Klimawandel: Besorgnis über Rekorddürre in Chile wächst

keinwasser

Die durchschnittliche Niederschlagsmenge des Landes liegt in diesem Jahr weit unter dem historischen Durchschnitt (Latinapress)
Datum: 11. August 2021
Uhrzeit: 11:13 Uhr
Ressorts: Chile, Natur & Umwelt
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Autor: Redaktion
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Die schwere Dürre in Chile hat sich in diesem Jahr mit einem heißen Juli in der Hauptstadt Santiago verschlimmert. Der Mangel an Niederschlägen hat dazu geführt, dass die hoch aufragenden und typischerweise schneebedeckten Anden in der Nähe der Stadt fast kahl erscheinen, die Wasserstände der Stauseen niedrig und die landwirtschaftlichen Felder ausgedörrt sind. Nach Angaben des chilenischen Wetterdienstes vom Dienstag (10.) verzeichnete eine Wetterstation im Zentrum Santiagos in diesem Jahr bisher nur 78 Millimeter Regen, verglichen mit 180 Millimetern im gleichen Zeitraum des Vorjahres und einem Standarddurchschnitt von 252 Millimetern. Wissenschaftsminister Andrés Couve erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters“, dass der stetige Rückgang der Wasservorräte aufgrund des Klimawandels nun eine „nationale Priorität“ darstelle. „Wir haben zwingende Beweise – und es sind Klimabeweise. Wir beobachten einen deutlichen Rückgang der Niederschläge, der zu Wasserknappheit führt“. Am Montag (9.) warnten Klimawissenschaftler der Vereinten Nationen (UN), dass extreme Hitzewellen, die früher einmal alle fünfzig Jahre auftraten, nun alle zehn Jahre zu erwarten sind. Dem UN-Klimawissenschaftsbericht zufolge werden auch Dürren und Regenfälle immer häufiger.

Laut Couve weist Chile, ein langestrecktes Land mit der trockensten Wüste der Welt im Norden, der Antarktis im Süden sowie verstreuten Gletschern, Wäldern und Feuchtgebieten, viele Anzeichen für den Klimawandel auf. Experten und Politiker in Chile haben vor einer dringenden und möglicherweise irreversiblen Wasserknappheit in der zentralen Region gewarnt, in der der Großteil der Bevölkerung lebt, darunter auch Santiago, eine Stadt mit sechs Millionen Einwohnern und der Wirtschaftsmotor des südamerikanischen Landes. Zwei große Flüsse, die Santiago mit Wasser versorgen, der Mapocho und der Maipo, führen weniger Wasser als im Jahr 2019, dem trockensten Jahr in der Geschichte des Landes. Dies hat die Regulierungsbehörden dazu veranlasst, den Wasserverbrauch einzuschränken und nach alternativen Quellen zu suchen. Die Versorgungsunternehmen haben massiv in neue Infrastrukturen investiert, um den „Tag Null“ zu verhindern, an dem die Wasserhähne versiegen – eine Bedrohung, die in den letzten Jahren zu erheblichen Wassereinschränkungen in Kapstadt, Südafrika, und Chennai (Indien) geführt hat.

Dieser „Tag Null“ kam für die Bewohner der ländlichen Gebiete der zentralen Zone vor fast einem Jahrzehnt. 400.000 Menschen in den ländlichen Gebieten von Chile erhalten heute Wasser in Lastwagen. Nach Ansicht des Sachverständigen wird sich die Situation der Landbevölkerung in der Zentralzone im Laufe der Zeit wahrscheinlich ausweiten und verschlimmern. „Es ist unwahrscheinlich, dass die Niederschläge, die wir in den 1980er oder 1990er Jahren in Zentralchile hatten, wiederkehren werden. Dass wir dieses Klima in Bezug auf Temperatur und Niederschlag wiederherstellen werden, ist außerordentlich unwahrscheinlich“, so der Klimatologe an der Universität Santiago, Raúl Cordero.

Die durchschnittliche Niederschlagsmenge des Landes liegt in diesem Jahr weit unter dem historischen Durchschnitt, mit Defiziten von mehr als neunzig Prozent in mehreren nördlichen Regionen wie Atacama und Coquimbo und rund fünfundsechzig Prozent zwischen Valparaíso und O’Higgins (im Zentrum des Landes).

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