„Wir haben ein gutes Gewissen“: Fast 100.000 Todesfälle durch Coronavirus in Brasilien

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Maskenpflicht an öffentlichen Orten/Verkehrsmitteln werden streng überwacht und von der Bevölkerung eingehalten (Foto: Latinapress)
Datum: 07. August 2020
Uhrzeit: 13:03 Uhr
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Anlässlich der Corona-Pandemie verzeichnet das südamerikanische Land Brasilien täglich rund 50.000 Infektionen und über 1.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Bis Donnerstagabend (6.) Ortszeit wurden 2.917.562 Infektionen und 98.644 Todesfälle registriert. Das größte Land Lateinamerikas wird an diesem Wochenende die Zahl von drei Millionen Infizierten und 100.000 Todesfällen überschreiten. Unbeeindruckt von der Katastrophe teilte Präsident Jair Messias Bolsonaro am Donnerstag in einer Live-Übertragung in den sozialen Netzwerken mit, er sei „guten Gewissens“ in Bezug auf seine Rolle angesichts der Coronavirus-Pandemie. Uneinsichtig wie gewohnt beschuldigte er die Gouverneure der Bundesstaaten, die Zahlen der Infizierten erhöht zu haben und die Ärzte, keine Autopsien durchgeführt und Covid-19 als Todesursache in den Urkunden bestätigt zu haben – ohne eine Diagnose durchzuführen.

„Wir haben ein gutes Gewissen. (…) Mit den Mitteln – die wir haben – können wir wirklich sagen, dass wir getan haben was möglich und unmöglich ist, um Leben zu retten“, so das rechtsextreme Staatsoberhaupt. Zusammen mit seinem amtierenden Gesundheitsminister, General Eduardo Pazuello, unterzeichnete Bolsonaro ein Dekret zum Kauf des Covid-19-Impfstoffs, der derzeit vom „AstraZeneca-Labor“ und der Universität Oxford getestet und entwickelt wird. „Wir bedauern alle Todesfälle, es sind vielleicht schon heute 100.000, aber wir werden weiterleben und nach einem Weg suchen, um aus diesem Problem herauszukommen“, bekräftigte Bolsonaro.

Nah seinen Worten haben „einige Gouverneure und Ärzte die Dinge (Zahl der Infizierten und Todesfälle) in diese Richtung gedreht und die Bevölkerung dadurch in mehr Panik versetzt“. Ebenfalls kritisierte er Gouverneure und Bürgermeister für die Anwendung von Quarantänemaßnahmen und beschuldigte sie, „Diktatoren“ zu sein. Bolsonaro machte die Regierungschefs für den Anstieg der Arbeitslosigkeit verantwortlich, der infolge der Pandemie im April-Juni-Quartal auf 13,3 Prozent gestiegen war (Rekord in drei Jahren). „Fast neun Millionen verloren im zweiten Quartal ihre Arbeitsplätze. (…) Einige Gouverneure und Bürgermeister haben die Verantwortung dafür“. Seit dem Beginn der Pandemie in Brasilien im März war Bolsonaro gegen soziale Distanzierungsmaßnahmen. Er nannte Covid-19 „Grippchen“ und förderte aktiv die Verwendung von Hydroxychloroquin, einem Medikament ohne wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit gegen das neue Coronavirus.

Wie funktionierendes Katastrophen-Management allerdings aussehen kann, ist im Bundesstaat Maranhão (Nordosten) zu sehen. Der „Estado do Maranhão“ grenzt an die Bundesstaaten Piauí, Tocantins und Pará. Die Hauptstadt von Maranhão ist São Luís. Die Bevölkerungszahl liegt bei rund 7,2 Millionen, die auf knapp 330.000 km² leben (Deutschland 357.386). Gouverneur Flávio Dino de Castro e Costa, bekannt unter dem Politikernamen Flávio Dino und Mitglied der kommunistischen Partei „Partido Comunista do Brasil“ (PCdoB), hatte im Mai für São Luís den ersten „Lockdown“ im südamerikanischen Land verhängt und die Infrastruktur in den zahlreichen Gesundheitszentren der etwa 1,5 Millionen Einwohner zählenden Stadt massiv aufgestockt. Maskenpflicht an öffentlichen Orten/Verkehrsmitteln werden streng überwacht und von der Bevölkerung eingehalten. Aufgrund dieser Maßnahmen hat der Bundesstaat mit die niedrigste Zahl von Infektionen und Todesopfern in Brasilien. Aktuell und seit Ausbruch von Corona gibt es im ganzen Bundesstaat 127.065 bestätigte Fälle, 116.180 gelten als „wiederhergestellt“ und 3.120 Todesopfer.

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