Preiskrieg: Luftverkehrsmarkt in Lateinamerika hat sich erholt

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Der Luftverkehrsmarkt in Lateinamerika hat sich erholt und zumindest auf den Inlandsflügen sind die Fluggesellschaften voll besetzt (Foto: Latinapress)
Datum: 21. Dezember 2021
Uhrzeit: 19:30 Uhr
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Der Luftverkehrsmarkt in Lateinamerika hat sich erholt und zumindest auf den Inlandsflügen sind die Fluggesellschaften voll besetzt. Dies hat in einigen Ländern der Region sogar einen „Preiskrieg“ ausgelöst. Auf dem internationalen Markt sind die Aussichten längst nicht so günstig, aber sie reichen aus, um die Nachfrage in der kommenden Hochsaison anzukurbeln. Vor genau einem Jahr war das Reisen sehr billig geworden. Es handelte sich um ein Szenario mit geringer Nachfrage infolge der durch die COVID-19-Pandemie ausgelösten Krise, die die Fluggesellschaften zwang, ihre Flugzeuge monatelang stillzulegen. In vielen Fällen waren die Tickets um mehr als fünfzig Prozent reduziert worden. Heute hat sich die Realität zum Glück der Reisenden nicht wesentlich verändert, obwohl einige Faktoren diesen Trend umzukehren und das Angebot zu verteuern drohen. Das Bild, das sich geändert hat, ist das der Nachfrage. „Die Fluggesellschaften sind ziemlich voll“, so Carlos Ozores, Vizepräsident des Beratungsunternehmens „ICF“ und Leiter des Bereichs Luftfahrt für den amerikanischen Kontinent. Dies sind eindeutige Anzeichen dafür, dass die Luftfahrtindustrie in Schwung gekommen ist und die Erholung, wenn auch langsam, bereits begonnen hat.

Die Inlandsflüge übernehmen die Führung und treiben die Branche in Lateinamerika voran. In Ländern wie Brasilien, Mexiko und Kolumbien meldeten die großen Fluggesellschaften im Oktober Auslastungsraten von über achtzig Prozent [Latam verzeichnete sechsundachtzig Prozent in Brasilien und neunundsiebzig Prozent in anderen Märkten der Region; GOL vierundachtzig, Volaris neunundachtzig und Avianca zweiundachtzig Prozent, um nur einige zu nennen]. Dies deutet darauf hin, dass sich der Markt normalisiert hat, allerdings „mit einer größeren Aggressivität“, so Romain Maciejewski, kaufmännischer Leiter von „Viajala“, einer in der Region tätigen Flug-Metasuchmaschine. Die Aggressivität, von der Maciejewski spricht, hat sich günstig auf die inländischen Ticketpreise ausgewirkt. „Wenn wir uns Länder wie Kolumbien und Mexiko ansehen, so bringen sie ein immer größeres Angebot auf den Markt und um es zu verkaufen, treten sie in eine Art Preiskrieg mit sehr günstigen Tarifen ein“, sagt er. In Kolumbien zum Beispiel wurden sogar Flugtickets für acht US-Dollar angeboten. Der ICF-Experte führt dieses Verhalten jedoch nicht nur auf die Erholung des Sitzplatzangebots zurück – das seiner Meinung nach jetzt praktisch wieder auf demselben Niveau liegt wie vor COVID -, sondern auch auf das starke Wachstum der Billigfluglinien, da diese die Flugpreise tendenziell nach unten drücken.

Während jedoch in Ländern, in denen ein großes Angebot besteht, dieses zu niedrigen Preisen verkauft wird ist in Ländern, in denen das Angebot noch immer unterdrückt wird, der Trend genau umgekehrt. Nach den Daten von „Barómetro 2021“, einer jährlich von „Viajala“ veröffentlichten Marktstudie, stieg der Preis der Inlandstickets in Argentinien im dritten Quartal dieses Jahres um einhundertdreiundzwanzig Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, während er in Peru um achtunddreißig Prozent zunahm. Argentinien ist ein Sonderfall, erklärt Maciejewski und verweist auf die Abwertung der Währung und die hohe Inflation, unter der das Land derzeit inmitten einer Wirtschaftskrise und von Zollmaßnahmen leidet. Dieses Szenario hat zur Abwanderung einiger Fluggesellschaften geführt und Argentinien war zudem eines der letzten Länder der Region, das seine Grenzen wieder geöffnet hat. Was Peru betrifft, so weist der Bericht darauf hin, dass dies eine Folge des Rückgangs der Flugfrequenzen zwischen den Strecken aufgrund der Pandemie und des Vakuums ist, das durch den Weggang von „Avianca“ entstanden ist. Im Gegensatz dazu zeigt dieselbe Studie, dass die Preise für Inlandsflüge in Chile um rund vierzig Prozent und in Mexiko um fünfundzwanig Prozent im selben Zeitraum gesunken sind, während sie in Kolumbien stabil geblieben sind, da die Regierung die Mehrwertsteuer auf Flugtickets um fünf Prozent gesenkt hat.

