Johann Baptist von Spix: Der Pionierwissenschaftler in Brasilien

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Johann Baptist von Spix (Fotos: Domínio Público/gov.br)
Datum: 09. Februar 2021
Uhrzeit: 14:40 Uhr
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Am 9. Februar vor 240 Jahren wurde in Deutschland der Zoologe Johann Baptist von Spix geboren. Vor mehr als 200 Jahren entdeckte er zusammen mit dem Botaniker Carl Friedrich von Martius Brasilien für Europa. Beide waren auch für die breitere Erforschung eines Großteils der brasilianischen Fauna und Flora im 19. Jahrhundert verantwortlich, indem sie mehrere Arten des brasilianischen Ökosystems entdeckten und registrierten, wie z.B. den blauen Ara „Sittace spixii“. Geboren 1781 in der Stadt Höchstadt an der Aisch, die von 1805 bis 1918 zum Königreich Bayern gehörte, trat Spix im Alter von 11 Jahren in die Bamberger Bischofsschule ein und wurde im Jahr darauf in das Bischöfliche Seminar der Stadt versetzt. Mit 19 Jahren war er bereits Doktor der Philosophie und bald ein berühmter Naturphilosoph. Außerdem promovierte er 1807 zum Doktor der Medizin. 1810 wurde er von der Königlichen Akademie der Wissenschaften angestellt, um das zoologische Museum in München zu organisieren. Laut der Historikerin Cláudia Witt waren Erfahrung und Renommee ausschlaggebend für die Wahl von Spix, die Forschungen zu koordinieren, die die Delegation der österreichischen Erzherzogin Leopoldina auf einer Reise nach Brasilien integrieren sollte. Die Mission, bekannt als „Austro-Bávara“, strebte eine Integration der Länder der europäischen Region mit der damaligen portugiesischen Kolonie an.

„Spix hatte eine viel größere Erfahrung und er gab der Expedition das akademische Gewicht, das sie brauchte. Es gab viel mehr österreichische Mitglieder, daher war es wichtig einen Namen mit internationalem Bekanntheitsgrad zu haben, zumindest in der germanischen Welt“, erklärt Cláudia. In drei Jahren (1817-1820) reiste er von Rio de Janeiro bis zur Grenze des Amazonasgebiets in Kolumbien, legte 10.000 Kilometer durch sieben Staaten zurück, katalogisierte 3.381 brasilianische Tierarten, dokumentierte indigene Sprachen und legte Sammlungen für Studien an. Darüber hinaus koordinierte Spix ein Team von Wissenschaftlern, die viele weitere ethnologische Studien über die brasilianische Fauna und Flora erstellten. Stefan Wilhelm Bolle, Professor der Fakultät für Philosophie, Literatur und Humanwissenschaften an der Bundesuniversität von São Paulo (USP), erklärt, dass der Bericht über die „Reise in Brasilien“ – der in drei Bänden 1823, 1828 und 1831 veröffentlicht wurde – das wichtigste Vermächtnis der Wissenschaftler ist. „Die Reise durch Brasilien gilt als das wichtigste deutschsprachige Buch über Brasilien“, so Bolle.

Nach Spix‘ Tod im Jahr 1832 zollte Johann Georg Wagler, der mit dem Wissenschaftler zusammengearbeitet hatte, dem blauen Ara Tribut. Er gab ihm den wissenschaftlichen Namen „Sittace spixii“, da die Art von dem Zoologen erstmals beschrieben worden war. Im Bericht über die Reise nach Brasilien beschreibt Spix das Tier in einem Bild, in dem er den Vogel als Hyacinthinus-Ara bezeichnet, ein Name, der bereits einer anderen Art gegeben worden war. Die Hommage wurde beibehalten, als der Vogel schließlich durch eine molekulare Analyse neu klassifiziert wurde und den Namen „Cyanopsitta spixii“ erhielt. Spix gilt auch als der erste Zoologe, der das brasilianische Amazonasgebiet erforschte und seine Arbeit ist bis heute eine Referenz für alle Wissenschaftler. Seit 1908 würdigt der Zoobotanische Park des Goeldi-Museums im Bundesstaat Pará das wissenschaftliche Vermächtnis von Spix und Martius in Form eines halbfertigen Wissenschaftlerdenkmals, das auf einem Marmorgrabstein befestigt ist. Die Skulptur wurde von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Deutschland gestiftet. „Alles, was sie dokumentiert haben, erwies sich als Referenz und ist bis heute eine Grundlage für jede Untersuchung der Regionen, die sie durchquerten. Das Maß an Engagement und an Professionalität, das sie in jahrelanger Arbeit an den Tag legten, setzte einen sehr hohen Standard. So wurden sie gleichzeitig zu einer Basis und einer Inspiration für die Menschen – und das sind sicherlich viele – die bis heute Forschungen durchführen“, bekräftigt Cláudia Witti.

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