Coronavirus und die Antarktis: Isolation in der Isolation

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„Comandante Ferraz“ liegt auf King George Island (Baía do Almirantado) Foto: GobernoBrasil)
Datum: 14. April 2020
Uhrzeit: 17:04 Uhr
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Während das neue Coronavirus weltweit rasant voranschreitet und bereits mehr als 121.000 Menschen getötet hat, gibt es bislang nur einen ansteckungsfreien Kontinent: die Antarktis. In diesem von Eis bedeckten Land, in dem das kalte, trockene und windige Klima das ganze Jahr über herrscht, ergreifen die wenigen Einwohner alle notwendigen Maßnahmen, um der Pandemie zu entkommen. Die Antarktis, ein unwirtlicher und abgelegener Ort, hat nur ein Krankenhaus um die Grundbedürfnisse der dort lebenden Bevölkerung zu befriedigen. Daher könnte ein Ausbruch von Covid-19 für die Bevölkerung tödlich sein. „BBC News Mundo“, der spanischsprachige Dienst der „BBC“, sprach mit Alejandro Valenzuela Peña, Kapitän einer Fregatte der chilenischen Marine, um zu erfahren wie sich die Region vor dem neuen Coronavirus geschützt hat.

Die „Station Fildes Bay an der südwestlichen Spitze von King George Island (von Argentiniern auch „25 de Maio“ genannt) ist eines der „Tore“ der Antarktis. Im Laufe des Jahres leben dort etwa 170 Menschen in Stützpunkten verschiedener Länder wie Chile, Uruguay, Russland und China. Die brasilianische Station „Comandante Ferraz“, die im Januar wiedereröffnet wurde nachdem sie 2012 Feuer gefangen hatte, befindet sich auf derselben Insel, aber in einer anderen Bucht. In diesem Gebiet steigt die Temperatur im Sommer selten über null Grad Celsius. Im Winter liegt der Durchschnitt bei minus zwölf Grad Celsius. Pinguine sind überall und die reiche Meeresfauna ist eine Attraktion für Wissenschaftler, die regelmäßig auf den Kontinent reisen um intensive Studien durchzuführen. Seit einigen Wochen gibt es in dieser Region allerdings keine Forscher mehr. Als sich Covid-19 im vergangenen Januar in ganz China ausbreitete, schloss die Basis des Landes ihre Türen.

Der Rest der Länder mit dortigen Forschungseinrichtungen tat dasselbe und heute sind die meisten Wissenschaftler völlig isoliert. Das letzte Passagierschiff der chilenischen Marine kam am 3. März in der Bucht an und der letzte Flug verließ den Kontinent am 26. desselben Monats. „Wir leben nun in völliger Isolation. Eine Isolation in einer Isolation“, so Alejandro Valenzuela Peña. Die chilenische Vertretung folgt den Anweisungen der Zentralregierung des lateinamerikanischen Landes und befolgt Hinweise wie soziale Distanz, Tragen von Masken oder regelmäßiges Händewaschen. Alle Sportveranstaltungen wurden ebenfalls abgesagt und die Mahlzeiten werden jetzt separat eingenommen, um Menschenansammlungen zu vermeiden.

Die völlige Isolation führt dazu, dass es keinen Kontakt zu anderen in der Antarktis lebenden Personen gibt. Es finden keine Aktivitäten, Feiern zwischen Institutionen oder Kontakte zu ausländischen Stützpunkten statt. Dies ist ein Problem für die Wissenschaftler, denn Kameradschaft und Zusammenarbeit zwischen Stützpunkten der verschiedenen Ländern wird als sehr wichtig bezeichnet. „Wir leben die gleiche Realität wie viele andere Länder, weil wir aufeinander aufpassen müssen. An einem so abgelegenen Ort könnte es zu großen Schwierigkeiten kommen, wenn eine Person infiziert wird“, fügt Alejandro Valenzuela Peña hinzu.

In der Antarktis sind die Gesundheitsressourcen begrenzt. Wie Alejandro erklärt, gibt es nur „ein kleines Krankenhaus, in dem ein Allgemeinarzt und zwei Krankenschwestern arbeiten“. Ganz zu schweigen von den wenigen Betten für schwerwiegende Fälle, Atemschutzmasken oder anderen wichtigen Einrichtungen zur Bekämpfung von Covid-19. Es gibt auch keine Tests um festzustellen, ob eine Person das Coronavirus hat. Wenn ein Fall auftritt müsste er mit den verfügbaren Mitteln bewertet und die Bestätigung (des Tests) in der Stadt Punta Arenas (im Süden Chiles) erfolgen. Angesichts dieser Schwierigkeiten wird daher neben den Maßnahmen zur sozialen Distanz die Nahrungsmittelversorgung der Einwohner von den örtlichen Behörden genau überwacht. Obwohl die letzte größere Lieferung Ende März erfolgte – wo für den Rest des Jahres nicht verderbliche Lebensmittel wie Reis, Mehl, Nudeln und Gemüse eingeführt wurden – werden weiterhin einige Flüge mit frischen Lebensmitteln durchgeführt.Die ankommenden Flugzeuge werden sorgfältig desinfiziert und alle Lebensmittel überprüft

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