Weltkongress der UNESCO-Biosphärenreservate: Neue Biosphärenreservate in Lateinamerika

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Gran Pajatén ist eine archäologische Stätte in den Anden - Nebelwäldern von Peru (Fotos: World Monuments Fund)
Datum: 20. März 2016
Uhrzeit: 14:01 Uhr
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Autor: Redaktion
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In der peruanischen Hauptstadt Lima ist am Samstag (19.) der vierte Weltkongress der UNESCO-Biosphärenreservate zu Ende gegangen. Ein Biosphärenreservat ist eine von der UNESCO initiierte Modellregion, in der nachhaltige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht exemplarisch verwirklicht werden soll. Das Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) sorgt für ihre Weiterentwicklung, evaluiert und vernetzt sie weltweit und erforscht im globalen Maßstab die wichtigsten Ökosysteme. In MAB geht es nicht um klassischen Naturschutz im engeren Sinn, sondern um einen interdisziplinären Ansatz, insbesondere der Mensch selbst als Bestandteil der Biosphäre steht im Vordergrund. Der Internationale Koordinationsrat des UNESCO-Programms endete mit der Anerkennung von 20 neuen Biosphärenreservaten auf allen Kontinenten. Damit sind nun insgesamt 669 UNESCO-Biosphärenreservate in 120 Ländern Modellregionen für die Umsetzung der Globalen Nachhaltigkeitsagenda. Ebenso wurde der „Lima-Aktionsplan für das UNESCO-Programm und sein Weltnetz der Biosphärenreservate“ verabschiedet, der für die nächsten zehn Jahre nahezu 60 konkrete Maßnahmen zur Stärkung des Weltnetzes und der einzelnen Biosphärenreservate umfasst.

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Zu den neuen Biosphärenreservaten in Lateinamerika zählen „La Hotte“ im Südosten von Haiti. Das Biosphärenreservat umfasst eine Gesamtfläche von knapp 4.500 Quadratkilometern, davon 1.700 Quadratkilometer auf dem Meer. Dieses modern zonierte Biosphärenreservat ist ein Hotspot der Artenvielfalt und ein sehr abwechslungsreiches Gebiet mit verschiedensten Formen von Regen- bis Trockenwald und Gipfeln bis auf 2.350 Metern Höhe. 13 Schutzgebiete bilden die Kernzone. Knapp 850.000 Einwohner leben vor allem von Landwirtschaft, Agroforstwirtschaft, Fischerei, Handel, Handwerk und Tourismus. Dieses zweite Biosphärenreservat von Haiti soll den kulturellen und natürlichen Reichtum der Region ebenso fördern wie die Forschung und die nachhaltige Entwicklung. Das Biosphärenreservat wurde entwickelt zusammen mit einer großen Zahl an Akteuren, und ist bestens koordiniert mit den wesentlichen Entwicklungs- und Schutzprojekten in der Region.

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Die mexikanische Cozumel-Insel und die umliegenden Meeresgebiete von insgesamt 1.350 Quadratkilometern umfassen verschiedene marine und terrestrische Ökosysteme. Das Biosphärenreservat ist reich an Amphibien- und Reptilienarten, von denen über 31 endemisch und drei kritisch gefährdet sind. Die marinen Ökosysteme als Teil des zweitgrößten Riffs der Welt, des mesoamerikanischen Riffs, bilden die Heimat von 1.192 Meeresarten und einen wesentlichen Teil des Biosphärenreservats. Knapp 80.000 Einwohner leben hier dauerhaft, die Stadt San Miguel ist das Tourismuszentrum. Maja-Erbe mit 36 archäologischen Stätten charakterisiert die Insel und ist der Schwerpunkt der archäologischen Untersuchungen. Landwirtschaft findet vor allem auf kleinen Feldern statt und nur wenige Menschen arbeiten in der Landwirtschaft und der Fischerei; der Großteil der Bevölkerung arbeitet im Tourismus – 2013 besuchten über 3 Millionen Menschen die Insel. Die Arbeitslosenrate ist gering, das Einkommen für Mexiko überdurchschnittlich. Das Biosphärenreservat soll zu einem besseren Management der Stadt und ihrer Umwelt beitragen, u.a. durch Planungsinstrumente zu Themen wie Abfallminderung, Klimaschutz, Energieeffizienz, ökologische Zonierung und nachhaltiger Tourismus.

Nach Huascarán (1977), Manu (1977), Nordwest-Peru (1977) und Oxapampa-Ashaninka-Yanesha (2010) ist Gran Pajatén das fünfte Biosphärenreservat in Peru. Es liegt in der Cordillera Central und ist ein weitgehend unberührtes Ökosystem. Die Höhenunterschiede sind gewaltig, das Biosphärenreservat reicht von 300 Metern hinauf bis auf 4.670 Meter. Der Nationalpark Río Abiseo, zugleich eine Welterbestätte, bildet die Kernzone. Viele Arten leben nur in diesem Park, zum Beispiel leben die als ausgestorben gegoltenen gelbschwänzigen Wollaffen nur hier. Die Gesamtfläche von 25.000 Quadratkilometern umfasst die peruanischen Ökosystem Yungas und Paramos, die eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Wasserversorgung spielen. Gran Pajatén ist auch der Name einer archäologischen Stätte im peruanischen Andennebelwald: Seit 1985 wurden 36 archäologische Stätten der Prä-Inka-Gesellschaft im Hochgebirge erforscht. Die Bevölkerung von knapp 180.000 Einwohnern lebt in kleinen Dörfern in der Pflege- und der Entwicklungszone und zwar in erster Linie vom Anbau von Kakao und Kaffee, von Viehzucht und Bergbau. Das Biosphärenreservat soll die ökologischen und kulturellen Werte des Gebietes erhalten und die nachhaltige Entwicklung fördern, indem Produktionssysteme verbessert, beeinträchtigte Ökosystem wiederhergestellt und Ökotourismus gefördert wird.

Mehrere Biosphärenreservate, vor allem solche die in den späten 1970ern und frühen 1980ern nominiert worden waren, wurden zuletzt völlig neu konzipiert und teils erheblich erweitert. Darunter befinden sich das trilaterale Biosphärenreservat Triginio Fraternidad (El Salvador, Guatemala, Honduras), das auf honduranischer Seite auf 2.800 Quadratkilometer erweitert wird. Das peruanische Biosphärenreservat „Noroeste Amotapes – Manglares“ erhält einen neuen Namen und wächst um den Faktor Fünf auf 11.500 Quadratkilometer.

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