Alle vier Stunden wird in Brasilien ein Schwarzer von Polizisten ermordet

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Das neue Bulletin des Netzes der Sicherheitsbeobachtungsstellen spricht von einem erklärten Rassismus, der mit Zustimmung der Behörden und eines Großteils der Gesellschaft praktiziert wird (Foto: Marcello Casal JrAgência Brasil)
Datum: 14. Dezember 2021
Uhrzeit: 18:16 Uhr
Leserecho: 4 Kommentare
Autor: Redaktion
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Alle vier Stunden wird in Brasilien ein Schwarzer von Polizisten ermordet. Dies geht aus einer am Dienstagnachmittag (14.) Ortszeit veröffentlichten Studie des „Observatórios da Segurança“ hervor. Die Studie „Ziel Haut: die Farbe der Polizeigewalt“ zeigt anhand von Daten, dass alle vier Stunden ein Schwarzer bei Polizeieinsätzen in sechs der sieben vom Netzwerk beobachteten Bundesstaaten getötet wird: Bahia, Ceará, Piauí, Pernambuco, Rio de Janeiro und São Paulo. Das neue Bulletin des Netzes der Sicherheitsbeobachtungsstellen spricht von einem erklärten Rassismus, der mit Zustimmung der Behörden und eines Großteils der Gesellschaft praktiziert wird. Die ermittelten Daten stammen aus dem Jahr 2020 und zeigen, dass Rassismus auch im Kontext einer globalen Gesundheitskrise keine Ruhe gibt, sondern im Gegenteil noch mehr Menschen tötet, sowohl durch Viren als auch durch Schüsse. In den sechs untersuchten Bundesstaaten gab es 2.653 von der Polizei verursachte Todesfälle mit rassistischem Hintergrund, 82,7 Prozent davon enfallen auf „Negras“.

Zum zweiten Mal seit Beginn der Erhebung ist Rio de Janeiro der Bundesstaat, in dem die meisten Schwarzen bei Polizeieinsätzen getötet werden: 939 der 1.092 Todesfälle, bei denen die Hautfarbe bzw. Rasse angegeben wurde, wurden registriert. In allen Bundesstaaten ist der Anteil der Schwarzen unter den von der Polizei Getöteten wesentlich höher als in der Bevölkerungszusammensetzung der Staaten, was zeigt, dass der Tod durch ein von einem Polizeibeamten getragenes Gewehr Schwarze im Vergleich zu Nicht-Schwarzen überproportional trifft.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    Heiko Hellmuth

    Der Begriff ‚Mord‘ bezeichnet eine gezielte Tötungsabsicht. Dies dienstausübenden Polizisten zu unterstellen ist sehr gewagt und nicht hilfreich, es sei denn man verfolgt dabei eine Absicht…
    Es ist auch eine Beleidigung von Menschen, die jeden Tag Ihr Leben riskieren!
    Vermutlich handelt es sich eher um Opfer auf Seiten von Kriminellen, vielleicht in Folge der häufigen Überfälle.

    • 1.1
      Redaktion

      Wir haben den Bericht der Organisation zitiert…

  2. 2
    Paul Landmesser

    Und durchschnittlich jeden 2. Tag wird in Brasilien ein Polizist ermordet! Deshalb „wer zögert ist tot“, kann man fast jeden Tag auf Record News sehen! Unter Bolsonaro sind die Morde in seinem ersten Regierungsjahr um 25% gesunken und das geht nur -leider- mit massiver, polizeilicher Gewalt! Natürlich gibt es da auch tragische Fälle, besonders wenn in Favelas Kinder von „balas perdidas“ getroffen werden, aber Lateinamerika ist nicht Europa!

    • 2.1
      C.H.Sievers

      Sie haben, m.E. nach eine sehr bedenkliche und auch ziemlich menschenverachtende Position, welche Sie hier vertreten.
      Ein Unrecht wird durch ein anderes Unrecht weder irgendwie besser noch irgendwie aufgehoben oder gar sanktioniert.
      Wer zögert ist tot, dieser Leitsatz mag zwar im falle der Abwehr eines Angriffs durchaus zutreffen, er ist aber keinesfalls als Sanktion, weder für das Töten von Schwarzen, noch auf das Töten von Polizisten, gleich welcher Hautfarbe und/oder Ethnie zu übertragen.
      Auch die von Ihnen und Ihresgleichen bejubelte, an das Faschistoide gehende „Bolsonaro- Gewalt- Doktrin“ schafft keinerlei Legitimation und/oder einen Ausgleich und schon gar nicht durch die überaus korrupte Polizei in Brasilien und deren Gewaltorgien, welche natürlich auch den Gewaltorgien der Gegenseite ihre Entsprechung finden.
      Wir wissen hier sehr genau, wes „Geistes Kind“ Leute wie Sie in Brasilien und/oder Lateinamerika sind,…… Waffenhändler aus der Pforzheim- Provinz!
      Lateinamerika ist nicht Europa,….. ach nee; wer hätte das gedacht, aber es ist dennoch keinerlei Legitimation für ausufernde Gewaltorgien, gleich wer diese anzettelt.
      Nur ein gerechter, sozialer Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und die Abschaffung der elenden, völlig ungleichen Verhältnisse, nebst der elenden Korruption wird halbwegs gewaltfreie und gerechte Zustände in Lateinamerika schaffen.
      Ganz gewiss nicht solche überkommenen „Wildwest- Fantasien“, wie von Ihnen propagiert, auch dem Motto „first shoot then ask questions.

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