Nürnberger Menschenrechtspreis für Rodrigo Mundaca aus Chile

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Rodrigo Mundaca kämpft seit Jahren für den freien Zugang zu Wasser in der Region Petorca (Foto: AmnestyInternational)
Datum: 28. Oktober 2018
Uhrzeit: 13:26 Uhr
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Autor: Redaktion
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Rodrigo Mundaca aus Chile ist mit dem Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis ausgezeichnet worden. Der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis ist ein deutscher Menschenrechtspreis, der seit 1995 in Nürnberg verliehen wird. Verliehen wird der Preis an internationale Persönlichkeiten in Anerkennung ihres Einsatzes für die Menschenrechte. Die Jury begründet ihre Entscheidung folgendermaßen:

Rodrigo Mundaca kämpft seit Jahren für den freien Zugang zu Wasser in der Region Petorca, nördlich von Santiago de Chile. Er ist Agraringenieur und arbeitet für die Organisation MODATIMA (Movimiento de Defensa por el protección del Medio Ambiente/ Bewegung zur Verteidigung des Zugangs zu Wasser, der Erde und des Umweltschutzes) als deren Generalsekretär. Die Region Petorca, die Heimat von Rodrigo Mundaca, ist durch zahlreiche Wasserkonflikte zwischen Agribusiness-Unternehmen (hauptsächlich Avocados und Zitrusfrüchte für den Export) auf der einen Seite und lokalen Kleinbauern sowie der ländlichen Bevölkerung auf der anderen Seite gekennzeichnet. Neunzig Prozent der Wasserrechte
sind in Chile privatisiert, was dazu führt, dass Unternehmen das Wasser aus den Flüssen, vor allem auf Avocado-Plantagen und in private Brunnen ableiten.

Der Kampf um Wasser wird in Chile kriminalisiert. Das führt dazu, dass Mundaca in seiner freien Meinungsäußerung eingeschränkt, strafrechtlich verfolgt und verurteilt wird. In den Jahren 2012 bis 2014 stand er 24 Mal vor Gericht. Mundaca leidet unter permanenten Einschüchterungen, Bedrohungen und Verfolgungen. Er muss in ständiger Furcht, verhaftet zu werden, leben und arbeiten. 2015 wurde er auf offener Straße direkt im Zentrum von Santiago de Chile zusammengeschlagen. Die Polizei hat in diesem Fall niemals ermittelt. 2017 hat Rodrigo Mundaca, nach der Veröffentlichung einer Reportage von Danwatch über das Thema „Wasserraub“ in Chile und die Folgen des großflächigen Avocado-Anbaus für europäische Märkte, Morddrohungen erhalten. Daraufhin wurde er eine Zeit lang versteckt
gehalten und Amnesty International Chile startete eine Kampagne, um ihn zu schützen und mehr internationale Aufmerksamkeit zu gewinnen. Derzeit steht er aufgrund der starken Gefährdung unter Polizeischutz.

Mit der Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises 2019 ehrt die Jury einen Aktivisten, der sich mit bewundernswertem Mut für das fundamentale Recht auf Wasser einsetzt. Die Jury hofft, dass der Preis Rodrigo Mundaca den notwendigen Schutz gibt, sein Engagement unter weniger Gefahren fortzusetzen. Der Zugang zu sauberem Wasser wurde am 28. Juni 2010 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der Resolution 64/292, abgeleitet aus dem Recht auf Nahrung, als Menschenrecht anerkannt. Dennoch haben ca. 660 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Fehlt diese wichtige Lebensgrundlage, müssen viele Menschen auch ohne direkte Gewaltanwendung ihr Land verlassen.

Weiter möchte die Jury an das Verbrauchergewissen appellieren und für verantwortungsvollen Konsum sensibilisieren. Die Öffentlichkeit hat das Recht zu erfahren, welche negativen Auswirkungen mit dem Anbau, beispielsweise der Avocado, einhergehen. Nicht zuletzt sieht sich die Jury den globalen nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen verpflichtet. In der Agenda 2030 wird im Entwicklungsziel Nr. 6 festgeschrieben, die Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle zu gewährleisten.

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