Amazonas: „Nicht-indigene Völker dürfen uns nicht alle töten“

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Indigene trafen sich vom 21. bis 23. August 2019 im Dorf Kubenkokre um die Bedrohungen für ihr Territorium und die Alternativen zu diskutieren (Fotos: xingumais)
Datum: 15. September 2019
Uhrzeit: 14:35 Uhr
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Während die Aufmerksamkeit der Welt auf die Brände im Amazonas-Regenwald in Brasilien gerichtet ist haben die dort lebenden Indigenen davor gewarnt, dass die Politik von Präsident Jair Mesias Bolsonaro eine noch größere Bedrohung für ihre Existenz darstellt. Ehemals rivalisierende Gruppen haben sich nun zusammengetan, um die Pläne der Regierung für die Region, in der sie zu Hause sind, zu bekämpfen. Dutzende von Einheimischen versammelten sich letzten Monat in diesem abgelegenen Teil Nordbrasiliens (Terra Indígena Menkragnoti im Bundesstaat Pará), nachdem sie tagelang mit Bus und Boot unterwegs waren. Das Treffen brachte ehemals „eingeschworene Feinde“ wie die Kayapó und die Panará zusammen. Die beiden Gruppen befanden sich jahrzehntelang im Krieg und überfielen sich gegenseitig in den Dörfern mit tödlichen Angriffen. Der Krieg artete 1968 brutal aus, als ein Angriff der mit Gewehren bewaffneten Kayapó zum Tod von 26 Panará, die nur Pfeile zur Selbstverteidigung hatten, führte. „Heute haben wir nur einen Feind, die brasilianische Regierung, den brasilianischen Präsidenten und die Invasoren“, erklärte Kayapó-Führer Mudjire. „Wir haben ein gemeinsames Interesse daran, zusammenzuhalten, damit die nicht-indigenen Völker uns nicht alle töten“, fügte er hinzu und bezog sich auf die Bedrohungen durch die Ankunft von Bergleuten und Holzfällern, die in ihrer Gegend illegale Aktivitäten ausüben.

Indigene der Mebengokre, Kalapalo, Ikpeng, Yudja, Panara, Khisêtjê, Tapayuna, Parakanã, Arawete, Xikrin do Bacajá, Xipaya, Kuruaya, Arara, Yudja, Iriri, Xingu und der Rat von Ribeirinho, alle Bewohner des Xingu-Korridors für soziale und ökologische Vielfalt, trafen sich vom 21. bis 23. August 2019 im Dorf Kubenkokre um die Bedrohungen für ihr Territorium und die Alternativen zu diskutieren, die „wir für unsere Zukunft aufbauen“. In einer Erklärung brachten sie ihre Besorgnis zum Ausdruck, was derzeit in Brasilien passiert. Der sozio-ökologische Diversitätskorridor von Xingu ist ungefähr 28 Millionen Hektar groß, darunter 21 indigene Gebiete und neun angrenzende Naturschutzgebiete.

„Die Regierung sagt, dass wir Waldvölker wie alle Brasilianer leben wollen und dass wir unser Land nicht mehr brauchen. Aber das ist eine Lüge! Die Regierung möchte unser Territorium für die wirtschaftliche Ausbeutung von Landwirten, Prospektoren, Bergleuten, Holzfällern, Staudämmen, Autobahnen und Eisenbahnen öffnen. Wir möchten mit unseren lebenden Kulturen im Einklag mit der Natur leben, jagen, fischen, unsere Nahrung anbauen und den Wald schützen, den wir von unseren Vorfahren geerbt haben. Wir wollen eine wirklich differenzierte und qualitativ hochwertige Politik im Bereich der öffentlichen Gesundheit und der Schulbildung in unseren Gebieten. Wir wollen eine öffentliche Politik, die unsere Waldprodukte fördert und stärkt. Wir produzieren Honig, Öle, Mehl, Nüsse, Paprika, Gummi, Samen, Kunsthandwerk, Wasser und saubere Luft.

Wir sind für den Schutz des Xingu-Waldes verantwortlich, der der gesamten Region und den Bewohnern der Großstädte zugute kommt und zum notwendigen Klimagleichgewicht für Land und der Welt beiträgt. Wir wollen Anerkennung und Respekt für unsere Lebensweise und müssen auch an Entscheidungen über die Zukunft Brasiliens beteiligt werden. Wir fordern gehört zu werden, vor allem über das, was uns betrifft. Wir werden nie aufhören, die Völker des Xingu zu sein, wir werden unser Land nie verlassen, wir wollen es unseren Kindern und Enkeln überlassen. Der Xingu ist eins“, lautet das Manifest.

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