Brasilien: Leben in einem „Land im Niedergang“

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Laut einer aktuellen Ipsos-Umfrage glauben zwei Drittel der Befragten in Brasilien, dass es dem Land immer schlechter geht und zweiundsiebzig Prozent meinen, dass die brasilianische Gesellschaft "bankrott" ist (Foto: Archiv)
Datum: 28. Juli 2021
Uhrzeit: 16:09 Uhr
Ressorts: Brasilien, Panorama
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Wenn es um das Gefühl geht, in einem „Land im Niedergang“ zu leben, führen Brasilianer die Weltrangliste an. Laut einer aktuellen Ipsos-Umfrage glauben zwei Drittel der Befragten in Brasilien, dass es dem Land immer schlechter geht und zweiundsiebzig Prozent meinen, dass die brasilianische Gesellschaft „bankrott“ ist. Eine in fünfundzwanzig Ländern durchgeführte Meinungsumfrage zeigt, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung die jeweiligen politischen Institutionen als entmutigend empfindet – und die Brasilianer haben eine über dem Weltdurchschnitt liegende negative Wahrnehmung. Die „Ipsos SA“ ist ein international tätiges Marktforschungsunternehmen. Es wurde 1975 gegründet und ist seit 1999 an der Pariser Börse notiert. „Ipsos“ war 2009 nach Umsatz das fünftgrößte Marktforschungsunternehmen der Welt.

Mehr als zwei Drittel (neunundsechzig Prozent) der eintausend befragten Brasilianer sind der Meinung, dass sich das Land im Niedergang befindet. Dies ist der höchste Prozentsatz aller Länder, die an der von „Ipsos“ durchgeführten Meinungsumfrage „Broken System Sentiment in 2021“ teilnahmen. Das sind zwölf Prozentpunkte mehr als der (bereits hohe) weltweite Durchschnitt von siebenundfünfzig Prozent der Menschen, die das Gefühl haben, in im Niedergang befindlichen Ländern zu leben. Auch in Chile, Argentinien und Südafrika sind die Quoten mit achtundsechzig Prozent hoch. Darüber hinaus gaben zweiundsiebzig Prozent der Brasilianer an, dass sie die Gesellschaft ihres Landes für „bankrott“ halten, ein Wert, der mit dem der ungarischen Befragten vergleichbar ist und nur noch von dem Südafrikas (vierundsiebzig Prozent) übertroffen wird. Der weltweite Durchschnitt liegt in diesem Fall bei sechsundfünfzig Prozent.

Laut einer vorläufigen Analyse handelt es sich um einen hohen und besorgniserregenden Index, der eine gewisse Nostalgie gegenüber der Diktatur widerspiegelt, eine vernebelte und falsche Vorstellung von dieser Zeit mit mehr Ordnung oder weniger Korruption. Dies macht auch auf die Notwendigkeit eines Dialogs zwischen den Generationen aufmerksam. Der Umfrage zufolge sind zweiundachtzig Prozent der Brasilianer der Meinung, dass sich die politische und wirtschaftliche Elite nicht um die Menschen kümmert, die hart arbeiten. Drei Viertel der Befragten (sechsundsiebzig Prozent) sind der Meinung, dass die Gesellschaft Brasiliens vor allem zwischen den einfachen Bürgern und der politischen und wirtschaftlichen Elite gespalten ist. Der einzige Punkt in der Umfrage, in dem die Brasilianer unter dem internationalen Durchschnitt liegen, betrifft Migrationsfragen. Hier stimmen dreiundfünfzig Prozent dem Satz zu: „Wenn Arbeitsplätze knapp sind, sollten Arbeitgeber Einheimischen den Vorzug vor Einwanderern geben“ – gegenüber siebenundfünfzig Prozent im weltweiten Durchschnitt. Nur sechsundzwanzig Prozent glauben, dass Brasilien stärker wäre, wenn es keine Einwanderer mehr aufnehmen würde – gegenüber achtunddreißig Prozent im Rest der Welt.

Die Ipsos-Umfrage wurde zwischen März und April online mit 19.000 Befragten im Alter von 16 bis 74 Jahren in den USA, Kanada, Malaysia, Südafrika, der Türkei, Belgien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Australien, Italien, Japan, Spanien, Ungarn, Mexiko, den Niederlanden, Peru, Polen, Russland, Südkorea, Schweden, Argentinien, Chile, Kolumbien und Brasilien durchgeführt. Laut „Ipsos“ sind die Stichproben repräsentativ für die Bevölkerungszusammensetzung der Länder – auch wenn sie in einigen von ihnen (darunter Brasilien) die Meinung einer mehrheitlich städtischen, wohlhabenden Bevölkerung mit besserem Zugang zu Bildung widerspiegeln.

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