Friedensgericht: Kolumbianische Armee für 6.400 außergerichtliche Morde verantwortlich

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Es wird auch darauf hingewiesen, dass die Mehrheit der "Falsos Positivos" während der Präsidentschaft von Álvaro Uribe durchgeführt wurde (Foto: Uribe)
Datum: 19. Februar 2021
Uhrzeit: 13:29 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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Zwischen 2002 und 2008 hat das kolumbianische Militär mindestens 6.402 Zivilisten getötet und als feindliche Guerillakämpfer ausgegeben. Dies geht aus einer Mitteilung der Sonderjustiz für den Frieden (JEP) hervor, die Verbrechen der am Konflikt in Kolumbien beteiligten Parteien aufarbeiten soll. Die Anzahl der Tötungen, die als „Falsos Positivos“ bezeichnet werden, ist damit fast dreimal höher als in früheren Schätzungen. Die Untersuchung wird von einem Sondergericht durchgeführt, das sich mit Verbrechen befasst, die während eines halben Jahrhunderts des Konflikts zwischen Truppen und linken Rebellen begangen wurden. Ein Friedensabkommen zur Beendigung des Konflikts wurde 2016 unterzeichnet. Das Ziel der Armee war es, die Getöteten als linke Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) auszugeben, um ihre Tötungsrate zu erhöhen und den Eindruck zu erwecken, den bewaffneten Konflikt gegen die Gruppe zu gewinnen.

Das JEP ist ein Übergangsgerichtssystem, das für einen Zeitraum von zehn Jahren eingerichtet wurde, um alle Konfliktteilnehmer, sei es Rebellen oder staatliche Akteure, vor Gericht zu stellen. Diejenigen, die ihre Verbrechen im Vorfeld eingestehen, können die Gefängnisstrafe vermeiden, müssen jedoch auf andere Weise zur Versöhnung beitragen – beispielsweise durch die Teilnahme an Programmen zur Beseitigung von Landminen, zum Bau wichtiger Infrastrukturen oder zum Bau von Denkmälern. Es wird auch darauf hingewiesen, dass die Mehrheit der „Falsos Positivos“ während der Präsidentschaft von Álvaro Uribe durchgeführt wurde. Die Sonderjustiz schließt nicht aus, dass die Gesamtzahl der Opfer höher sein könnte, da sich die Ermittlungen noch im Anfangsstadium befinden.

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  1. 1
    C.H.Sievers

    >Kolumbianische Armee für 6.400 außergerichtliche Morde verantwortlich<

    Diese "merkwürdige" Überschrift impliziert, dass im Umkehrschluss gerichtlich verhängte, also per Urteil "Morde" durch die Armee in Kolumbien möglich sind.
    Die Todesstrafe ist in Kolumbien abgeschafft.
    Es handelt sich hier wohl eher um "schlichten" wie üblen Mord, welcher auch gerne in leider gut geübter, hässlicher lateinamerikanischer Tradition von Armeeangehörigen verübt wird.
    Hässlich und menschenverachtend aber leider wahr.

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