Neues Hochleistungsteleskop erreicht chilenischen Gipfel

Fred Young Submillimeter Telescope

Vorsichtig erklimmt die Transportkolonne den Cerro Chajnantor bis auf 5.600 Meter Höhe. Jürgen Rees Jürgen Rees, Universität zu Köln
Datum: 02. April 2025
Uhrzeit: 14:53 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Redaktion
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Der Aufbau des Fred Young Submillimeter Teleskops beginnt an seinem Standort in der chilenischen Atacama-Wüste. Das Teleskop soll im April 2026 in Betrieb genommen werden. Es wird bis zum Urknall zurückzublicken und neue Details über die Entstehung von Sternen und Galaxien enthüllen. Nach einer sechswöchigen Seereise, einer Woche Wartezeit vor dem chilenischen Hafen Angamos und einer weiteren Woche Trekking durch die Berge ist die erste Hauptkomponente des Fred Young Submillimeter Teleskops (FYST) an ihrem endgültigen Standort angekommen: auf dem Berg Cerro Chajnantor, mehr als 5.600 Meter über dem Meeresspiegel. Die Einzelteile des Teleskops wurden abgeladen und per Lastwagen etwa 450 Kilometer zum Fuß des Cerro Chajnantor im chilenischen Parque Astronómico Atacama transportiert. Von dort aus werden die Teile vorsichtig 5.600 Meter zum Gipfel befördert, wo das Teleskop wieder zusammengebaut wird, um schließlich im April 2026 mit der Erforschung des Universums zu beginnen.

Die Universität zu Köln ist an dem Konsortium beteiligt. „Ich freue mich ganz besonders, dass ich die sichere Ankunft der ersten Hightech-Komponenten des Teleskops nach ihrer langen Reise auf dem Gipfel persönlich miterleben konnte. Wir sind nun dabei, alle Teile wieder zusammenzusetzen, um in einem Jahr die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse zu sehen“, sagt Dr. Ronan Higgins, Astrophysiker und stellvertretender Projektingenieur an der Universität zu Köln. Das FYST wird hinsichtlich der Geschwindigkeit seiner Bildgebung und seiner Empfindlichkeit das leistungsstärkste Teleskop der Welt sein. Es wird die Entstehung von Sternen und Galaxien von der frühen „kosmischen Dämmerung” bis zum „kosmischen Mittag”, als die meisten der heutigen Sterne entstanden, detailliert darstellen und Einblicke in die kosmologische Inflation und Gravitationswellen seit dem Urknall geben. Es wird auch Gas-, Staub- und Magnetfeldströme im interstellaren Ökosystem innerhalb von Galaxien zurückverfolgen. Das Teleskop mit einem Durchmesser von sechs Metern ist für den Betrieb bei Submillimeter- bis Millimeter-Wellenlängen ausgelegt.

Das neuartige optische Design des FYST wird Aufnahmen mit hohem Durchsatz und großem Sichtfeld liefern und so eine schnelle und effiziente Kartierung des Himmels ermöglichen. „In der Astrophysik versuchen wir, die Submillimeter-Strahlung über die gesamte Geschichte des Universums zu messen, aber der größte Teil der Strahlung kann die Erdatmosphäre nicht durchdringen”, erklärt Dominik Riechers, Professor für beobachtende und experimentelle Astronomie und Astrophysik an der Universität zu Köln. „Das FYST ist zu groß, um es mit einer Rakete zu transportieren. Stattdessen wird es an einem Ort montiert, der uns Beobachtungsbedingungen bietet, die denen im Weltraum so nahe wie möglich kommen.” Die Strahlung wird von CHAI und PrimeCam empfangen, zwei einzigartigen Weitwinkelkameras, die als „Augen” des FYST fungieren.

„Angesichts der bevorstehenden Feierlichkeiten im April nächsten Jahres sind wir uns des großen Potenzials unserer langjährigen Zusammenarbeit besonders bewusst. Unser Submillimeter-Teleskop der Spitzenklasse am wahrscheinlich besten Standort der Welt für diese Wellenlänge wird für viele Astronomen die Grundlage für bedeutende Forschungsarbeiten in den kommenden Jahren bilden”, sagt Fred Young, Alumnus der Cornell University, der das Projekt über Jahre hinweg großzügig finanziert hat. Die deutschen Projektpartner wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Als trockenster Ort der Erde ist die Atacama-Wüste ideal für astronomische Beobachtungen, doch der Zusammenbau des Teleskops in 5.600 Metern Höhe ist keine leichte Aufgabe. Die Monteure müssen geschult werden und eine Prüfung ablegen, um in dieser Höhe arbeiten zu dürfen, und sie dürfen nicht länger als 13 Tage am Stück arbeiten. Für jeden Arbeitstag in dieser extremen Höhe müssen sie einen Tag unterhalb von 2.700 Metern verbringen. Gelegentliche Besucher*innen müssen mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt werden.

Das FYST ist ein Projekt des CCAT Observatory, Inc., einem Konsortium, dem die Cornell University in den USA, die Universität zu Köln, die Universität Bonn und das Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching in Deutschland sowie ein kanadisches Konsortium von Universitäten unter der Leitung der Universität Waterloo angehören. Das Teleskop wurde in Deutschland gebaut und erstmals getestet. Es wurde von der Firma CPI Vertex Antennentechnik in Duisburg entworfen und in Xanten auf dem Gelände der Wessel GmbH montiert.

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