Impfstoffe gegen Corona: Pharmaindustrie muss das Leben der Menschen vor den Profit stellen

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Dem Bericht zufolge haben die reichsten Nationen genug Dosen gekauft, um die gesamte Bevölkerung bis Ende 2021 fast dreimal zu impfen (Foto: Archiv)
Datum: 09. Dezember 2020
Uhrzeit: 14:36 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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Ein am Mittwoch (9.) veröffentlichter Bericht der „People’s Vaccine Alliance“ warnt davor, dass etwa siebzig arme Länder oder Entwicklungsländer im kommenden Jahr nur jeden zehnten Menschen auf ihrem Territorium impfen können. Demnach wurden die meisten der vielversprechendsten Immunisierer, darunter Moderna, Pfizer und Astrazeneca, bereits von den reichen Ländern gekauft. In Europa, den Vereinigten Staaten und den meisten ostasiatischen Ländern haben die Regierungen bereits Millionen von Dosen von Impfstoffen gegen Covid-19 gekauft und bereiten Impfpläne für die Bevölkerung vor.

In Großbritannien begann am Dienstag (8.) die Massenimpfung der am meisten gefährdeten Gruppen und obwohl sie noch auf die Genehmigung der Arzneimittelbehörden warten, haben die Vereinigten Staaten und Europa bereits genügend Impfstoffe bestellt, um die Bevölkerung in den kommenden Wochen zu impfen. Während die reichen Länder Impfstoffe massenweise kaufen, werden die ärmsten Länder nicht die Kapazität haben, neun von zehn Menschen zu impfen. Reichere Länder, oder zumindest diejenigen die in der Lage sind ausreichende Dosen der Impfstoffe zu kaufen und die Bevölkerung vor Covid-19 zu schützen, machen nur vierzehn der Weltbevölkerung aus. Sie halten jedoch bereits dreiundfünfzig Prozent der vielversprechendsten Impfstoffe.

Dem Bericht zufolge haben die reichsten Nationen genug Dosen gekauft, um die gesamte Bevölkerung bis Ende 2021 fast dreimal zu impfen. Kanada führt demnach die Liste der Länder an, die die meisten Dosen anhäufen. „Die kanadische Regierung hat mehr Dosen pro Kopf gekauft als jedes andere Land und hat genug, um jede Person fünfmal zu impfen“, so die Organisation, zu der „Amnesty International“, „Frontline AIDS“, „Global Justice Now“ und „Oxfam“ gehören. „Niemand sollte wegen des Landes, in dem er lebt oder wegen des zur Verfügung stehenden Geldbetrags daran gehindert werden, einen lebensrettenden Impfstoff zu erhalten. Aber wenn sich nicht etwas dramatisch ändert, werden viele Millionen Menschen auf der ganzen Welt in den kommenden Jahren keinen sicheren und wirksamen Impfstoff gegen Covid-19 erhalten“, warnt Anna Marriott, Leiterin der Gesundheitspolitik bei „Oxfam“.

Die Dosen des Impfstoffs von „Pfizer“ und „BioNTech“, die letzte Woche in Großbritannien zugelassen wurden, werden fast vollständig in reiche Länder gehen – sechsundneunzig Prozent der Dosen wurden vom Westen erworben. Der moderne Impfstoff, der zu fünfundneunzig Prozent wirksam ist, geht ausschließlich an reiche Länder. Die „People’s Vaccine Alliance“ ruft alle Pharmaunternehmen, die an der Entwicklung und Herstellung von Covid-19-Impfstoffen arbeiten, dazu auf, die Technologie und das geistige Eigentum über das „Covid-19 Technology Access Network“ der Weltgesundheitsorganisation gemeinsam zu nutzen. Das Ziel ist, dass Millionen weiterer Dosen sicherer und wirksamer Impfstoffe hergestellt werden können, so dass jeder Zugang zum Schutz vor der Krankheit hat. „Die Regierungen müssen sicherstellen, dass die Pharmaindustrie das Leben der Menschen vor den Profit stellt“, bekräftigt Heidi Chow von „Global Justice Now“. Das Bündnis ruft die Regierungen auch dazu auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun um sicherzustellen, dass Impfstoffe zu einem globalen öffentlichen Gut werden – kostenlos, gerecht verteilt und bedarfsorientiert.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    C.H.Sievers

    > Pharmaindustrie muss das Leben der Menschen vor den Profit stellen<

    Das sind wahrhaftig hehre Ziele, welche aber in der Realität wohl eher nicht mehr als seichte, wenig realistische Träume bleiben werden.
    Das war nie so und wird auch niemals anders sein/werden und stünde dem eigentlich beabsichtigten Geschäftszweck dieser leider notwendigen Industrie auch diametral entgegen. Damit sind die teilweise sehr grenzwertigen Absichten dieser Industrie keineswegs gerechtfertigt, sie sind aber leider Teil der Wirklichkeit.

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