„Entre Ríos Museos“: Virtuelles Museum zur Gewalt in Kolumbien

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Nach Mexiko ist Kolumbien weiterhin das gefährlichste Land Lateinamerikas für Journalistinnen und Journalisten (Foto: Archiv)
Datum: 07. Dezember 2021
Uhrzeit: 12:47 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Redaktion
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Kolumbien ist für Medienschaffende nach wie vor eines der gefährlichsten Länder Lateinamerikas. Morddrohungen, körperliche Angriffe und Entführungen sind keine Seltenheit, immer wieder kommt es auch zu Toten. Gefährlich sind Recherchen etwa über Landkonflikte, Korruption, Drogenkriminalität oder die trotz des Friedensabkommens von 2016 weiter bestehenden bewaffneten Konflikte. Die Behörden sorgen kaum für Schutz, die Justiz bestraft nur wenige Taten. Bei den Protesten im April dieses Jahres kam es zu einer nie dagewesenen Welle der Gewalt gegen Medienschaffende. Mit über 200 Übergriffen auf Journalistinnen, Journalisten und Medien waren es so viele wie noch nie in Kolumbien. Etwa die Hälfte davon wurden von Sicherheitskräften verübt.

Über die Gewalt, die von paramilitärischen Gruppen ausgeht, berichtet auch die Journalistin Ginna Morelo. Sie widmet sich der Aufdeckung von Menschenrechtsverbrechen, schreibt über Landraub durch die Paramilitärs, ihre Verbindung in die Politik und die Gewalt gegen hunderte von Menschen. Durch ihre Berichterstattung wurde Ginna Morelo selbst Ziel von Einschüchterungsversuchen und Morddrohungen.

Während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Berlin im Rahmen des Erholungs- und Recherchestipendiums von Reporter ohne Grenzen (RSF) hat sie nun eine Recherche beendet, die sie seit 20 Jahren begleitet: die Verbrechen gegen Professorinnen, Professoren und Studierende der Universität Córdoba durch paramilitärische Gruppen. Ihr Projekt „Entre Ríos Museo“ ist ein virtuelles Museum in Form einer Webseite, die die Geschichte der Gewalt der Paramilitärs in der kolumbianischen Karibikregion Córdoba darstellt. Die Recherche befasst sich mit der Ermordung von Professorinnen, Studenten und Angestellten der Universität von Córdoba sowie von indigenen Anführerinnen und Anführern und Betroffenen, die ins Exil gingen.

Der erste Teil ihres Projekts ist ein Dokumentarfilm namens „A Journey into Silence“, der von Martha Domicó handelt, Anführerin der indigenen Gemeinschaft Embera Katío, deren Vater von Paramilitärs ermordet wurde. Ihr Tod steht in Zusammenhang mit dem Bau des Urrá-Staudamms, eines Wasserkraftwerks, das mitten in einem Naturschutzgebiet gebaut wurde, wo die Embera lebten. Der Film handelt auch vom Mord an Alberto Alzate Patiño, Professor an der Universität von Córdoba, der die Umweltauswirkungen des Staudammbaus untersucht hat. In der Online-Veranstaltung wird Ginna Morelo den Film zeigen sowie die Webseite vorstellen. Darüber sprechen wird sie mit der Moderatorin Louise Kaufmann aus dem RSF-Referat Nothilfe und Stipendien.

Wann: am Dienstag, 7.12., ab 17:00-18:30 Uhr

Wo: Online via YouTube. Es wird zwei Streams geben:

Deutsch

Spanisch

Die Veranstaltung findet in deutscher und spanischer Sprache statt und wird simultan gedolmetscht. Wir bitten um Anmeldung per E-Mail.

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