Medizinischer Engpass in Lateinamerika

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Durch eine bessere medizinische Versorgung könnten Todesfälle unter Neugeborenen deutlich reduziert werden (Foto: Karen González - OPAS / OMS Colômbia)
Datum: 09. März 2020
Uhrzeit: 17:51 Uhr
Leserecho: 2 Kommentare
Autor: Redaktion
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In Europa ist die medizinische Grundversorgung selbstverständlich, in Lateinamerika ist sie eine Seltenheit. Ein Großteil der Bevölkerung fühlt sich medizinisch unterversorgt.

CEPAL, die Wirtschaftskommission der UN für Lateinamerika und die Karibik, veröffentlichte erschreckende Ergebnisse: 2015 lebten rund 29 Prozent der Bevölkerung in ärmlichen Verhältnissen. Umgerechnet sind mehr als 168 Millionen von der Armut betroffen. 2010 waren es noch zwei Millionen weniger.

Frauen, Kinder, alte Menschen und indigene Völker leiden am stärksten unter der Armut. Ihnen fehlt es aber nicht nur an Geld für Lebensmittel, Unterkunft und Kleidung, sondern auch für eine medizinische Grundversorgung. Sie können sich die Behandlungen nicht leisten. So bleiben Erkrankungen über viele Jahre hinweg bestehen und hinterlassen gravierende Folgeschäden.

Selbst Schwangerschaften und Geburten bergen für Mutter und Kind in Lateinamerika ein hohes Risiko. Laut WHO sterben jedes Jahr rund 23.000 Frauen in Lateinamerika und der Karibik an Komplikationen, die bei und nach Schwangerschaft oder Geburt auftreten können. Auch Neugeborene haben ein hohes Sterberisiko. Experten gehen bei 100.000 Geburten von bis zu 100 Todesfällen aus. Täglich sterben 13 Neugeborene, bevor sie 28 Tage alt werden. 80 Prozent der Todesfälle hätten sich mit einer angemessenen medizinischen Grundversorgung verhindern lassen.

Schon im Mutterleib ist das Kind gefährdet. Mangelernährung und Infektionen aufgrund von falscher Hygiene der Mutter können seine körperliche und geistige Entwicklung beeinträchtigen. Wachstumsprobleme und psychische Entwicklungsstörungen sind die Folge. Zugleich ist das geschwächte Immunsystem anfälliger für schwere Infektionskrankheiten wie Malaria, Aids, Tuberkulose oder Cholera.

Im Ernstfall können die regionalen Arztpraxen und Kliniken nur bedingt helfen. In manchen Instituten ist es sogar erforderlich, dass Patienten ihre eigene Bettwäsche und eigenen Medikamente mitbringen. Gerade die Krankenhäuser in Guatemala und Nicaragua hinken bei der Medikation sowie beim medizinisch-technischen Equipment noch immer weit hinterher.

Sogar essenzielle medizinische Hilfsmittel fehlen in einigen Teilen Lateinamerikas. Das wirkt sich speziell auf die Zahngesundheit aus. Allein in Peru leiden über 95,5 Prozent der Drei- bis Zwölfjährigen an Karies. Schuld ist die mangelhafte Aufklärung und Prophylaxe von Eltern und Kind. Dasselbe trifft auf die Augengesundheit zu. Vielen Menschen mit einer Sehschwäche fehlt es an passenden Brillen oder gut verträglichen Kontaktlinsen. Während man in Deutschland beispielsweise Kontaktlinsen mit wenigen Klicks bestellen kann, fehlt es Menschen in Lateinamerika häufig an Geld. Umso mehr Hilfsaktionen werden ins Leben gerufen: Gebrauchte Brillen gehen als Spende an Entwicklungsländer wie Peru oder Kolumbien.

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  1. 1
    Paul Landmesser

    Zu erwähnen wäre, dass Brasilien mit der SUS ein kostenloses, staatliches Gesundheitssystem hat, das jeder (auch Ausländer) nutzen kann. So ein Gesundheitssystem ist natürlich immer verbesserungswürdig, wobei es z. B. im reichen Süden sehr gut funktioniert! Hier ist Brasilien z. B. den USA weit überlegen!

    • 1.1
      Peter Hager

      Zwar habe ich enge Bindungen nach Brasilien und das Land mehrfach ausgiebig bereist, doch bin ich über das nationale Gesundheitssystem nicht nennenswert informiert. Was ich aber weiß ist, daß wir einem befreundeten, älteren und bereits halbblinden Herrn eine neue Brille geschenkt haben. Das Gesundheitssystem gab ihm keine. Wenige Jahre danach erblindete er völlig. Qualifizierte medizinische Versorgung hätte dies verhindern können. Doch die bekam er nicht, trotz Unterstützung seiner in Deutschland lebende Tochter. Da kann ich keinen Vorsprung zum System der USA erkennen. – Das Erlebte ist allerdings schon fast 20 Jahre her. Vielleicht haben sich die Verhältnisse ja inzwischen verbessert…?

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