Brasilien: Baukonzern soll Bachelet-Kampagne finanziert haben – Update

bachelet

Die ehemalige chilenische Präsidentin Bachelet, die ihr Amt als UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte Anfang September 2018 angetreten hat, soll ihren Wahlkampf illegal finanziert haben (Foto: Archiv)
Datum: 16. September 2019
Uhrzeit: 19:58 Uhr
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Redaktion
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Léo Pinheiro, ehemaliger Präsident des in den Korruptionsskandal „Lava Jato“ verwickelten brasilianischen Baukonzern OAS, hat die ehemalige chilenische Präsidentin Michelle Bachelet schwer belastet. Laut seinen Aussagen vor der Justiz, zu denen das Nachrichtenportal „The Intercept Brasil“ und die Tageszeitung „Folha“ Zugang hatten, hat das brasilianische Bauunternehmen einen Wahlkampf von Bachelet mit Hilfe der Vermittlung des ehemaligen brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva finanziert. Pinheiro, der seit 2016 wegen „Lava Jato“ inhaftiert ist, hat diese Enthüllungen im Rahmen der Verhandlungen mit den brasilianischen Justizbehörden über ein neues Abkommen zur Verringerung der Haftstrafe gemacht. Er war bereits Lulas Hauptankläger im Fall „Caso del Tríplex“. Lula war 2017 für schuldig befunden worden, umgerechnet insgesamt fast 1,1 Millionen US-Dollar in Form von Bauarbeiten in seinem Appartement von der Firma Odebrecht im Gegenzug für vermittelte Geschäftskontrakte erhalten zu haben.

Im Fall von Chile gelang es der OAS 2013, sich in der südamerikanischen Nation niederzulassen und Teil eines Konsortiums zu werden, das mit dem Bau einer Brücke beauftragt worden war. Die OAS hatte Angst, den Vertrag mit der Präsidentschaft von Bachelet im Jahr 2014 zu verlieren und so wurde Lula beauftragt, zu einer Konferenz nach Chile zu reisen. Laut Pinheiro sprach Lula mit dem ehemaligen chilenischen Präsidenten Ricardo Lagos, einem Mitglied der Bachelet-Partei, der ihm versicherte, dass das OAS-Konsortium das Projekt durchführen wird. Als nächstes bat Lula die OAS um Geld für den Wahlkampf von Bachelet und lieferte 101,6 Millionen chilenische Pesos (ca. 130.000 Euro), als die Kampagne beendet war. 2017 war die OAS Gegenstand einer Untersuchung in Chile und Bachelet bestritt bereits Unregelmäßigkeiten im Wahlkampf, um sicherzustellen, dass die Finanzierung vollständig legal war.

Update, 17. September

Die Hohe Kommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen, Michelle Bachelet, hat „kategorisch“ ausgeschlossen, dass sie eine Beziehung zur OAS hatte oder hat. „Meine Antwort ist wie immer. Ich hatte noch nie Verbindungen zu OAS oder einem anderen Unternehmen“.

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  1. 1
    noesfacil

    Der lange Arm des Kapitals.
    Schmiert und finanzierte alles und jeden, wenn´s der Gewinnmaximierung dient.
    Nicht zu fassen!
    noesfacil

  2. 2
    noesfacil

    >Pinheiro, der seit 2016 wegen „Lava Jato“ inhaftiert ist, hat diese Enthüllungen im Rahmen der Verhandlungen mit den brasilianischen Justizbehörden über ein neues Abkommen zur Verringerung der Haftstrafe gemacht.<

    Vielleicht war ich mit meinem vorstehendem Kommentar zu voreilig!
    Es könnte auch genau so gut sein, dass der feine Herr Pinheiro welcher sich auf einmal „erinnern kann „derartige Anschuldigungen“ nur erhebt, um seine Haftstrafe zu verringern.
    Vor dem in Brasilien derzeit offenbar vorherrschendem, tendenziösen politischen Klima, erscheinen mir diese Art von „Anschuldigungen“ gegen „missliebige Sozialisten“ nur allzu gekünstelt und geradezu systemkonform. Sie pasen ins derzeitige Wunschbild.
    Anschuldigungen von Typen wie diesem Pinheiro sind und bleiben äußerst kritisch zu betrachten und bleiben soweit unbewiesene Behauptungen, bis das Gegenteil feststeht.
    Natürlich kann es auch genau so gewesen sein, großartig wundern würde es mich, wie gesagt nicht.
    noesfacil

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