„Vorfahrt für Recyclinggold“ bei Goldhändlern und Fonds

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Die Goldgewinnung geht weltweit oft mit Ausbeutung und massiver Umweltzerstörung einher (c) Luis Barreto WWF UK
Datum: 28. Mai 2020
Uhrzeit: 17:09 Uhr
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Autor: Redaktion
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Die Covid-19-Pandemie sorgt weltweit für einen Anstieg der Nachfrage nach Gold als Investment. Nicht nur die Zentralbanken kaufen mehr, auch in Deutschland sind insbesondere goldgestützte, börsengehandelte Fonds beliebt. Doch die Goldgewinnung geht weltweit oft mit Ausbeutung und massiver Umweltzerstörung einher, so die Naturschutzorganisation WWF. In der Amazonasregion gefährden zum Beispiel Quecksilbereinträge aus dem Goldbergbau akut die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen. Mindestens 1,5 Millionen Menschen am Amazonas sind laut WWF bereits gesundheitlich betroffen. Die Vergiftung kann tödlich sein. Die Vergiftungssymptome umfassen Muskelschäden, Nierenerkrankungen, Lähmungen, kognitive und motorische Verzögerungen oder Psychosen. „Wir fordern Goldhändler und Anbieter goldgestützter Fonds auf, Recyclinggold Vorfahrt zu gewähren und Kunden lückenlos Aufschluss zu geben über die Herkunft des gehandelten Goldes. Sonst haben Anleger keine Chance, giftiges Gold aus ihren Portfolios rauszuhalten“, so WWF-Rohstoffexperte Tobias Kind.

„Recyclinggold, also wiederverwertetes Altgold, hat den gleichen Wert wie neu abgebautes Gold, aber es belastet die Umwelt weitaus weniger. Der ökologische Fußabdruck des Goldes sinkt mit jeder Wiederverwertung“, so Kind. Anleger mit Interesse an Gold und Käufer von Goldschmuck ruft der WWF auf, gezielt nach Recyclinggold oder wenigstens zertifiziertem Gold zu fragen. Zertifizierungssysteme wie Fairmined geben im Kleinbergbau die Möglichkeit, quecksilberfreie Abbautechniken zu fördern. Für Großbergbauunternehmen setzen Zertifizierungssysteme wie IRMA wichtige Umwelt- und Sozialstandards. „Eine erhöhte Nachfrage erzeugt bei Banken, Händlern und Juwelieren Druck, ihre Lieferketten sauber zu halten“, so Kind.

Freiwillige Zertifizierungssysteme allein werden den Goldbergbau nicht maßgeblich sozialer und umweltfreundlicher machen, dazu braucht es aus laut Tobias Kind den „massiven Druck des Marktes“. Der WWF-Rohstoffexperte kritisiert daher, dass Wirtschafts- und Industrieverbände die Covid-19-Pandemie nutzten, um aktuell deutsche und europäische Bemühungen um ein Lieferkettengesetz auszubremsen: „Wir brauchen verbindliche Regelungen für Waren und Rohstoffe importierende Unternehmen, die sie dazu zwingen, Verantwortung für die gesamte Lieferkette zu übernehmen. Die Goldproduktion lässt sich zum Beispiel derzeit oft nur bis zu den weiterverarbeitenden Schmelzereien nachvollziehen. Danach ist Schluss. Das geht nicht.“

Hintergrund Goldproduktion und die Folgen:

Jährlich werden weltweit rund 3300 Tonnen Gold aus Erzen gewonnen. Der Abbau des Edelmetalls sorgt für erhebliche Umweltschäden. Beispielsweise wird Wald für die Minen und Transportwege zerstört. Der Einsatz von Blausäuresalzen gefährdet Gewässer und Böden. Schätzungsweise 20 bis 30 Millionen Menschen arbeiten weltweit im kleinhandwerklichen Goldminensektor, der etwa 25 Prozent der weltweiten Goldproduktion ausmacht. Die Arbeitsbedingungen sind häufig ausbeuterisch und gesundheitsgefährdend, viele Menschen arbeiten in illegalen Minen. Allein in Südafrika sollen rund 30.000 illegale Minenarbeiter im Einsatz sein.

In Brasilien zerstört unregulierter Goldbergbau das Land Indigener. Ein seit Februar auf dem Tisch liegender Entwurf zur Regulierung des Goldbergbaus in Indigenen Gebieten wird von Kritikern weiterer Beschleuniger denn Bremse der fortschreitenden Zerstörung gesehen. Denn die häufig illegal operierenden „Garimpeiros“, Goldbergbauern in kleinen Strukturen, könnten so neben großen Bergbaufirmen die Lizenz zum „legalen“ Angriff auf die Indigenen Gebiete bekommen. Insbesondere im Kleinbergbau kommt immer noch hoch giftiges Quecksilber zum Einsatz, um Gold aus dem Gestein zu waschen. In der Amazonasregion sorgt diese Praxis für eine steigende Quecksilberbelastung in Wasser, Boden, Pflanzen und Tieren. Quecksilber baut sich nicht ab und über Fische gelangt es zum Beispiel auch in den Körper von Menschen im Amazonas-Flussgebiet.

Die Amazonasregion ist ein Hot-Spot der Biodiversität. Bisher konnten hier über 40.000 Pflanzenarten, 427 Säugetierarten (darunter Jaguar, Ozelot, Riesenotter und Flussdelfin), 1.294 Vogelarten (darunter Kaiseradler, Tukane, Aras und Kolibris) sowie über 3.000 verschiedene Fischarten identifiziert werden. Dabei sind viele Gebiete im Regenwald von Amazonien noch nahezu unerforscht. Amazonien ist zugleich ein Lebensraum für Menschen: Rund 320 unterschiedliche indigene Bevölkerungsgruppen leben hier, häufig noch auf traditionelle Art und Weise.

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