Kuba: Zehn Jahre Gefängnis für Schwager von inhaftiertem Dresdener?

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Kubas Regierung verweigert Luis Frómeta Compte jegliche konsularische Betreuung durch die deutsche Botschaft in Havanna (Foto: IGFM)
Datum: 19. Dezember 2022
Uhrzeit: 09:03 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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Erneute Hiobsbotschaft vor Weihnachten: Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, hat am 16. Dezember 2022 auf Kuba der Prozess gegen Aldo Delgado Romero begonnen. Der 47-Jährige ist der Schwager des politischen Gefangenen Luis Frómeta Compte. Aldo Delgado Romero wurde des „politischen Verbrechens der Volksverhetzung, das ein Verbrechen gegen die Sicherheit des Staates darstellt“, angeklagt. Ihm drohen zehn Jahre Gefängnis. Nach Informationen der IGFM wird in etwa 30 Tagen das offizielle Urteil erwartet. Die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsorganisation, die mit einer Sektion auf Kuba vertreten ist, fordert einen Freispruch für Aldo Delgado Romero sowie die sofortige Freilassung von Luis Frómeta Compte.

Zeugenaussage vor Gericht führte zur Festnahme

Aldo Delgado Romero hatte im Dezember 2021 bei Gericht als Zeuge ausgesagt und die Unschuld seines Schwagers Luis Frómeta Compte beteuert. Der Dresdner war am 11. Juli 2021 festgenommen worden, als er sich zum Familienbesuch auf Kuba aufhielt und die Proteste gegen die Diktatur spontan für private Zwecke mit seinem Smartphone filmte. Als während der Gerichtsverhandlung herauskam, dass Aldo Delgado Romero mit ihm auf der Demonstration in La Güinera gewesen war, wurde er sofort festgenommen. Nach zwei Tagen im Gefängnis „100yAldabo“ wurde er auf Kaution entlassen. „Aldo Delgado Romero hat kein Verbrechen begangen. Er hat sich mutig für seinen Schwager eingesetzt – nun droht im selbst das Schicksal eines politischen Gefangenen. Sein Schicksal muss genau wie das von Luis Frómeta Compte international bekannt werden“, erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.

Der Dresdner Luis Frómeta Compte war im Dezember 2021 wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ und „Anstiftung zum Aufruhr“ zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil wurde nach der ersten Revision auf 15 Jahre reduziert, aktuell läuft die zweite Revision. Luis Frómeta Comptes Töchter berichten, dass ihr Vater im Prozess gegen seinen Schwager nun als Zeuge aufgerufen wurde. „Unser Papa trat sehr stark und selbstbewusst auf. Er fragte das Gericht, warum man immer noch die Menschen suche, die angeblich Steine warfen und gewalttätig gewesen seien. Warum beschäftige man sich stattdessen nicht vielmehr mit dem Tod des jungen Manns, der damals von der Polizei erschossen worden sei. Er bat die internationale Gemeinschaft, in den sozialen Netzwerken aktiver zu werden, um seine Freiheit und die all jener zu fordern, die zu Unrecht von der Diktatur inhaftiert seien. Daraufhin wurde er aus dem Gerichtssaal gebracht“, erklärt Janie Frometa.

Sorge um zwei Familienmitglieder

Kubas Regierung verweigert Luis Frómeta Compte jegliche konsularische Betreuung durch die deutsche Botschaft in Havanna. Kürzlich hat der Deutsch-Kubaner seinen 60. Geburtstag im Gefängnis gefeiert. Nun steht seiner Familie das zweite Weihnachtsfest ohne ihn bevor und sorgt sich nun auch um seinen Schwager. Der Dresdener Bundestagsabgeordnete Lars Rohwer ist politischer Pate für Luis Frómeta Compte übernommen und setzt sich zusammen mit der IGFM für dessen Freilassung ein.

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  1. 1
    Auggie Wren

    Und die feige deutsche Regierung macht in dieser Sache keinen Druck, unfaire Urteile bleiben frei von Konsequenzen.
    Auf der Webseite der deutschen Botschaft findet sich nur „Trallala“ und „Kulturaustausch“. Ich weiß nicht, was noch alles passieren muss, damit diese widerlichen Schnarchnasen endlich in die Spur gehe und diese Schicksale auch öffentlich thematisieren. Eine „Diplomatie hinter verschlossenen Türen“ ist als solche nicht erkennbar, scheitert sie, weiß niemand davon, so es sie denn gibt und positive Ergebnisse sind bis heute nicht messbar.
    Die Bundesregierung mit ihrer watteweichen Politik gegenüber Diktatoren und Despoten lässt Deutschland in der Welt lächerlich und schwach wirken und genau deshalb nimmt sie international politisch kaum jemand ernst und bekommt deshalb auch kein Gewicht. Das kubanische Regime lacht sich doch darüber kaputt. Peinlich!

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