„Kokain des Meeres“: Vaquita vom Aussterben bedroht

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Wissenschaftler schätzen, dass es vielleicht weniger als ein Dutzend der 1,5 Metern langen und rund fünfzig Kilogramm schweren Golftümmler aus der Familie der Schweinswale (Phocoenidae) in freier Wildbahn gibt (Foto: Caracol/MuseodeCiencias)
Datum: 13. Mai 2021
Uhrzeit: 13:16 Uhr
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Autor: Redaktion
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Der Kalifornische Schweinswal (Vaquita) bewohnt nur ein kleines Gebiet im Nordwesten des Golfs von Kalifornien und zählt zu den bedrohtesten Säugetierarten überhaupt. Das Überleben des am stärksten gefährdeten Meeressäugern des Planeten ist durch einen tödlichen Interessenkonflikt zwischen Fischerei und Naturschutz bedroht. Wissenschaftler schätzen, dass es vielleicht weniger als ein Dutzend der 1,5 Metern langen und rund fünfzig Kilogramm schweren Golftümmler aus der Familie der Schweinswale (Phocoenidae) in freier Wildbahn gibt.

Der weltweit bekannte Pionier in der Meeresforschung Jacques Cousteau nannte das Cortéz-Meer, auch bekannt als Golf von Kalifornien, „das Aquarium der Welt“. Einer seiner Schätze ist ein silberfarbener Schweinswal mit großen Panda-Augen. Aber die Tage des Vaquita könnten wegen der illegalen Fischerei auf eine andere geschützte Art gezählt sein: den Totoaba. Der Totoaba, ein Fisch der so groß wie ein Vaquita werden kann, war eine Nahrungsquelle, bevor er in Mexiko auf die Liste der bedrohten Arten gesetzt wurde. „Wir haben ihn in den 60er und 70er Jahren gefangen“, erinnert sich Ramón Franco Díaz, Präsident einer Fischervereinigung in der Küstenstadt San Felipe auf der Halbinsel Baja California. „Dann kamen die Chinesen mit ihren Koffern voller Dollar und kauften unser Gewissen.“

Sie kamen und wollten die Schwimmblase des Totoaba, ein Organ, das dem Fisch hilft schwimmfähig zu bleiben. In China wird er wegen seiner angeblichen – wenn auch unbewiesenen – medizinischen Eigenschaften hoch geschätzt. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation „Earth League International“ können getrocknete Schwimmblasen in China für 85.000 US-Dollar pro Kilogramm verkauft werden. Die Fischer von San Felipe verdienen nur einen winzigen Bruchteil davon, aber in der armen Gemeinde boomt das Geschäft mit dem „Kokain des Meeres“.

Jeden Nachmittag während der Saison sind nicht lizensierte Boote unterwegs und ihre Besatzung verwendet Netze, die den Vaquita töten können. „Kiemennetze können Hunderte von Metern lang und zehn Meter hoch sein“, klagt Valeria Towns, die für die mexikanische NGO „Museo de la Ballena“ arbeitet. „Sie werden zu einer Mauer unter Wasser.“ Um den Vaquita zu schützen, sind eigentlich alle Kiemennetze im oberen Golf verboten. Dennoch sind sie weit verbreitet, auch bei Fischern mit Genehmigungen für Heilbutt oder Garnelen. Die Maschengröße variiert mit dem Fang und am gefährlichsten für den Vaquita sind Kiemennetze mit großen Maschen, die für den Totoaba verwendet werden.

Straflosigkeit und das Fehlen von Strafverfolgungsbehörden sind ein Grund dafür, dass Dutzende von Totoaba-Barkassen vom Strand von San Felipe aus in das Schutzgebiet fahren. „Nicht eine einzige Behörde hält sie auf“, erklärt Ramón Franco Díaz. „Wenn man es wagt, sich ihnen zu nähern, verpassen sie einem eine Kugel. Das organisierte Verbrechen hat das Meer von Cortéz gestohlen.“

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