20. Jahrestag der „Bolivarischen Revolution“: Mehr als 300.000 Venezolaner ermordet

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Zwanzig Jahre später ist die bolivianische Revolution in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht ein kolossaler Misserfolg (Foto: Archiv)
Datum: 04. Februar 2019
Uhrzeit: 09:32 Uhr
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Autor: Redaktion
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Vor wenigen Tagen wurde im südamerikanischen Land Venezuela der 20. Jahrestag der „Bolivarischen Revolution“ begangen. Auffallend ist der Anstieg der Gewalt in diesem Zeitraum, weil er mit Blut geschrieben ist. In den letzten zwei Jahrzehnten wurden nach Angaben des venezolanischen Observatoriums für Gewalt (OVV) mehr als 300.000 Venezolaner ermordet, durchschnittlich mindestens 41 pro Tag. „Vor zwanzig Jahren hatten wir 4.550 Morde pro Jahr (….) und mit Ablauf des letzten Jahres mindestens 23.000 gewaltsame Todesfälle“, berichtet der Direktor der Nichtregierungsorganisation (NGO), Roberto Briceño León. Dieser Anstieg hat dazu geführt, dass die Mordrate von 19 pro 100.000 Einwohner im Jahr 1998 auf 81,4 im vergangenen Jahr gestiegen ist, was Venezuela an die Spitze der weltweiten Liste der Gewalt bringt und selbst einige Länder mit bewaffneten Konflikten übertrifft.

„In 20 Jahren gab es einen wachsenden Trend der Morde, vor allem solche, die als Widerstand gegen die Autorität klassifiziert wurden. Dabei handelt es sich um Personen, die ohne Prozess und ohne Verurteilung durch die Polizei sterben. Auf diese Weise verloren 2017 insgesamt 5.500 Menschen ihr Leben. Jeden Tag in diesem Jahr starben auf dem Land 20 Menschen durch Polizei und Militär“, klagt León.

Die Kriminalitätsrate schnellte vor allem zwischen 2004 und 2012 in die Höhe, als die Nation ihre höchsten Öleinnahmen verzeichnete und die Regierung behauptete, diesen Reichtum verteilt zu haben, um die Ungleichheit zwischen Arm und Reich zu beseitigen. Während der sechsjährigen Amtszeit von Nicolás Maduro wurden mehr als 100.000 Venezolaner Opfer von tödlicher Gewalt und die Fälle von „Widerstand gegen die Autorität“ nahmen mit der Durchführung von polizeilichen und militärischen Aktionen unter dem Namen „Operation zur Befreiung des Volkes“ zu. Fast alle der Getöteten waren/sind Männer, jung und arm.

Demnach waren mehr als 60 Prozent der in den letzten 20 Jahren Getöteten (etwa 200.000) zwischen 14 und 29 Jahre alt, 90 Prozent waren Männer und mehr als 80 Prozent lebten in Armut. Die ausartende Gewalt resultiert nach Angaben des OVV aufgrund der „fast absoluten“ Straffreiheit“, die im Land herrscht – Bei 92% der Morde wurde „nicht einmal eine Person verhaftet“. Eine weitere Folge dieser mangelnden Reaktion der Institutionen ist die Anwendung der „Privatjustiz“, die in den letzten Jahren die Fälle von Lynchjustiz und Auftragsmorden, „die in einer Situation der Straflosigkeit und des Verlusts der Rechtsstaatlichkeit auftreten“, verstärkt hat.

Darüber hinaus sind Gewalt und die nationale Wirtschaftskrise die unbestrittenen Katalysatoren für die größte Massenflucht in der Geschichte Lateinamerikas, die in den letzten 20 Jahren nach Schätzungen rund fünf Millionen Venezolaner zur Flucht gezwungen hat. „Sich nicht sicher zu fühlen, da sie Opfer eines Raubüberfalls, einer Entführung (….) werden können, betraf zuerst die obere Mittelschicht und inzwischen auch die Arbeiterklasse. Die rund zwanzig Sicherheitspläne, die die so genannte bolivarische Revolution seit 1999 umgesetzt hat, waren alle nicht wirksam und haben lediglich dazu gedient, den Chavismo an der Macht zu halten“, analysiert Roberto Briceño León.

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