Düstere Perspektiven für indigene Völker unter einem möglichen Präsidenten Bolsonaro

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Die indigene Bevölkerung Brasiliens umfasst eine Vielzahl verschiedener ethnischer Gruppen (Foto: Funai)
Datum: 11. Oktober 2018
Uhrzeit: 15:41 Uhr
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Redaktion
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Für die indigenen Völker in Brasilien ist der Kolumbustag, an dem in ganz Amerika an jedem 12. Oktober die Landung des Seefahrers Christoph Kolumbus an den Küsten des Kontinents gefeiert wird, ein Tag der Trauer. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt aus diesem Anlass vor einer dramatischen Verschlechterung der Situation der 305 indigenen Völker in Brasilien unter einem möglichen Präsidenten Jair Bolsonaro. „Bolsonaros rassistische Angriffe auf Minderheiten schüren die Ausgrenzung der armen und indigenen Bevölkerung“, kritisiert GfbV-Referentin Yvonne Bangert.

Landrechte der indigenen Gemeinschaften geraten zusehends in Gefahr. Der Staat geht kaum gegen illegale Rohstoffförderung und Holzeinschlag in indigenen Gebieten vor. Der Prozess der Anerkennung indigener Schutzgebiete ist ins Stocken geraten. Unter der Regierung des noch amtierenden Präsident Michel Temer wurde kein einziges Anerkennungsverfahren zum Abschluss gebracht.„Die Agrarlobby, die sich für die Interessen der Großgrundbesitzer und der industriellen Landwirtschaft einsetzt, gewinnt zusehends an Einfluss“, beklagt Bangert. „Leidtragende sind vor allem die indigenen Gemeinschaften, deren Rückzugsgebiete für die wirtschaftliche Nutzung geöffnet werden sollen. Unter einem Präsidenten Bolsonaro, der diese Lobby unterstützt, wird sich dieser Prozess deutlich beschleunigen.“

„Die Daten des gerade erschienenen Jahresberichts 2017 der brasilianischen Menschenrechtsorganisation CIMI sind alarmierend“, erklärt Bangert. Demnach wurden 128 Fälle von Suizid verzeichnet. 110 Indigene wurden ermordet. Zudem wurden 27 Mordversuche und 14 Morddrohungen registriert. Aufgrund der mangelhaften medizinischen Versorgung sind 702 Kleinkinder unter fünf Jahren gestorben.

Der rechtpopulistische Bolsonaro, Kandidat der PSL (Social Liberal Party), hat als Sieger des ersten Wahlgangs beste Chancen auf die Präsidentschaft. Er ist ein Befürworter der Waffenlobby und äußert sich positiv über die Militärdiktatur, die 1962 bis 1985 in Brasilien herrschte. Bolsonaro tritt für ein autoritäres Brasilien ein, hat einen Ex-General als Vizepräsident nominiert und will weitere Militärs in wichtige Ämter bringen. Seine Wähler sind mehrheitlich gutverdienende, gutgebildete weiße Männer der oberen Mittelschicht. Vor allem ultrakonservative Mitglieder der evangelikalen Gemeinden und Pfingstkirchen, die etwa 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, unterstützen ihn. Bolsonaros rassistische, homophobe und sexistische Äußerungen sind für sie kein Widerspruch zur Botschaft der Toleranz des Christentums. Vielmehr werden soziale Benachteiligungen als Strafe Gottes aufgefasst, die durch einen entsprechend tugendhaften Lebenswandel abzubüßen sei.

