Lateinamerika: Flüchtlingskrise wird sich noch verschärfen

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Seit 2015 sind rund 3,3 Millionen Menschen aus Venezuela geflohen (Foto: Estado Roirama)
Datum: 27. Dezember 2018
Uhrzeit: 23:42 Uhr
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Autor: Redaktion
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Seit 2015 sind rund 3,3 Millionen Menschen aus Venezuela geflohen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten 2019 noch rund zwei Millionen Menschen das eins reichste Land der Region verlassen (32 Millionen Einwohner). In Lateinamerika flüchten die Menschen jedoch nicht nur vor der kriminellen Links-Diktatur in Venezuela, Einwanderungs- und Asylanträge aus Nicaragua nehmen ständig zu und drohen die Regierungen Südamerikas zu überwältigen.

Der Massenexodus aus Venezuela wird in des westlichen Medien kaum erwähnt. Jeden Tag verlassen rund 5.000 Venezolaner ihre Häuser – insgesamt ist in Venezuela jeder zehnte Einwohner in den letzten drei Jahren geflohen. Über eine Million der Flüchtlinge leben in Kolumbien, 600.000 in Peru, fast 250.000 in Ecuador, über 130.000 in Argentinien, 85.000 in Brasilien sowie Zehntausende auf mehreren karibischen Inseln.

„Es ist schon merkwürdig. Die 35 Länder in Europa wurden durch die Ankunft von einer Million Flüchtlinge im Jahr 2015 (…) verunsichert, fünf Nationen in Lateinamerika haben drei Millionen Flüchtlinge aus Venezuela aufgenommen und haben noch immer nicht die Grenzen geschlossen“, so Jan Egeland, Generalsekretär der humanitären Nichtregierungsorganisation „Norwegian Refugee Council“ und Mitarbeiter von „International Crisis Group“ und „Human Rights Watch“ mit Sitz in New York für den Bereich Europa.

Es gibt jedoch deutliche Hinweise darauf, dass die Solidarität und der Goodwill in Ländern, die bereits mit Armut und schwachen Volkswirtschaften zu kämpfen haben, abnimmt. Nach Angaben der kolumbianischen Regierung muss für die Flüchtlinge aus dem Nachbarland pro Jahr rund 0,5% des Bruttoinlandsprodukts aufgebracht werden. Dies entspricht 1,5 Milliarden US-Dollar. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die Fremdenfeindlichkeit spürbar zugenommen hat.

Die Spannungen zwischen Einwohnern und Migranten haben sich auch in Ecuador verschärft. Dort hat die Regierung angegeben, dass sie 550 Millionen US-Dollar zur Unterstützung der Flüchtlingskrise benötigt. In Brasilien, wo mehr als 65.000 Venezolaner Asyl beantragt haben, hat der Druck ebenfalls zugenommen. Im August wurden Sicherheitskräfte in die Grenzstadt Pacaraima in Brasilien geschickt, nachdem Notunterkünfte in Brand gesteckt wurden. In diesem Monat weigerte sich Chile, den UN-Migrationspakt zu unterzeichnen. Chile verlangt nun von Flüchtlingen aus Venezuela, dass sie sich bei den Konsulaten registrieren und einen Pass vorlegen, den viele nicht haben.

Die Vereinten Nationen forderten für das Jahr 2019 finanzielle Mittel in Höhe von 738 Millionen US-Dollar, um die aufnehmen Nachbarländer Venezuelas zu unterstützen. Bisher stellt sich Südamerika allein dieser Herausforderung.

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