Kolumbien: Frieden gerät wieder in Gefahr

mord

In Kolumbien wächst die politische Gewalt (Foto; Archiv)
Datum: 24. November 2019
Uhrzeit: 10:19 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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Die Bundesregierung sollte mit mehr Nachdruck auf die Regierung Kolumbiens einwirken, damit diese den Friedensvertrag mit den FARC umsetzt, appellieren deutsche Hilfswerke und Menschenrechtsorganisationen zum dritten Jahrestag der Unterzeichnung des Abkommens am 24. November 2019. „Präsident Iván Duque spricht mit zwei Zungen: Im Ausland versichert er, den Vertrag umzusetzen. In Kolumbien legt seine Regierung der Umsetzung massiv Steine in den Weg“, sagt Margaret Buslay, Sprecherin der Kommission Solidarität Eine Welt von pax christi Deutschland.

Viele Kernvereinbarungen des Friedensvertrages sind bis heute kaum umgesetzt. Die Landreform, die die Ungleichverteilung von Land aufbrechen und marginalisierte Gemeinden stärken soll, wurde in weiten Teilen nicht begonnen. Die Sonderjustiz, die Sucheinheit für Verschwundene und die Wahrheitskommission leiden unter starken Budgetkürzungen und werden selbst von Regierungsmitgliedern immer wieder angegriffen. Eine Kommission unter Vorsitz des Präsidenten, die gegen paramilitärische Gruppen vorgehen soll, hat seit dem Amtsantritt von Iván Duque vor 15 Monaten nur zwei Mal getagt.

Gewalt nimmt wieder zu

„Die Regierung Duque lässt den Friedensprozess im wahrsten Wortsinn ausbluten. Notwendige Mittel zur Umsetzung des Friedensvertrages werden nicht genehmigt, bereits zugesagte Gelder zurückgehalten. Es wird versucht, Verpflichtungen aus dem Abkommen per Gesetz aufzuweichen. Wichtige Vorhaben wie die Landreform werden endlos aufgeschoben, während die Gewalt weiter zunimmt“, kritisiert Monika Lauer Pérez, Kolumbien-Referentin beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Lediglich die Wiedereingliederung der rund 13.000 früheren FARC-Kämpfer_innen habe leichte Fortschritte gemacht. „Wenn der Präsident sagt, der Friedensvertrag werde umgesetzt, dann meint er das Reintegrationsprogramm der Regierung. Der Vertrag ist aber viel mehr als das. Er muss vollständig umgesetzt werden, soll er wirklich zu Veränderungen führen“, so Lauer Pérez.

Ländliche Gebiete, in denen bewaffnete Konflikte aufflammen – insbesondere Catatumbo, Nord-Cauca und Caquetá – lässt Präsident Duque wieder massiv militarisieren. Das Militär soll hier künftig staatliches Handeln kontrollieren. „Mit ihrer aggressiven Sicherheitspolitik bringt die Regierung die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen weiter in Gefahr, anstatt sie zu schützen“, erklärt Stefan Tuschen, Kolumbien-Referent bei Misereor. „Viel wirksamer als noch mehr kugelsichere Westen, Bodyguards oder gepanzerte Fahrzeuge wäre, die allgegenwärtige Straflosigkeit zu beenden und präventive und kollektive Schutzprogramme zu fördern, wie es unsere Partner und Gemeinden seit Jahren fordern.“

Morde und Vertreibungen

2018 wurden – erstmals seit Abschluss der Friedensgespräche – wieder mehr Menschen getötet (rund 12.800) und vertrieben (rund 156.000) als im Vorjahr. Im Nord-Cauca explodiert aktuell die Gewalt: Über 50 Indigene wurden hier 2019 ermordet, allein 15 seit September. Von Januar bis Juni 2019 fielen kolumbienweit 59 Menschenrechtsverteidiger_innen Morden zum Opfer. Im Vorfeld der Regionalwahlen Ende Oktober wurden acht Politiker_innen diverser Parteien ermordet.

„Die Ende August verkündete Wiederbewaffnung von Teilen der FARC sollte ein Weckruf sein, den Friedensvertrag viel nachdrücklicher umzusetzen“, mahnt Matthias Schreiber, Koordinator bei kolko e. V. „Die Bundesregierung hat der Regierung Kolumbiens im November 2018 über eine halbe Milliarde Euro an Unterstützung zugesagt. Sie sollte gegenüber Präsident Duque auf konkrete Fortschritte bei der Vertragsumsetzung und eine detaillierte Rechenschaftslegung für die Mittelverwendung drängen, wie es viele zivilgesellschaftliche Gruppen in Kolumbien fordern.“

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  1. 1
    Peter Hager

    Dieser „Friedensvertrag“ mit der FARC war von vornherein nur ein schmutziger Deal eines verräterischen Ex-Präsidenten in und vor allem MIT Havanna. Schwerstverbrecher im Dienste Kubas haben nun Sitze im Parlament! Und ihre nicht entwaffneten Drogenhandels- und Entführungskommandos finden sicheren Unterschlupf aus venezolanischem Territorium. Noch immer ermorden FARC Leute Kleinbauer, die sich am Drogenanbau nicht beteiligen wollen. Andere, neue Gangs tun das gleiche. Beide ermorden sich gegenseitig. Beide ermorden Regierungskräfte und umgekehrt… Es mag zynisch klingen, aber spielt es da wirklich noch eine Rolle, wer wen ermordet? Es geht da doch nicht um Demokratie, Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Reformen. Sondern nur um Macht und Geschäft. Und solange nur ein einziger von Kuba, oder jetzt auch von Moskau, geschickter Verbrecher mit im Spiel ist, wird das Ganze immer deutlich barbarischer, gnadenloser und blutiger ablaufen.

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