Abholzung des Amazonas: Perus indigene Stämme nutzen Tech-Tools

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Camila Montoya, eine Ticuna-Beobachterin, untersucht und dokumentiert ein kürzlich niedergebranntes Gebiet im unteren Amazonas (Fotos: rainforestfoundation)
Datum: 13. Juli 2021
Uhrzeit: 11:40 Uhr
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Peruanische indigene Gruppen, die mit Fernerkundungstechnologie und satellitengestützten Alarmsystemen ausgestattet sind, haben geholfen den Waldverlust im Amazonasgebiet zu verfolgen und zu melden. Mitglieder von fast vierzig indigenen Gemeinden in Perus nördlicher Grenzregion Loreto wurden in einem Projekt, das 2018 begann, in der Nutzung von Smartphone-Karten-Apps geschult, die frühe Abholzungswarnungen aus Satellitendaten empfangen. Anhand von Daten von März 2018 bis Februar 2020 fanden die Forscher heraus, dass der Verlust der Baumbedeckung im ersten Jahr um durchschnittlich 8,4 Hektar pro Gemeinde zurückging, verglichen mit anderen Gemeinden, die nicht am Projekt beteiligt waren. Im zweiten Jahr des Projekts war die Abholzung um 3,3 Hektar geringer, zeigte eine von Experten begutachtete Studie, die in der Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ veröffentlicht wurde.

„Sollten sich unsere Ergebnisse auch anderswo bestätigen, würden sie nahelegen, dass ähnliche gemeindebasierte Überwachungsprogramme, die von indigenen Völkern im gesamten Amazonasgebiet durchgeführt werden, zu einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung in größerem Maßstab beitragen können“, so Jacob Kopas, Mitautor der Studie, in einer Erklärung. Die Abholzung des peruanischen Amazonas-Regenwaldes wird größtenteils durch illegalen Goldabbau und Holzeinschlag sowie durch die Abholzung des Waldes für den Anbau von Kokapflanzen – dem Grundstoff für Kokain – vorangetrieben. Peru ist der zweitgrößte Kokainproduzent der Welt nach Kolumbien, das eine gemeinsame Grenze mit der Region Loreto hat.

„Der Wald ist sehr stark vom Drogenhandel betroffen“, erklärte Francisco Hernandez, ein Anführer des indigenen Volkes der Ticuna, einer der Gemeinden, die an dem Projekt teilnahmen. „Die Technologie hat uns sehr geholfen präzise Informationen darüber zu sammeln, wo die Abholzung stattfindet, die genaue Koordinaten über die stattfindenden illegalen Aktivitäten liefert und die dann an die Justizbehörden weitergeleitet werden“, so Thomson. Einmal im Monat reisten Kuriere entlang des Amazonas und seiner Nebenflüsse, um Informationen über vermutete Abholzungen an die abgelegenen Gemeinden zu liefern. Die Informationen wurden dann auf Smartphone-Apps heruntergeladen, mit denen die Gemeindevertreter während ihrer regelmäßigen monatlichen Patrouillen Berichte über Abholzungen verifizierten. Sobald die Meldungen bestätigt waren, wurden die Polizei und andere Behörden alarmiert, damit sie Maßnahmen ergreifen und weitere Abholzungen verhindern.

Als Satellitenbilder Veränderungen in der Waldbedeckung im Amazonas-Regenwald aufzeichneten, erkannte ein vom „GLAD“ (Global Land Analysis and Discovery) der Universität Maryland entwickelter Algorithmus die Veränderungen und gab Entwaldungswarnungen aus. Die Warnungen, die über die Online-Plattform „Global Forest Watch“ und die mobile App „Forest Watcher“ abrufbar sind, wurden an die am Projekt beteiligten Gemeinden versandt. „Was nützen diese Informationen, wenn sie nur von einem Haufen Akademikern und Leuten in Glasgebäuden gesehen werden“, bekräftigt Tom Bewick, Peru-Länderdirektor der „Rainforest Foundation US“ (RFUS), einer Organisation zum Schutz des Regenwaldes und der Rechte, die die Studie und die Methodik unterstützt hat. „Es geht darum, die Informationen über die Abholzung in die Hände derjenigen zu geben, die am meisten von den Folgen betroffen sind“, fügte er hinzu.

Der Schutz des Amazonas-Regenwaldes, in dem zahlreiche indigene Völker leben, wird als Schlüssel im Kampf gegen den Klimawandel angesehen, da er große Mengen des den Planeten erwärmenden Kohlendioxids absorbiert. „Wenn sich nichts ändert, werden indigene Völker im Amazonasbecken in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich 4,4 Millionen Hektar Regenwald verlieren, hauptsächlich an Außenstehende, die in ihre Gebiete eindringen, um Bäume zu fällen“, analysiert Cameron Ellis, leitender Geograph bei „RFUS“.

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