Pressemitteilung

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  1. 1
    Paddy Zé

    Entschuldigung, aber nicht mal Trump ist so rechts wie der. Was will er, ein Mauer um Venezuela bauen? Zölle auf chinesische Produkte erheben? Im Amazonas nach Öl bohren oder was? Wenn er Trump bewundert, dann wohl eher, „White and Rich first“. Als „Brazil first“. Brasilien ist ein Beispiel für eine riesige Völkergemeinschaft, der nicht mal Europa an Diversität die Stirn bieten kann. Ausgerechnet in Brasilien soll ein Rechtsradikalkonservativer das Ruder übernehmen? Das ändert das Zusammengehörigkeitsgefühl radikal. Wenn nur noch weisse reiche Männer zu ihren Rechten kommen, was ja die letzten 500 Jahre versucht wurde, diesen Missstand zu eliminieren. Die Wirtschaftsmacht Brasilien ist nicht zu unterschätzen. Fahrzeughersteller bauten ihre Fabriken dort, Flug- und Raumfahrt sind keine Fremdwörter und die Agrarproduktion hat Einfluss bis weit in die westlichen Industrieländer und Brasilien ist definitiv nicht zu unterschätzen! Jeder Bauernladen im kleinsten Alpenkaff hat Orangenkonzentratsaft aus Brasilien und die ganze Fastfoodindustrie wird von brasilianischem Pouletfleisch beliefert. Grosse Biermarken sind in brasilianischen Händen und weiss Gott, welche Privatbank genau so. Wenn Staudämme gebaut werden, hat das auch Einfluss auf Städte unterhalb des Damms. Ganze Biodiversitäten werden unter- wie oberhalb ausgelöscht. Der Bau selber ist schon eine Verwüstung, mit ihren Strassen und Energielieferanten. Wasser wird verseucht, ganze Zyklen werden unterbrochen, ein Kreislauf des Lebens einfach gestoppt. Die Natur rächt sich, darauf kann man wetten. Anstatt in Abwasserkläranlagen zu investieren, wird weiter an Verschmutzung produziert. Will Bolsonaro, mit der Maske des Trump, Brasilien zu einem zweiten China umwandeln? Wenn soviel Militärköpfe an die Macht kommen, ist der Stalinismus näher, als die PT Kommunismus predigt. Der falsche Prophet wird nicht der Messias sein, für den ihr ihn haltet. Er wird genau das tun, was er verspricht! Und das wird Gewalt, Erniedrigung und Einschüchterung sein, für all die Minderheiten und Nichtweissen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man zuerst über Trump lacht um ihm danach nachzueifern. Was ist da bloss los? Die Medien haben kein Versprecher von Trump ausgelassen, um in der Luft zu zerreissen und jetzt finden ihn alle plötzlich super? Wie geht das? Nur schon die Ideologie, die dieser Bolsonaro verkündet, stimmt ja gar nicht mit der Lebenseinstellung der Mehrheit der Bevölkerung überein!? Dass die BrasilianerInnen die beiden Wörter auf ihrer Fahne, Ordnung und Fortschritt noch nie wörtlich genommen haben, machte sie sympathisch. Doch auf einmal nehmen sie die Worte vielleicht gerade zu wörtlich. Das passt nicht zu ihnen. Und damit werden sie nicht umgehen können. Indigene, Nichtweisse, Homosexuelle, Arbeitslose, Ungebildete, Unbewaffnete, Umweltschützer und Hippies werden es wohl nicht lange aushalten und werden dann bald ihr Glück und Akzeptanz woanders suchen müssen. Wie gross und wohin der Exodus sein wird, kann man sich nun ungefähr ausrechnen. Es wird nicht wie Venezuela sein, aber in die Richtung wie Iran, Afghanistan, Pakistan. Erzkonservativ und mit militärischer Härte, unbestrafte Polizeiverbrechen wie Mord und Folter, bis zum Bürgerkrieg. Und schon ist die Militärdiktatur an der Macht. Und das, wünsche ich Brasilien definitiv nicht. Wenn es der Kommunismus nicht bringt, dann die Militärdiktatur schon gar nicht. Denn dann hat nicht nur Brasilien, sondern so ziemlich die ganze Welt, in die Hosen geschissen.

  2. 2
    Peter Hager

    Diese Pressemitteilung ist in meinen Augen nichts als polemisches, linkes Gestänkere. Natürlich sind die Auftraggeber der „Agarlobby“ die wahren Herrn Brasiliens! Ein guter Bekannter aus Uberlandia formulierte es mir gegenüber vor nunmehr 13 Jahren mit den Worten, „Wir haben hier ein ABC Problem!“ Damit waren die Firmen ADM (Archer Daniels Midland), Bunge und Cargill gemeint, uralte und undurchsichtige Firmengeflechte, mit Ausnahme von Bunge Familienunternehmen auf Basis privater Aktien. Aber deren ungehindertes Schalten und Walten ist weder neu, noch an die jeweils regierende Partei gebunden. Auch die PT hat nicht mal ansatzweise dagegen unternommen.

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