Trotz Wahlprüfung: Radikalisierung der Proteste in Bolivien – Update

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Die Hälfte der Bolivianer glaubt Präsident Evo Morales nicht mehr (Foto: ScreenshotYouTube)
Datum: 02. November 2019
Uhrzeit: 07:44 Uhr
Leserecho: 3 Kommentare
Autor: Redaktion
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Trotz Prüfung der Stimmenauszählung/Wahlunterlagen durch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) radikalisieren sich die Proteste im südamerikanischen Land Bolivien. Am Freitag (1.) gingen landesweit Zehntausende auf die Straßen und forderten den Rücktritt von Präsident Evo Morales. Anhänger des Staatsoberhauptes lieferten sich blutige Auseinandersetzungen mit den Demonstranten in La Paz und anderen Städten, Steine, Stöcke und Feuerwerkskörper wurden auf Sicherheitskräfte geworfen. Diese antworteten mit Tränengas und Gummi-Geschossen, um die Protestmärsche zu zerstreuen.

In den Städten Santa Cruz (Osten), einer Hochburg der Opposition und Potosí (Südwesten) wurde am Freitag ein Streik ausgerufen, der die Arbeits- und Bildungstätigkeit gelähmt hat. In anderen Städten Boliviens, einschließlich La Paz, ist der Schulunterricht seit einer Woche ausgesetzt. Seit Beginn der Proteste am Tag nach den Wahlen am 20. Oktober gab es laut dem Büro des Bürgerbeauftragten etwa 140 Verwundete und zwei Tote. Manuel Guzmán de Rojas, Generaldirektor des für die Verarbeitung der Wahldaten in Bolivien zuständigen Unternehmens „Neotec“ teilte mit, dass es zum aktuellen Zeitpunkt keine Gewissheit darüber gibt „ob es Betrug gab oder nicht“. Die vollständige Prüfung der Unterlagen soll nach seinen Worten rund zwei Wochen dauern.

Der OAS-Prüfungs-Koordinator trat nach seiner Kritik an den „Evo Morales-Manövern zur Wiederwahl“ zurück. Der mexikanische Beamte hatte zwei Kolumnen veröffentlicht, in denen er die Wiederwahl und die Verlängerung von Mandaten als „Türen“ bezeichnete, die „nicht geöffnet werden sollten“. Zudem hatte Arturo Espinosa Silis den bolivianischen Wahlprozess in Frage gestellt.

Update, 3. November

Der Leiter der OAS-Beobachtermission in Bolivien hat die Glaubwürdigkeit des Obersten Wahlgerichts in Frage gestellt. Der Führer der Proteste forderte den Rücktritt von Evo Morales innerhalb von 48 Stunden. Sollte dies nicht geschehen, hat Luis Fernando Camacho weitere Mobilisierungen angekündigt.

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  1. 1
    noesfacil

    >Trotz Prüfung der Stimmenauszählung/Wahlunterlagen durch die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) radikalisieren sich die Proteste im südamerikanischen Land Bolivien<

    Das wundert mich insgesamt nicht im Geringsten!
    Einerseits ist gut nachvollziehbar, dass die Bolivianer die Nase gründlich voll haben, sich von Außen gesteuert, über den Tisch ziehen zu lassen.
    Andererseits wird es, wie in Venezuela ausreichend „Nutznießer“ geben, welchen von dem System „Morales“ bestens profitieren und welche ihre Felle wegschwimmen sehen.
    Und schließlich sind die üblen Zustände dort, im Zusammenhang mit den vermutlich gefälschten Wahlen, natürlich auch ein ausgezeichnetes Betätigungsfeld, für Brandstifter aller Art und Nationalität, welche die Situation gnadenlos Ausnutzen (agent provocateur), um ihr eigenes, stinkendes Süppchen zu kochen.
    Ich nehme da, im Gegensatz zu manch anderem niemanden aus/und/oder in Schutz.
    noesfacil

  2. 2
    Desastre

    Nachdem ich gestern ein paar Videos auf mein Handy bekam war ich doch entsetzt.
    Südamerika steht in Flammen. Von Venezuela über Ecuador bis nach Chile hin.
    Argentinien bildet mit seiner Pleite das Schlusslicht.
    Die Polizei Boliviens ist sogar dabei Venezuelaner einfach nach Paraguay ins Chaco zu bringen und sie dort stehen zu lassen. Wo bleiben die Aufschreie für Menschenrechte?
    Nada es facil.

    • 2.1
      noesfacil

      Welche „Sorte“ Venezolaner bringt die bolivianische Polizei ins Chaco?
      Diejenigen, welche a.) von Maduro offenbar zum Brandstiften gesandt wurden, oder b.) die armen Teufel, welche vor der Maduro Diktatur geflüchtet sind?

      Im Fall a.) könnte ich mir eine „klammheimliche Schadenfreude“ nur schwer verkneifen, wobei ich nicht glaube, das die Morales- Polizei das tun wird.
      Fall b.) ist dann wieder eine weitere elende Schweinerei, aber so ist das mit der solidaridad entre los pueblos Latinoamericanos.
      noesfacil

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