Brasilien: Bundesstaatsanwaltschaft fordert PCR-Testpflicht vor Inlandsflügen

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Brasiliens Bundesstaatsanwaltschaft fordert verpflichtende PCR-Tests vor Inlandsflügen (Foto: Igor Sales / Cruzeiro)
Datum: 21. Februar 2021
Uhrzeit: 10:41 Uhr
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Autor: Redaktion
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Um die Verbreitung des Coronavirus und vor allem der neuen Mutanten in Brasilien zu verlangsamen, fordert die Bundesanwaltschaft (MPF) des südamerikanischen Landes eine Testpflicht für Inlandsflüge. Die Behörde will dies nach eigenen Angaben nun vor Gericht durchsetzen lassen, eine entsprechende Klage sei in Vorbereitung. Momentan gilt die Pflicht zur Vorlage eines negativen PCR-Test nur bei internationalen Flügen.

Die zuständigen Staatsanwälte begründen ihren Vorstoß mit stark steigenden Fallzahlen der neuen Mutante, deren Ausbreitung sich nicht mehr nur auf den Norden des Landes beschränke. So soll das Gericht die Nationale Zivilluftfahrtbehörde (Anac) verpflichten, sowohl von Besatzungsmitglieder und Passagiere vor dem Abflug ein maximal 72 Stunden altes negatives Testergebnis zu verlangen.

In Brasilien werden aufgrund der gigantischen Dimensionen fast alle Geschäftsreisen mit dem Flugzeug absolviert. Marode Straßen, fehlende Infrastruktur im Schienenverkehr, überfüllte Fernbusse und gerade bei Geschäftsabschlüssen noch in Entwicklung befindliche Tools wie beispielsweise die digitale Signatur machen die Business-Trips quer durchs Land unverzichtbar. Auch darum steht momentan eine Einschränkung des Flugverkehrs trotz hoher Fallzahlen nicht zur Debatte.

„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Pandemie besteht keine Frage der Schließung von Flughäfen, da diese eine wichtige Rolle beim Transport von Fracht und Personen spielen. Es ist jedoch unvernünftig, dass der Atemweg weiterhin als offene Tür für den freien Verkehr des Virus und seiner unzähligen Varianten fungiert, die sich im Evolutionsprozess als schwerwiegender und übertragbarer erweisen “, heißt es in einem Auszug aus der von unterzeichneten Aktion der Staatsanwälte Márcio Torres, Nilce Cunha, Alessander Sales sowie Ricardo Magalhães de Mendonça.

In Brasilien war Manaus der erste Ort, an dem eine eigene Variante des Coronavirus P1 registriert wurde, dies sich trotz totaler Ausgangssperre extrem stark ausbreitete. Das Gesundheitsministerium berichtete am vergangenen Wochenende, dass extrem ansteckende Stamm mittlerweile nicht nur im Amazonasgebiet sondern auch in den Bundesstaaten Ceará, Espírito Santo, Pará, Paraíba, Piauí, Rio de Janeiro, Roraima, Santa Catarina und São Paulo identifiziert wurde.

Bereits vor einem Monat wurde die als P.1 bekannte Variante bereits in Deutschland registriert, weltweit sind Fälle aus 21 Ländern bekannt. Viele Infizierte hatten sich dabei in den vergangenen Wochen nicht in Brasilien aufgehalten, zumal der Flugverkehr ohnehin inzwischen stark eingeschränkt ist. In England müssen Reisende aus Brasilien mittlerweile auf eigene Kosten für zwei Wochen in eine Hotel-Quarantäne.

Im größten Land Südamerikas ist die Corona-Impfkampagne nach Widerständen von Staatspräsident Jair Bolsonaro und den evangelikalen Kirchen lange verschleppt worden. Nur zäh laufen jetzt die Impfungen mit zwei Präparaten an. Sowohl der Impfstoff von AstraZeneca als auch das Präparat Coronavac aus chinesischer Entwicklung erhielten Notfallzulassungen, allerdings ist die Wirksamkeit bei der P.1-Mutante noch völlig unklar. Die Mutante weist einige Veränderungen am Spike-Protein des Sars-CoV-2-Erregers auf. Worüber sich das Virus Zutritt zu den Zellen verschaffen und sich dann vermehren kann.

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