Kuba: Diktatur verhaftet aus Berlin zurückgekehrten Dissidenten – Update

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Lavastida greift auf verschiedene Mittel wie Video, Collagen, öffentliche Interventionen und Installationen zurück, um die Werkzeuge von Castros menschenverachtender Propaganda zu entmystifizieren (Foto: Twitter)
Datum: 28. Juni 2021
Uhrzeit: 01:41 Uhr
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Autor: Redaktion
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Der am 21. Juni nach einer Künstlerresidenz in der Galerie des Künstlerhauses Bethanien in Berlin nach Kuba zurückgekehrte audiovisuelle Künstler Hamlet Lavastida ist von der politischen Polizei verhaftet worden. Lavastida hatte sich nach seiner Rückkehr in der durch die COVID-19 geregelte Isolation in einem der in Havanna eingerichteten Zentren befunden und war am Samstag entlassen worden. Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ wies seine Verhaftung zurück und forderte das Regime auf, ihn freizulassen. „Wir fordern, dass seine Menschenrechte respektiert werden und dass die Misshandlungen von Künstlern aufhören“, so der Direktor der Organisation für Amerika, José Miguel Vivanco. Außerdem kritisierte er das diktatorische Regime scharf für die zunehmende Überwachung von Künstlern, die mit dem Inhaftierten befreundet sind – darunter die Schriftstellerin Katherine Bisquet, Camila Lobón, Carolina Barrero und Tania Bruguera.

Lavastida greift auf verschiedene Mittel wie Video, Collagen, öffentliche Interventionen und Installationen zurück, um die Werkzeuge von Castros menschenverachtender Propaganda zu entmystifizieren. Die Werke des kubanischen Künstlers und Aktivisten, der zu den relevantesten seiner Generation zählt, sind in offiziellen Kultureinrichtungen verboten. „Es scheint mir, dass das, was sie mit Hamlet gemacht haben, ein Akt der Erpressung und Einschüchterung nicht nur gegen ihn ist, sondern auch gegen die Menschen, die mit ihm im Isolationszentrum festgehalten wurden – von denen er die meisten wahrscheinlich nicht kannte. Die Tatsache, dass sie bis zu dem Tag gewartet haben an dem er aus dem Isolationszentrum entlassen werden sollte, beweist, dass sie nicht nur versuchen Hamlet zu verletzen, sondern auch die Menschen, die bei ihm waren“, erklärte sein enger Freund und Künstlerkollege Julio Llópiz-Casal gegenüber „Martí News“.

„Die Botschaft, die das kubanische Regime sendet, gilt für alle: Wenn Sie draußen sind, bleiben Sie draußen und wenn Sie drinnen sind, bleiben Sie still. Das ist einfach pervers“, klagte Rechtsanwalt Eloy Viera Cañive, der das Manöver des Regimes als „pervers“ bezeichnete. „Gerade jetzt wird Hamlet einem Prozess unterworfen, von Anschuldigungen, von Fragen, die angeblich gegen die nationale Sicherheit, gegen die Sicherheit des Staates sind. Das Gefährlichste ist, dass die Staatssicherheit das Recht hat, ohne jede Antwort zu entscheiden, was ein Verbrechen gegen die Staatssicherheit ist“, bekräftigte Llópiz-Casal und er fügte hinzu: „Sie können alles fabrizieren, weil sie auf eine paralegale und feige Art und Weise operieren, die über der Tätigkeit der Polizei steht, über den kubanischen Gesetzen und mit der Möglichkeit, jeden Fall direkt anzuordnen. Hamlet kann das Opfer eines Verbrechens sein, das er nicht begangen hat, das sie aber auf eine fast hyperrealistische Weise fabriziert haben“.

Vor achtzehn Jahren vereitelte der inzwischen verstorbene Diktator Fidel Castro einen Aufruf zur freien Meinungsäußerung, indem er 75 Dissidenten zu Gefängnisstrafen verurteilte, darunter Aktivisten, Ärzte und 32 unabhängige Journalisten. Die letzten Gefangenen dieser Gruppe wurden zwischen 2010 und 2011 in einem Prozess von Freilassungen aus dem Gefängnis entlassen, der durch die Vermittlung der kubanischen katholischen Kirche mit Raul Castro ermöglicht wurde. Heute sind die Zielscheibe Künstler, junge Menschen, die nicht bereit sind, ihre Meinungsfreiheit angesichts eines rückschrittlichen Autoritarismus aufzugeben, wie Luis Manuel Otero Alcántara, Maykel Osorbo und El Funky, die von der Diktatur unter Miguel Díaz-Canel entführt wurden. Sie alle sind Symbole dieser brutalen neuen Welle von willkürlichen Verhaftungen, psychiatrischer Zwangsinternierung und Zensur.

Update, 29. Juni

Durch immer neue Verhaftungen von regimekritischen Künstlern will Kubas Staatsführung jede Kritik aus der Kunstszene ersticken, so die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Am 26. Juni 2021 verhaftete die politische Polizei den Künstler Hamlet Lavastida und hielt ihn für 12 Stunden in Einzelhaft fest. Seither sitzt Lavastida in Untersuchungshaft in der „Villa Marista“, dem berüchtigten Geheimdienst-Gefängnis in Havanna. Sein Vergehen: Der Künstler hatte die Freilassung eines anderen kubanischen Künstlers bei einer Veranstaltung in Berlin gefordert.

Die Inhaftierung von Lavastida folgt einem systematischen Muster der Unterdrückung. Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM erklärt dazu: „Die kubanische Führung fürchtet die stetig wachsende Demokratiebewegung. Deswegen sitzen so viele Bürgerrechtler im Gefängnis. Die Zahl der politischen Gefangenen hat sich unter der Führung des neuen Machthabers Miguel Díaz-Canel noch vergrößert. Díaz-Canel hat aber auch ein Problem mit der immer lauter werdenden Regimekritik durch die kritische Intelligenz. Schriftsteller, Musiker, bildende Künstler und unabhängige Journalisten opponieren gegen die totalitäre Staatsführung.“

Während seiner Ausstellung im Künstlerhaus Bethanien in Berlin nahm Lavastida an einem friedlichen Protest für den inhaftierten Künstler Luis Manuel Otero Alcántara teil, der sich nun auch für die Freilassung Lavastidas aussprach. Lavastida kehrte am 21. Juni 2021 in seine Heimat zurück. Trotz Impfung begab er sich zur Isolation vorerst in ein Quartier zurück, wo er am 26. Juni von Beamten der kubanischen Staatssicherheit verhaftet wurde. Der Künstler ist Mitglied der Plattform 27N (27. November), einer Bewegung Intellektueller, die demokratische Veränderungen und die Einhaltung der Menschenrechte auf Kuba fordern.

Von 2011 bis 2015 lebte Lavastida im Ausland, da ihm die kubanische Führung aufgrund seiner Regimekritik die Einreise verweigerte. Der Künstler macht in seinen Videos, Collagen und Drucken auf die Unterdrückung der kubanischen Bevölkerung durch das Regime aufmerksam. Seine Kunst darf in den öffentlichen kulturellen Institutionen Kubas nicht gezeigt werden.

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