Neue Weltkulturerbestätten in Lateinamerika

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Der Archäoastronomische Komplex Chankillo ist eine prähistorische Stätte (Foto: Unesco/IDARQ)
Datum: 30. Juli 2021
Uhrzeit: 10:55 Uhr
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Autor: Redaktion
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Das UNESCO-Welterbekomitee hat dreizehn neue Welterbestätten ernannt. Fünf befinden sich in Lateinamerika – Mexiko, Brasilien, Peru, Uruguay und Chile. Das UNESCO-Welterbekomitee tagt vom 16. bis 31. Juli 2021 online. Es setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Erhaltungszustand eingeschriebener Stätten. Auf der Liste des UNESCO-Welterbes stehen derzeit 1.135 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 51 davon gelten als bedroht.

Roberto-Burle-Marx-Stätte (Brasilien)

Die Roberto-Burle-Marx-Stätte im gebirgigen Westen von Rio de Janeiro umfasst weitläufige Landschaftsgärten mit Architekturelementen sowie die zugehörigen Gebäude. Über 40 Jahre arbeitete der Architekt und Künstler Roberto Burle Marx (1909–1994) in diesem „Landschaftslaboratorium“ an der Verschmelzung künstlerischer Ideen der Moderne mit der Aufzucht einheimischer tropischer Pflanzen. Inspiriert von den Hauptvertretern der Modernen Kunst, schuf Burle Marx zunächst Gemälde, in denen er Elemente der portugiesisch-brasilianischen Volkskultur modernistisch abstrahierte. Diese Bilder nutzte er dann als Basis für seine Landschaftsgestaltung. Burle Marx’ einzigartige lebendige Kunstwerke sorgten für eine starke Verbreitung tropischer Pflanzen in Privatgärten. Auch bereitete Burle Marx den Weg dafür, was später als Modern Tropical Garden bekannt wurde und die Parkgestaltung seit Mitte des 20. Jahrhunderts weit über Brasilien hinaus beeinflusste.

Siedlungen und künstliche Mumifizierung der Chinchorro-Kultur in Arica y Parinacota (Chile)

Die Chinchorro siedelten zwischen 5450 und 890 vor unserer Zeitrechnung an der Nordküste Chiles. Obwohl sie dort mit den extremen Umweltbedingungen einer äußerst trockenen Küstenwüste konfrontiert waren, entwickelten sie dank intelligenter Nutzung von Meeresressourcen eine vielschichtige Kultur. Die Überreste ihrer Siedlungen und Friedhöfe zeugen insbesondere von einer komplexen Spiritualität. So waren die Chinchorro nachweislich die ersten Menschen weltweit, die ihre Verstorbenen künstlich mumifizierten.

Archäoastronomischer Komplex von Chanquillo (Peru)

Obwohl er nur für einen vergleichsweise kurzen Zeitraum – von etwa 250 bis 200 vor unserer Zeitrechnung – genutzt wurde, stellt der Archäoastronomische Komplex von Chanquillo den Höhepunkt langer astronomischer Entwicklungen im peruanischen Casma-Tal dar. Die Anlage besteht aus einem dreifach ummauerten Festungs- und Tempelhügel sowie dem Sonnenobservatorium, einem Verwaltungstrakt und dreizehn würfelähnlichen Türmen, die sich an einer Hügelkante entlangziehen. Diese Türme und der Berg Cerro Mucho Malo wurden als künstlicher Horizont genutzt, um über das gesamte Jahr hinweg Kalenderdaten mit einer Genauigkeit von ein bis zwei Tagen bestimmen zu können. Damit ist das im Norden Perus gelegene Chanquillo ein herausragendes Beispiel frühgeschichtlicher Zeitmessung.

Die Ingenieurbaukunst von Eladio Dieste: Kirche von Atlántida (Uruguay)

Der Ingenieur Eladio Dieste entwarf die von 1958 bis 1960 gebaute Kirche mit Glockenturm und unterirdischem Baptisterium vollständig in Sichtmauerwerk. Er ließ sich dabei durch italienisch-frühchristliche und mittelalterliche Sakralarchitektur inspirieren, entwickelte für die Umsetzung aber eine neue Ziegelbautechnik mit verstärkter Keramik. Diese Erfindung ermöglichte ihm einen stark optimierten Materialverbrauch sowie bis dahin im Backsteinbau unbekannte Struktur- und Ausdrucksvarianten. Die Kirche von Atlántida ist die räumlich und ästhetisch expressivste Vertreterin dieses verstärkten Ziegelmauerwerks. Sie verkörpert die 1945 einsetzende weltweite Suche nach einer neuen architektonischen Sprache, die Modernität aus Tradition heraus entwickeln sollte.

Erweiterung: Franziskanermissionen in der Sierra Gorda in Querétaro (Mexiko)

Die 1994 zum UNESCO-Welterbe ernannten 14 Klöster am Fuße des Popocatépetl weisen alle eine ähnliche Struktur auf: Ein meist rechteckiges Atrium, eine einschiffige Kirche und Klostergebäude, die sich normalerweise südlich der Kirche befinden und um einen kleinen Innenhof oder als Kreuzgang angelegten Patio herum angeordnet sind. Auch der neue Bestandteil, das Ensemble des Franziskanerklosters und der Kathedrale Maria Himmelfahrt, folgt diesem Aufbau. Dieses Modell beeinflusste nicht nur die Sakralarchitektur in Mittel- und Südostmexiko. Während der im 18. Jahrhundert ausgedehnten Kolonisierung und Missionierung gen Norden verbreiteten sich derartige Klöster und Missionsstationen bis an beide Küsten der heutigen USA.

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