hilft dabei, die landwirtschaftlichen Techniken zu beleuchten, die von den ersten Amazonasvölkern angewendet wurden.

Hohe Mengen an Holzkohle, die in archäologischen Siedlungen gefunden wurden, gelten als Beweis dafür, dass die präkolumbianische indigene Bevölkerung Feuer für die Landbewirtschaftung einsetzte. Am Caranã-See in Brasilien fanden Wissenschaftler heraus, dass einheimische Bauern auch eine Reihe von Feldfrüchten zwischen die Bäume pflanzten, essbare Arten wie Paranüsse und Acai vermehrt und den Boden mit Kompost, Abfall und Holzkohle angereichert hatten.

Es könnte Lektionen für das moderne Brasilien in der Brandbekämpfung geben, die von alten indigenen Völkern angewendet wurden. Ein Forscherteam der Universität Amsterdam analysierte das Kohlensediment des Caranã-Sees neben Pollen und anderen Pflanzenresten und stellte fest, dass die alten Völker das Regenwald-Unterholz durch häufiges Verbrennen mit geringer Intensität beseitigten – was die Entstehung von Brennstoffen begrenzt und möglicherweise größere Waldbrände verhinderte.

Diese Aktivität wurde jedoch eingestellt, als nach der europäischen Kolonialisierung durch Krankheitsepidemien 95 Prozent der Ureinwohner des Amazonas ausgelöscht wurden. Mit der Rückkehr des Unterholzes nahmen die brennbaren Waldflächen zu und die Gefahr, dass alte Bäume in Mitleidenschaft gezogen wurden. Daten der nationalen brasilianischen Weltraumforschungsagentur zeigen, dass die Entwaldung im September 2019 um 96 Prozent gegenüber dem gleichen Monat des Jahres 2018 gestiegen ist und in den ersten acht Monaten des Jahres 7.854 Quadratkilometer Regenwald im Amazonasgebiet zerstört wurden.

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