Studie: Brände im Pantanal töten siebzehn Millionen Tiere

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Den Wissenschaftlern gelang es, innerhalb von achtundvierzig Stunden nach einem Brand Gebiete des Feuchtgebiets zu erreichen (Fotos: CENAP - Centro de Educação Profissional)
Datum: 17. Dezember 2021
Uhrzeit: 14:58 Uhr
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Autor: Redaktion
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Inmitten der Trostlosigkeit des Jahres 2020 haben Wissenschaftler in Brasilien eine besonders düstere Naturschutzstudie abgeschlossen. Die Forscher haben versucht die Tiere zu zählen, die durch die riesigen Waldbrände im Pantanal-Feuchtgebiet getötet wurden. Sie schätzen, dass bis zu siebzehn Millionen Wirbeltiere – darunter Reptilien, Vögel und Primaten – umgekommen sind. Die Waldbrände zwischen Januar und November zerstörten dreißig Prozent des größten tropischen Feuchtgebiets der Welt.
Diese Schätzung des Verlustes wurde in der Zeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht. Das Pantanal ist das größte Feuchtgebiet der Erde und liegt in Brasilien, Bolivien und Paraguay. Das Pantanal brennt zwar auf natürliche Weise, aber die Waldbrände im Jahr 2020 waren „apokalyptisch“, so Dr. Alex Lees, ein Ökologe von der Manchester Metropolitan University, der viel in Zentralbrasilien gearbeitet hat – unter anderem im Pantanal. Sie waren „ganz anders“ als die typischen Brände, die die Region normalerweise erlebt, erklärte Dr. Lees. „Diese Brände waren aufgrund ihres Ausmaßes ungewöhnlich und standen eindeutig im Zusammenhang mit der Megatrockenheit, die das Gebiet zu dieser Zeit erlebte. Das Pantanal kann nicht Jahr für Jahr in diesem Ausmaß brennen – die Artenvielfalt kann sich davon nicht erholen“.

Die Studie selbst basierte auf einer Zählung der Tiere. Den Wissenschaftlern gelang es, innerhalb von achtundvierzig Stunden nach einem Brand Gebiete des Feuchtgebiets zu erreichen. Sie gingen in bestimmten Abständen entlang der Strecken und untersuchten jedes tote Tier, das sie fanden. Das Team war in der Lage, die Arten von dreihundert Tieren, die sie fanden, zu identifizieren. Ausgehend von der untersuchten Fläche konnten sie dann schätzen, wie viele Tiere insgesamt getötet wurden. Dr. Walfrido Moraes Tomas, ein Ökologe vom Forschungsinstitut „Embrapa Pantanal“ in Brasilia, leitete die Studie. Gegenüber der „BBC“ erklärte er, dass er und sein Team angesichts des riesigen geografischen Ausmaßes der Katastrophe „nicht von den Zahlen überrascht“ seien. Was ihn jedoch überraschte war die Tatsache, dass bestimmte Artengruppen stärker betroffen waren als andere. „Die extrem hohe Zahl der getöteten Schlangen lässt uns über die Kaskadeneffekte nachdenken“, erklärte er. „Schlangen sind normalerweise Raubtiere von kleinen Säugetieren und Fröschen. Diese Auswirkungen können zu einem unvorstellbaren Ungleichgewicht im Ökosystem führen.“

Das Feuchtgebiet erstreckt sich über Brasilien, Paraguay und Bolivien und ist eines der artenreichsten Gebiete der Welt. Tausende von Arten, darunter Jaguare, Ameisenbären und Zugvögel, leben in dem 140.000-160.000 km² großen Gebiet. Die Forscher wiesen darauf hin, dass häufigere Waldbrände „eine der sichtbarsten Folgen des vom Menschen verursachten Klimawandels“ sind. Doch so düster die Schlussfolgerung dieser Studie auch sein mag, eine belastbare Zahl über das Ausmaß dieser Katastrophe könnte nach Ansicht von Dr. Tomas die Bemühungen um die Entwicklung geeigneter Brandbekämpfungsstrategien und -maßnahmen in der Region unterstützen. Andere Wissenschaftler haben Bedenken hinsichtlich der Genauigkeit der Schätzungen in dieser Studie geäußert. Bei der Extrapolation von den wenigen hundert Kadavern, die das Team gezählt hat, auf die Gesamtzahl der verlorenen Tiere besteht eine große Fehlermarge. „Sie extrapolieren über ein riesiges Gebiet des größten Feuchtgebiets der Welt, daher ist die Berechnung etwas grob“, erklärt Dr. Lees. „Aber es würde mich nicht überraschen, wenn das nur eine grobe Schätzung ist – es könnte auch mehr sein. Es leben Hunderte von Millionen von Tieren dort“. Dr. Ferreira bezeichnete die Katastrophe im Pantanal als „eine Botschaft“ an die Menschheit. „Sie zeigt uns, dass nicht nur die Natur leidet, sondern auch wir selbst – unter dem Mangel an sauberem Wasser und Nahrung. Wir müssen die Art und Weise ändern, wie wir mit der Natur umgehen, wenn wir wollen, dass zukünftige Generationen in dieser Welt leben können.

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