Venezuela: Piraten ermorden Kapitän eines Öltankers

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In Puerto La Cruz (Anzoategui) werden Öl-Tanker verladen (Foto: Archiv)
Datum: 28. Februar 2020
Uhrzeit: 23:28 Uhr
Ressorts: Panorama, Venezuela
Leserecho: 12 Kommentare
Autor: Redaktion
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Im südamerikanischen Land Venezuela haben bewaffnete Angreifer den Kapitän eines Öltankers ermordet. Nach Angaben von „Reuters“ enterten sechs Piraten den unter mexikanischer Flagge fahrenden Tanker „San Ramon“, während er vor der Küste Ost-Venezuelas vor Anker lag (Bucht von Pozuelos). Beim Kapitän handelt es sich um den kolumbianische Staatsbürger Jaime Herrera Orozco, so ein Bericht der Hafenbehörde von Puerto La Cruz. Ein Unteroffizier der Küstenwache, der das Schiff bewachte, wurde verletzt.

Die Kriminalität ist zu einem wachsenden Problem für die marode Ölindustrie des OPEC-Mitglieds Venezuela während einer sechsjährigen Wirtschaftskrise geworden, die von einer Hyperinflation und einem Mangel an grundlegenden Gütern gekennzeichnet ist. Sogenannte Piraten rauben häufig Ausrüstung aus den Ölquellen im Maracaibo-See im Westen Venezuelas.

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  1. 1
    Peter Hager

    Ist zwar nur Spekulation, aber recht wahrscheinlich, daß diese Piraten auf die übliche „Beiladung“ venezolanischer Öltanker aus waren. Kaum einer sticht ohne beträchtliche Mengen an Drogen in See. Da wird auch schon mal eine Ladung minderwertiges Rohöl als Dieselöl deklariert und fakturiert. Damit wird das Drogengeld auf elegante Art „sauber“, und der Empfänger kann den Kaufpreis der Drogen als Kosten deklarieren und von der Steuer absetzen.

    • 1.1
      noesfacil

      Deshalb werden diese Art „Schiffe“ ja auch verkürzt, als schwimmende Waschmaschinen bezeichnet!
      noesfacil

  2. 2
    Paddy Zé

    Verstehe nur Bahnhof. Wie geht das? Rohöldiesel gegen Drogen?

    • 2.1
      Peter Hager

      Das funktioniert folgendermassen: Der Käufer der Schiffsladung ist sowohl im Mineralölgeschäft tätig, als auch, direkt oder indirekt, im Drogenhandel. Absolut nichts Aussergewöhnliches, wenn mafiöse Strukturen dahinterstehen. Nun kauft er offiziell eine Ladung Dieselöl, erhält aber tatsächlich nur minderwertiges Rohöl. Für die ganz erhebliche Preisdifferenz der beiden Produkte bekommt er mit dem Schiff auch eine stattliche Drogenladung. Die landet unbemerkt auf dem Drogenmarkt, wenn alles gut geht. Das Rohöl verschwindet im Labyrinth von Lagertanks und Raffinerien und wird vielleicht am Ende tatsächlich zu Dieselöl raffiniert. Die Wertschöpfung liegt dann aber auf der Käuferseite. Die Rechnung, mit der die Schiffsladung bezahlt wird, beinhaltet insgeheim auch den Wert der Drogen. So wird zum einen dieser Teil des Geldes ganz offiziell und „legitim“ der PDVSA überwiesen, so daß es keinerlei Schwarzgeld gibt, welches gewaschen werden müßte, zum andern setzt der Käufer den Kaufpreis auch noch von der Steuer ab. Also eine WIN-WIN-WIN Situation, außer für jene, die am Drogenhandel Anstoss nehmen oder darunter leiden.

      • 2.1.1
        noesfacil

        Sehr interessante „Geschäftsmodelltheorie“ welche aber m.E. nach an allen Ecken und Kanten hinkt!
        Aber das macht sicher nichts.
        noesfacil

      • 2.1.2
        Peter Hager

        Ich sehe schon, da antwortet ein wahrer Experte für solche Geschäftsmodelle. Durch Zufall erhielt ich von einen solchen Fall detailliert Kenntnis, bei dem die PDVSA Lieferant war. und das bereits vor etwa 17 Jahren. Besser wird es wohl bisher nicht geworden sein.

        Manchmal ist es doch von Vorteil, in Venezuela präsent zu sein. Da ist man halt selber mit der Realität konfrontiert, was allein die venezolanische Geburtsurkunde nicht leistet.

      • 2.1.3
        noesfacil

        Ja, jaj, ja,…… die sich immer häufenden „Zufälle“.
        Ich könnte hier eine lange Liste dieser „Zufälle“ und deren Plausibilität aufstellen, ist mir aber zu müßig!
        Ich sage nicht, es stimmt alles, ich sagte ebenfalls bereits, diese Schiffe werden auch „schwimmende Waschmaschinen“ genannt.
        Abe wie ich auch schon sagte, macht sicher nichts und ergänze,…. macht gar nichts.
        noesfacil

      • 2.1.4
        Paddy Zé

        Danke werter P.Hager. Wenn diese Leute dreckige Geschäfte machen, dann richtig. Ich mein, nicht nur, dass er dann ein Volkswagen liefert im Preis eines Mercedes. Dann ist der Empfänger der geprellte und unter seiner Rechnung schleifen die Drogen durch. Ich nehme an, dass diese Geschäfte nicht in allen Häfen möglich ist.

      • 2.1.5
        Paddy Zé

        …also nicht nur, dass der Öllieferant die Drogenlieferanten auszahlen müsste, auch der Empfänger zahlt die Ware. Kann es sein, dass die Drogen zweimal gezahlt werden?

      • 2.1.6
        Paddy Zé

        Also wirklich, da blickt kein normaler Mensch durch…

  3. 3
    Peter Hager

    Die Drogen werden nicht zwei mal bezahlt. Die PDVSA gehört der venezolanischen Regierung. Und die ist der größte Drogenexporteur der Welt. Die konsequente Benutzung der Transportmittel und des internationalen Zahlungsverkehrs der PDVSA für Drogenhandel wurde vor knapp 20 Jahren unter Chávez eingeführt und ab 2002 massiv ausgeweitet.

    Die Käuferseite ist etwas undurchsichtiger. Tatsache ist, daß vor allem in Ölstaaten der ehemaligen Sowjet Union, aber auch in einigen anderen Ländern, z.T. gar nicht so weit weg, enge Verflechtungen zwischen Mineralöffirmen, Mafia Gangs und bestehen. Den Zoll zu veranlassen, zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht in eine bestimmte Richtung zu schauen, ist dort einfach und übliche Praxis. Konkreter möchte ich da nicht werden.

    • 3.1
      Peter Hager

      KORREKTUR! Es sollte heissen: „…enge Verflechtungen zwischen Mineralöffirmen, Mafia Gangs und Regierung bestehen.“

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