Chile: Immer mehr Flüchtlinge aus Venezuela

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Venezolaner überqueren zu Fuß das Anden-Altiplano, um von Bolivien nach Chile zu gelangen. In 3.690 Metern Höhe können die Temperaturen dort auf -20 Grad sinken (Foto: UNHCR/Jose Manuel Caceres)
Datum: 23. Dezember 2021
Uhrzeit: 14:36 Uhr
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Autor: Redaktion
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Der Massen-Exodus aus Venzuela hält unvermindert an. Weit über sechs Millionen Menschen sind bereits vor der menschenverachtenden und kriminellen Diktatur aus ihrem Heimatland geflüchtet und „fluten“ die Staaten Lateinamerikas. Das „UNHCR“, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, verstärkt seine Präsenz und die Bereitstellung von Hilfe an der Nordgrenze Chiles, um auf die dringenden Bedürfnisse einer wachsenden Zahl von Venezolanern zu reagieren, die zu Fuß in das südamerikanische Land kommen. Nach Angaben der örtlichen Behörden überqueren seit November 2021 täglich zwischen vierhundert und fünfhundert Flüchtlinge aus Venezuela die Grenze von Bolivien nach Chile. Die meisten Venezolaner nutzen irreguläre Routen und durchqueren die abgelegene Atacama-Wüste, wo sie unter anderem dem Risiko der sexuellen Ausbeutung und des Missbrauchs durch kriminelle Gruppen ausgesetzt sind. Sie kommen zu Fuß, ohne geeignete Kleidung für die extremen Wetterbedingungen in der Wüste, wo es tagsüber sehr heiß ist und die Temperaturen nachts auf -20 °C fallen können.

Viele kommen hungrig und in schlechtem Gesundheitszustand an und leiden an Unterernährung, Dehydrierung, Unterkühlung und Höhenkrankheit. Seit Anfang des Jahres haben einundzwanzig Flüchtlinge an der Nordgrenze Chiles ihr Leben verloren. Die Neuankömmlinge haben oft keine richtige Unterkunft und sind gezwungen, unter freiem Himmel zu schlafen. Da sie keine ordnungsgemäßen Papiere vorweisen können, finden sie keine regulären Arbeitsplätze und haben Schwierigkeiten, ihre Reise von den Grenzgebieten in andere Städte fortzusetzen, da ihnen die Mittel fehlen. „Kinder, Jugendliche, schwangere Frauen und ältere Menschen brauchen oft dringend medizinische Hilfe, nachdem sie mehrere Tage zu Fuß unterwegs waren. Sie alle hoffen, in Chile endlich Sicherheit und Stabilität zu finden“, so Rebeca Cenalmor-Rejas, Leiterin des nationalen Büros des „UNHCR“ in Chile. „Das UNHCR verstärkt seine Maßnahmen an der Nordgrenze, um die nationalen, regionalen und lokalen Behörden dabei zu unterstützen, einen sicheren Zugang zu gewährleisten und die Aufnahmebedingungen zu verbessern.“

In Abstimmung mit den Behörden und mit der Unterstützung von Partnern bietet „UNHCR“ neu angekommenen Flüchtlingen aus Venezuela Informationen und Rechtsberatung an. Außerdem stellt die Agentur Nahrungsmittel, Bargeld, Gutscheine für Brennstoffe, medizinische Versorgung, Notunterkünfte, Kindertagesstätten sowie grundlegende Hilfsgüter wie Decken und Winterkleidung bereit. Seit Anfang des Jahres hat das „UNHCR“ mit den verfügbaren Mitteln zwanzigtausend Flüchtlinge aus Venezuela in den nördlichen Regionen Chiles unterstützt. Das „UNHCR“ stockt sein Personal und seine Partner an der Nordgrenze auf, um mehr gefährdete Venezolaner zu erreichen. Um die Bekämpfung von COVID-19 zu unterstützen, arbeitet „UNHCR“ mit den lokalen und nationalen Behörden zusammen, um in der Stadt Iquique ein Zentrum einzurichten, in dem Neuankömmlinge die erforderliche Quarantäne unter sicheren und würdigen Bedingungen durchlaufen können.

Parallel dazu hat das „UNHCR“ in der Erwartung, dass die Venezolaner nach Möglichkeiten in anderen Teilen des Landes suchen werden, im Jahr 2021 seine Zusammenarbeit mit fünf Partnern verstärkt, um Hilfe in Städten im Süden Chiles zu verteilen. Im Jahr 2022 wird das „UNHCR“ insgesamt 20,3 Millionen US-Dollar benötigen, um angemessene humanitäre Hilfe zu gewährleisten und die venezolanischen Gemeinschaften dabei zu unterstützen, im ganzen Land selbständig zu werden. Insgesamt leben in Chile bereits schätzungsweise 448.100 Flüchtlinge aus Venezuela. In dieser Zahl nicht enthalten sind Zehntausende, die über irreguläre Grenzübergänge ins Land gekommen sind.

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