Podcaster wegen Aufruf zur brasilianischen Nazi-Partei gefeuert – Update

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Bruno Aiub, der mehrere Millionen Anhänger hat, sagte in einer Sendung, dass Brasilien seine eigene Nazi-Partei haben sollte (Foto: Twitter)
Datum: 09. Februar 2022
Uhrzeit: 15:15 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Redaktion
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In Brasiliens ist ein beliebter und bekannter Podcaster fristlos gefeuert worden. Bruno Aiub, der mehrere Millionen Anhänger hat, sagte in einer Sendung, dass Brasilien seine eigene Nazi-Partei haben sollte. Der Podcast ist einer der meistgehörten in Brasilien und Aiub entschuldigte sich für seine Äußerungen. Nach seinen Worten war er „sehr betrunken“, als er die Aufnahme machte. Der brasilianische Generalstaatsanwalt hat eine Untersuchung wegen des angeblichen „Vergehens der Nazi-Apologetik“ eingeleitet. Gegen einen Politiker, der in dem Podcast auftrat, wird ebenfalls ermittelt.

Bruno Aiub (31), besser als Monark, äußerte sich am Montag in seiner Flow-Podcast-Show, die 3,6 Millionen Abonnenten auf YouTube hat. Im Rahmen einer Diskussion über die Meinungsfreiheit mit zwei Kongressabgeordneten sagte Aiub, dass „meiner Meinung nach die radikale Linke viel mehr Platz hat als die radikale Rechte. Beiden sollte Raum gegeben werden. Ich bin verrückter als Sie alle. Ich denke, dass ein Nazi eine gesetzlich anerkannte Nazi-Partei haben sollte. Wenn jemand antijüdisch sein will, hat er meiner Meinung nach ein Recht darauf“.

Die Kongressabgeordnete Tabata Amaral war anderer Meinung und argumentierte, dass die Freiheit der Meinungsäußerung endet, wenn sie das Leben anderer gefährdet. „Der Nationalsozialismus richtet sich gegen die jüdische Bevölkerung und das bringt eine ganze Bevölkerung in Gefahr“, so Amaral von der Sozialistischen Partei Brasiliens. Kim Kataguiri, Bundesabgeordneter der Abgeordnetenkammer von der zentristischen Podemos-Partei sagte jedoch, dass Deutschland mit der Kriminalisierung der Nazi-Partei einen Fehler gemacht habe.

Der Podcast löste in Brasilien Empörung aus. Der deutsche Botschafter Heiko Thoms twitterte: „Nazismus zu verteidigen ist keine Meinungsfreiheit. Wer den Nationalsozialismus verteidigt, missachtet die Erinnerung an die Opfer und Überlebenden dieses Regimes und ignoriert die von ihm verursachten Schrecken“. Der brasilianische Israelitische Bund – die zentrale Organisation, die die jüdische Gemeinde in Brasilien vertritt – erklärte, dass „Hassreden und die Verteidigung von Hassreden schreckliche Folgen für die Menschheit haben und der Nationalsozialismus ist der beste historische Beweis dafür“.

Laut der Anthropologin Adriana Dias ist die Zahl der Neonazi-Zellen in Brasilien zwischen 2015 und 2021 von fünfundsiebzig auf fünfhundertdreißig gestiegen. Auch die Zahl der eingeleiteten Ermittlungen wegen angeblicher Nazi-Apologetik ist nach Angaben der Bundespolizei zwischen 2011 und 2020 um neunhundert Prozent gestiegen.

Update, 10. Februar

Präsident Jair Messias Bolsonaro verglich den Nazismus mit dem Kommunismus und sagte, dass beide Ideologien zurückgewiesen werden müssen. „Die NS-Ideologie muss uneingeschränkt und dauerhaft abgelehnt werden, ohne Vorbehalte, die ihr Gedeihen ermöglichen, sowie jede totalitäre Ideologie, die die Grundrechte von Völkern und Einzelpersonen, wie das Recht auf Leben und Freiheit, verletzt“, so Bolsonaro in den sozialen Netzwerken.

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