Strategien gegen die Infodemie in Brasilien

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Die Regierung Bolsonaro hat die Pandemie verharmlost und lange gebraucht, bis sie eine Impfkampagne gestartet hat (Foto: Marcelo Camargo/Agência Brasil)
Datum: 07. Juli 2021
Uhrzeit: 08:26 Uhr
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Redaktion
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Mehr als 500.000 Corona-Tote beklagt Brasilien bisher. Die Regierung Bolsonaro hat die Pandemie verharmlost und lange gebraucht, bis sie eine Impfkampagne gestartet hat. Die Social Media-Kommunikation hierzu erforschen nun gemeinsam die Universität Duisburg-Essen (UDE) und die Universidade do Vale do Rio dos Sinos, in Porto Alegre. Das Team unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Stieglitz (UDE) will herausfinden, welche Falschnachrichten kursieren und wie alle in der brasilianischen Bevölkerung mit den korrekten Fakten zur Covid-19-Impfung versorgt werden können. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert das Vorhaben aus dem Sondertopf „Fokus-Förderung COVID-19”.

Im Vielvölkerstaat Brasilien ist die Ungleichheit groß. Viele Menschen leben in prekären Verhältnissen, das Gesundheitssystem ist mangelhaft. Das Land am Zuckerhut hat sich zu einem Corona-Hotspot entwickelt, auch weil Präsident Jair Bolsonaro die Desinformation über COVID-19 befördert hat. Mit dieser schädlichen Infodemie setzt sich die Forschungsgruppe um Prof. Stieglitz in den kommenden zwölf Monaten im Projekt SMAVAC* auseinander: „Um Fehlinformationen, Gerüchte und Verschwörungstheorien aufzudecken, werten wir die Social Media-Daten von Twitter, Reddit und YouTube aus“, erklärt der Professor für ‚Digital Communication and Transformation‘.

Welche Geschichten (Narrative) werden gesponnen, sind Muster erkennbar, und lassen sich Strippenzieher identifizieren? Diese Fragen wollen die Wissenschaftler:innen klären – nicht nur aus reinem Forschungsinteresse. „Es ist uns wichtig,“ betont Stieglitz, „konkrete Empfehlungen und Strategien für brasilianische Gesundheitsinstitutionen zu entwickeln, damit sie bei künftigen Gesundheitskrisen widerstandsfähiger gegen Infodemien sind.“ Dabei gehe es auch darum, wie man die indigene Bevölkerung und die Menschen in prekären Lebensverhältnissen erreichen könne.

„Für unsere brasilianischen Kolleg:innen um Prof. Adriana Amaral ist die Zusammenarbeit mit der UDE und die Unterstützung durch die DFG sehr bedeutsam. Denn die Bolsonaro-Regierung hat viele wichtige Forschungsförderungen gekürzt oder gestrichen“, erläutert Stieglitz. Mit der Universität in Porto Alegre kooperiert er nicht zum ersten Mal. Schon in einem anderen Projekt ging es um den Nutzen von Social Media Analytics bei der Bewältigung von Krisen.

Die Ergebnisse und die Strategien von SMAVAC sollen im nächsten Jahr bei einem deutsch-brasilianischen Workshops vorgestellt werden.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Paul Landmesser

    Nur mal so nebenbei. Das (kostenlose) brasilianische Gesundheitssystem SUS ist -neben Kuba- das beste in Lateinamerika!

    • 1.1
      C.H. Sievers

      Ist das jetzt Ihr Ernst, oder Realsatire?
      Für cubanische Verhältnisse mag das ja gerade eben noch so und sehr knapp zutreffen,…. ähh, waren Sie mal in einem Cubanischen Normalkrankenhaus, z.B. in Havanna im Hospital Hermanos Ameijeiras, ja???
      Aber für Brasilien zutreffend,…na ja!?

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