Naturzerstörung in Südamerika: Sojaproduktion für Europas Futtertröge

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Sojaproduktion für Europas Futtertröge befeuert Naturzerstörung in Südamerika (Foto: WWF)
Datum: 07. März 2022
Uhrzeit: 12:52 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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Die Menschen der Europäischen Union und Großbritanniens zerstören mit ihren aktuellen Ernährungsgewohnheiten artenreiche Wälder, Grasländer und Feuchtgebiete in Südamerika. Denn pro Kopf essen sie über 60 Kilogramm Soja pro Jahr. 55 Kilogramm davon verstecken sich in verzehrtem Fleisch, Eiern, Milch oder Fisch und wurden als Futtermittel verbraucht. Das zeigt ein neuer Report im Auftrag der Umweltschutzorganisation WWF. Dieses Futtersoja stammt überwiegend aus Südamerika. Die Sojaproduktion dort hat sich in den letzten Jahrzehnten fast verdoppelt. Der Anbau von Soja ist ein Haupttreiber für die Zerstörung von Ökosystemen und setzt massiv Treibhausgase frei. Für die Ausweitung der Anbauflächen werden zudem Menschen vertrieben.

Die neuen Zahlen zum Sojaverbrauch für Europa und Großbritannien decken sich mit Daten, die der WWF 2021 für Deutschland vorgestellt hat. Demnach entfallen 96 Prozent des in Deutschland verbrauchten Sojas auf das Konto von Tierfutter. Nur 4 Prozent werden verwendet, um pflanzliche Lebensmittel herzustellen. Der bundesdeutsche Jahresbedarf an Soja entspricht mit 2,84 Millionen Hektar einer Anbaufläche ungefähr in der Größe Brandenburgs.

Die Europäische Union arbeitet derzeit an einem Gesetz, das die Entwaldung für in die EU importierte und innerhalb der EU gehandelte Güter stoppen soll. In dem im November veröffentlichten Entwurf der Europäischen Kommission sind jedoch viele Ökosysteme wie artenreiche Grassavannen von der Regelung ausgenommen. Die EU-Mitgliedstaaten erörtern derzeit ihren Standpunkt zu dem Entwurf. Eine Orientierungsdebatte zwischen den Umweltministern ist für den 17. März geplant.

„Ministerin Lemke muss sich stark machen für ein Gesetz, das von Anfang an alle Ökosysteme mit einbezieht. Es muss gelten: Für Produkte, die nach Europa eingeführt werden, wird grundsätzlich keine Natur zerstört. Sonst verlagert sich der Raubbau von den Wäldern Südamerikas weiter auf andere Regionen. Schon jetzt ist der Druck auf Lebensräume wie den Cerrado in Brasilien oder das einzigartige Feuchtgebiet Pantanal enorm. Dort würde sich die Naturzerstörung noch weiter beschleunigen. Auch mit Blick auf die Pariser Klimaschutzziele müssen wir diese Kohlenstoffsenken schützen“, sagt Maja-Catrin Riecher, Referentin für Agrarrohstoffe vom WWF.

Laut WWF kann auch ein Ernährungswandel dazu beitragen, den Druck auf Wälder, Savannen und Feuchtgebiete zu senken: Halbiert sich der Fleischkonsum aller Deutschen auf im Schnitt 470 Gramm pro Woche – zugunsten von mehr Hülsenfrüchten und Nüssen – sinkt damit auch Deutschlands ernährungsbedingter Flächenbedarf um fast drei Millionen Hektar. Das entspricht in etwa der Größe Brandenburgs. Schon mit einer flexitarischen Ernährung halbiert sich somit der sojabedingte Flächenbedarf.

Zum Report „Mapping the European Soy Supply Chain“:

Im Jahr 2020 konsumierte der durchschnittliche Europäer 237 Eier, 117 kg verschiedener Milchprodukte, 58 Kilogramm Schweinefleisch, Geflügel, Rindfleisch und anderes Fleisch sowie 2 Kilogramm Zuchtfisch. In einigen Fällen, wie bei Huhn und Lachs, ist die Menge an Sojafutter fast gleich der des produzierten Lebensmittels. 95 Gramm Soja werden benötigt, um 100 Gramm Zuchtlachs und 96 Gramm Soja für 100 Gramm Hühnerbrust zu produzieren. Weitere Beispiele finden hier online.

Der Report „Mapping the European Soy Supply Chain – Embedded Soy in Animal Products Consumed in the EU27+UK“ wurde von Profundo, einem unabhängigen gemeinnützigen Unternehmen, erstellt. Die Arbeit dazu wurde durch das Eat4Change-Projekt des WWF finanziell unterstützt. Dieses wird vom Development Education and Awareness Raising Programme (DEAR) der Europäischen Kommission gefördert.

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  1. 1
    Joachim Brader

    Sehr geehrte Autoren,
    Europa verfolgt die Politik weniger Soja aus Südamerika zu beziehen. Gerade in dieser Zeit des globalen Wandels will man von anderen Weltregionen unabhängiger werden.
    Das gilt auch für China. Auch China will unabhängiger werden.
    Fakt ist: fast 70 %, 2/3 der Südamerikanischen Sojaexporte gehen nach China. Wenn nun WWF Europa anprangert, kann das auch den Hintergrund haben, dass China den WWF sponsort. Durch eine Reduktion des europäischen Anteils würde mehr Soja zu einem billigeren Preis für China bleiben.
    Da China eine stark steigende Nachfrage nach Fleisch verzeichnet, ist diese Entwicklung nur logisch.
    Herzlichst.
    Joachim Brader

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