Teurere internationale Flüge

Bei den internationalen Flügen war die Erholung langsamer. Die wichtigsten Fluggesellschaften meldeten im Oktober eine Auslastung von rund fünfzig Prozent, mit Ausnahme von Mexiko und Kolumbien, wo die Fluggesellschaften – wieder einmal – besser abgeschnitten haben und die Auslastung bei rund achtzig Prozent lag, wie aus den von den Fluggesellschaften veröffentlichten Betriebsberichten hervorgeht. Einen Monat zuvor hatte der Dachverband „International Air Transport Association“ (IATA) berichtet, dass die Nachfrage nach internationalen Flügen in Lateinamerika im September im Vergleich zum August leicht rückläufig war, was vor allem darauf zurückgeführt wurde, dass in einigen Ländern zu diesem Zeitpunkt die Grenzen noch geschlossen waren. Dieser signifikante Unterschied“, erklärt der ICF-Berater, „führt zu Verzerrungen bei den internationalen Flugpreisen, vor allem, weil es eine Verzögerung bei der Erholung von Nachfrage und Angebot gibt.

Externe Faktoren drohen allerdings nun die günstige Entwicklung der Flugpreise zu gefährden und könnten langfristig sogar zu einem Nachfragerückgang führen. Steigende Ölpreise, höhere Flughafengebühren, die Abwertung der Währungen in der Region gegenüber dem US-Dollar und die Inflation gehören zu den wichtigsten Faktoren. In diesem Jahr ist der Ölpreis bisher um mehr als fünfzig Prozent gestiegen und im Oktober erreichte der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent zum ersten Mal seit fast drei Jahren achtzig US-Dollar. Dieser Anstieg spiegelt einen teilweisen Anstieg der wirtschaftlichen Nachfrage wider, der die Fluggesellschaften begünstigen könnte; er wirkt sich jedoch auch auf ihre Finanzen aus, da Treibstoff zwischen fünfunddreißig und vierzig Prozent der Gesamtkosten der Airlines ausmacht. Die Fluggesellschaften haben enorme Verluste erlitten. Es ist ihnen unmöglich, diesen (Öl-)Anstieg zu absorbieren. Das muss an die Verbraucher weitergegeben werden und das wird sich auf die Preise auswirken.

Und während der Ölpreis weiter steigt, gibt es weltweit eine Inflationswelle, die in einigen lateinamerikanischen Ländern den Index auf historische Höchststände getrieben hat. „Da wir einen Anstieg der Inflation erleben, besteht die Möglichkeit, dass die Flughafentarife neu angepasst werden“, sagt die Fluggesellschaft „GOL“. Die „IATA“ hat ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht. „Wir beobachten (in Lateinamerika) eine Tendenz zur Erhöhung von Steuern und Gebühren“, warnte das Luftfahrtgremium und nannte dies in Zeiten der Krise „inakzeptabel“. Konkret führte die „IATA“ vier Fälle an: Argentinien, das die Gebühr um sechs auf siebenundfünfzig US-Dollar erhöht hat; Costa Rica, das die Flughafensicherheitsgebühr um siebzig Prozent anheben könnte; die Dominikanische Republik, die die Gebühren für die Bodenabfertigung im nächsten Jahr um sechs Prozent anheben wird und El Salvador, das erwägt, eine Gebühr von 1,50 US-Dollar pro Passagier auf Flugtickets zu erheben. Sollte dies der Fall sein, könnte sich dies negativ auf die Erholung der Nachfrage auswirken, da diese Verkehrssegmente am empfindlichsten auf eine Preisänderung reagieren.

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