Unschuldig hinter Gittern: IGFM Gefängnispost-Initiative

Marke-Denis

Mit Portraits politischer Gefangener auf Briefmarken will die Mnenschenrechtsorganisation "IGFM" den Eindruck verstärken, dass die inhaftierten Personen im Ausland hohes Ansehen genießen (Foto: IGFM)
Datum: 27. Mai 2021
Uhrzeit: 09:07 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Redaktion
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Belarus, China, Iran, Kuba, Venezuela, Bolivien, Nicaragua, Saudi Arabien, Türkei – weltweit sitzen Systemkritiker, Menschenrechtler und Künstler im Gefängnis – nicht selten ohne ein beweisbares Vergehen, ohne Anklage oder die Möglichkeit, sich zu verteidigen. Je mehr Aufmerksamkeit diese Fälle in der freien Welt bekommen, desto größer ist die Chance, dass diese Menschen in ihrer Haft gut behandelt werden. ​Ein Weg, dem Gefängnispersonal diese Aufmerksamkeit zu demonstrieren, ist Post an die Gefangenen. Sie signalisiert, dass die Inhaftierten international angesehene Personen sind. Sie kann verhindern, dass sie wie auf Kuba oder in Venezuela gefoltert werden. Und sie hilft, indem sie ihnen zeigt, dass die Welt sie nicht vergessen hat. ​

Mit Portraits politischer Gefangener auf Briefmarken will die Mnenschenrechtsorganisation „IGFM“ den Eindruck verstärken, dass die inhaftierten Personen im Ausland hohes Ansehen genießen. Den Inhaftierten kann geschrieben werden – mit ihren Portraits als Briefmarken. Die „Very Important Stamps“ erhält der Absender kostenlos, ebenso werden Textvorschläge für die Briefe zur Verfügung gestellt. ​

Acht Monate Gefängnis für friedlichen Musiker

Denis Solís González, Jahrgang 1988, ist ein kubanischer Musiker, der in einem Vorort Havannas aufgewachsen ist. Er ist Teil der Bewegung San Isidro (MSI), eines unabhängigen Künstlerkollektivs aus der kubanischen Hauptstadt. Der innerhalb und außerhalb Kubas bekannte Rapper thematisiert in seiner Musik seine Unzufriedenheit mit der kubanischen Realität. Nachdem am 6. November 2020 ein Polizist ohne Gerichtsbeschluss das Haus von Denís Solis betrat, kam es zu einem Streit. Denís Solis streamte ein Video des Vorfalls live über seinen Facebook-Account und wurde drei Tage später verhaftet. In einem Scheinprozess und ohne anwaltliche Unterstützung, wurde er aufgrund Beamtenbeleidigung und Missachtung der Staatsmacht zu acht Monaten Gefängnis verurteilt und in das Gefängnis Valle Grande gebracht. Seine Inhaftierung löste eine starke Solidaritätsreaktion von Mitgliedern der San-Isidro-Bewegung aus, die in ihrem Hauptquartier zusammen kamen und teilweise in tagelangen Hungerstreik traten, um die Freilassung des Musikers zu fordern.

Nach einer harten Kindheit im Herzen Alt-Havannas – seine Mutter starb, als er 12 Jahre alt war, und sein Vater, Ángel Manuel Solís Torres, verließ Kuba im Jahr 1994 und wurde nie wieder gesehen – absolvierte der Kubaner zunächst eine Ausbildung zum Krankenpfleger, schaffte sich aber bald ein Fahrradtaxi an, um das äußerst spärliche Gehalt aufzubessern. Ab dem Jahr 2016 begann sich Denis Solís öffentlich gegen die kubanische Regierung auszusprechen, nachdem die Behörden sein Fahrradtaxi konfiszierten. Er protestierte mehrmals gegen die Beschlagnahmung seiner Haupteinnahmequelle und wurde während einer solchen am 29. März 2016 in einer belebten Straße Havannas verhaftet. Auf einem Stück Stoff, dass er um den Körper trug, hatte er einen Schriftzug aufgebracht: „Die Regierung hat mir das Fahrradtaxi weggenommen von dem ich lebe, es reicht jetzt”. Solís kam daraufhin für zwei Monate in das Gefängnis.

Zwei Jahre später, im Jahr 2018, veröffentlichte Solís den Clip “Sociedad condenada” (Verurteilte Gesellschaft), einen offen Anti-Castro-Reggae, den er im ersten Teil mit realen Bildern seines Protestes gegen die Beschlagnahmung seines Fahrradtaxis illustrierte. “Eine Gesellschaft, verdammt unter der Dunkelheit, unterworfen unter die Klauen eines Mörders, wenn du dich dem widersetzt, was er bestimmt, sperrt er dich ein oder vernichtet dich”, so ein Teil des Refrains des Liedes. Als Teil der Bewegung San Isidro (MSI) intensivierten sich die politischen Botschaften von Denis Solis in den sozialen Netzwerken und in seiner Musik. Er appellierte darin an die Notwendigkeit eines Erwachens der Bürger und eines Wandels im Land, was er auch mit einem Tattoo auf seinem Bauch deutlich machte, dort steht: „Cambio, Cuba, Libre“ (spanisch für „Wandel, freies Kuba“).

Die Bewegung San Isidro (MSI)

Als im Jahr 2018 die kubanische Regierung das Dekret 349 verabschiedete, das jegliche künstlerische Äußerung verbietet, wenn sie nicht vom Kulturministerium oder anderen staatlichen Stellen genehmigt sei, organisierte sich Widerstand. Dieses Dekret wurde von bekannten kubanischen Künstlern wie Tania Briguera, José Ángel Toirac und Luis Manuel Otero Alcántara abgelehnt, die argumentierten, dass es darauf abziele, die Meinungsfreiheit zu beschneiden. Aus diesem Protest erwuchs das Künstlerkollektiv Movimiento San Isidro (MSI), benannt nach dem Stadtviertel San Isidro der Hauptstadt Havanna, was zwar ärmlich ist aber gleichzeitig als Zentrum einer vielfältigen Kunstszene gilt. Die Organisation, bringt junge Künstler, unabhängige Journalisten und Akademiker zusammen, die sich gegen die repressiven Maßnahmen der kubanischen Regierung organisiert haben und drückt dies in Liedern, literarischen Werken und weiteren Kunstformen aus.

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