Brasilianische Ureinwohner kämpften im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis

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Indigene kämpften gegen Hitler-Deutschland (Fotos: defesanet/Universidade Federal do Paraná)
Datum: 09. Januar 2021
Uhrzeit: 14:38 Uhr
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Unter den etwa 25.000 brasilianischen Soldaten, die während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) gegen Adolf Hitlers Nazi-Truppen kämpften, waren Dutzende von Ureinwohnern ethnischer Gruppen wie der Terena, Cadiueu, Kinikinau und Guarani. Die Hitze und die grüne Vegetation ihrer tropischen Dörfer wurden durch Schnee und eine Kälte ersetzt, die in italienischen Dörfern minus fünfzehn Grad erreichte. Die Geschichte der brasilianischen Indigenen, die den Alliierten halfen die Nazis zu besiegen, ist wenig bekannt aber überliefert. Die Indios waren Teil des Expeditionskorps in Europa „FEB“ (Força Expedicionária Brasileira), aufgeteilt in verschiedene Abteilungen wie Infanterie und Technik, mit Aufgaben wie dem Entschärfen von Sprengfallen und dem Entschärfen von Minen. Mehrere Indios waren Teil des neunten Ingenieurbataillons, das sogar eine Nazifahne eroberte, als im April 1945 die 148. Infanterie der deutschen Armee besiegt wurde. Ungefähr 20.000 deutsche Soldaten ergaben sich den Brasilianern. Die Flagge wird im Marechal José Machado Lopes Museum in Aquidauana, 118 Kilometer vom Campo Grande entfernt, aufbewahrt und ausgestellt.

Brasilien erklärte Hitler 1942 den Krieg, nachdem 35 brasilianische Schiffe an der brasilianischen Küste angegriffen wurden und 32 sanken, wobei Hunderte von Menschen starben. Die Soldaten des größten Landes in Südamerika schifften sich 1944 nach Italien ein und nahmen an historischen Schlachten wie die von Monte Castello und Castelnuovo teil. Brasilien war das einzige südamerikanische Land, das in diesem Krieg Bodentruppen nach Europa schickte. Luft- und Landstreitkräfte kämpften von September 1944 bis Mai 1945 in Italien. In den acht Monaten dieses Feldzugs verloren diese fast 500 Soldaten und nahmen 20.573 Italiener und Deutsche gefangen. Die brasilianische Marine und die brasilianischen Luftstreitkräfte nahmen bereits seit Mitte 1942 an den Kämpfen im Südatlantik teil. Nach Hitlers Niederlage wurde die „FEB“ von der brasilianischen Regierung unter Getúlio Vargas aufgelöst. Mitten in der Diktatur war einer der Gründe für die Auflösung der „FEB“ die Befürchtung, dass die Soldaten, die vorbereitet und perfekt ausgebildet waren und für Demokratie und Freiheit kämpften, revoltieren könnten.

Die Veteranen erlebten allerdings nicht nur das Trauma des Krieges, sie wurden auch aufgrund ihrer indigenen oder schwarzen Herkunft diskriminiert. Aufzeichnungen belegen, dass ein General sogar befahl, dass dunkelhäutige Soldaten in den inneren Formationen paradieren sollten – während Weiße an den Seiten und damit sichtbar für die Öffentlichkeit paradieren sollten. In einer weiteren Episode von Rassismus hatte das FEB-Kommando eine „Ehrengarde ohne Schwarze“ gebeten, Prinz Humberto von Italien zu begrüßen. Es gibt allerdings auch mindestens einen registrierten Fall eines indigenen Mannes, der auf den Posten eines Feldwebels gelangte und somit andere Soldaten befehligte: Venceslau Ribeiro. Es gibt zahlreiche Fotos von Ribeiro in Italien. „Er kam auf den höchsten Posten für Indios und war jemand, der Soldaten führte, meist Weiße. Wir sehen an den Bildern in seinem Archiv, dass er von der Truppe geliebt wird“, so Helton Costa, ein Forscher für Geschichte an der Universität von Parana). Ihm zufolge war die „FEB“ ein „Ausschnitt aus Brasilien“ und so vielfältig wie das Land selbst. Es gab Schwarze, Indigene und sogar Kommunisten, die gegen Hitler-Deutschland kämpften.

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