„Rettet den Cerrado“: Deutsche Lebensmittelhändler fordern Entwaldungsstopp

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Sojaexporte treiben Abholzung voran (Foto: Ministerio)
Datum: 17. Juni 2020
Uhrzeit: 15:33 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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Deutschlands größte Lebensmittelhändler setzen sich für einen Stopp der Entwaldung und Zerstörung der einheimischen Vegetation in der Cerrado Savanne ein. In einer gemeinsamen Deklaration fordern Aldi-Nord, Aldi-Süd, EDEKA, Kaufland, Lidl, Metro, Netto Marken-Discount und Rewe die brasilianischen Sojahändler auf, die Entwaldung für die Sojaproduktion zu beenden. Die Unterzeichner nehmen damit ihre Verantwortung wahr, um den artenreichsten Savannenwald der Erde zu schützen. Der Sojaanbau, für den immer mehr Flächen im Cerrado gerodet werden – circa 90.000 Hektar jährlich – liefert Futtermittel u.a. für die deutsche Viehhaltung. Fast 50 Prozent der brasilianischen Sojaproduktion stammen aus dieser Region. Soja ist für die Hälfte der in die EU importieren Entwaldung aus der Lebensmittel- und Fleischproduktion weltweit verantwortlich.

Eine gemeinsame Lösung soll die fortschreitende Abholzung der Savanne stoppen. Das haben sich Ende vergangenen Jahres mehr als 150 Unternehmen und Investoren zum Ziel gesetzt und eine Absichtserklärung unterzeichnet. Doch die großen brasilianischen Sojaverbände ABIOVE und ANEC sind vor der finalen Unterzeichnung abgesprungen. Die deutschen Lebensmittelhändler rufen sie nun zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf, damit diese Vereinbarung für eine entwaldungsfreie Sojaproduktion möglichst zeitnah in Kraft treten kann und weitere Abholzung verhindert wird. Aus anderen europäischen Ländern wie Norwegen, Frankreich und Dänemark kommen aktuell gleichlautende Apelle.

Der Cerrado ist ein Savannenwald und fast sechsmal so groß wie Deutschland. Er beherbergt etwa 5 Prozent der biologischen Vielfalt der Erde, ist einer der wichtigsten Süßwasserlieferanten Südamerikas und bindet enorme Mengen an Kohlenstoff. Sein Erhalt ist auch für den weltweiten Klimaschutz bedeutsam. Im Laufe der letzten 40 Jahre wurde etwa die Hälfte der natürlichen Vegetation in Acker- und Weideflächen umgewandelt, weitere 30 Prozent sind stark beeinträchtigt. Rinderhaltung und Sojaanbau gehören zu den Haupttreibern dieser bedrohlichen Entwicklung. Die vom WWF mit initiierte sektorale Lösung zum Stopp der Entwaldung im Cerrado kann auf eine ähnliche Initiative für den brasilianischen Amazonas aufbauen, die seit 2006 erfolgreich umgesetzt wird. Dort gelang es, die Sojaproduktion auf bestehenden Flächen um 400 Prozent zu steigern und zugleich den Anteil an der Regenwaldrodung für den Sojaanbau von 30 auf 1,5 Prozent zurückzudrängen.

Pressemitteilung

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  1. 1
    Rene

    Was wollen die Deuschen resp. Europäer von Brasil fordern? Die sollen doch zuerst das Fleischessen reduzieren, somit brauchen sie auch weniger Soja zu importieren und es wird automatisch weniger Holz geschlagen. So einfach ist das. Nachrage bestimmt den Markt.

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