Deutsche Supermärkte profitieren von Hungerlöhnen und Akkordarbeit

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Arbeiter*innen auf Ananas- oder Traubenfeldern in Costa Rica und Südafrika arbeiten unter niedrigsten Löhnen und katastrophalen Arbeitsbedingungen. Besonders betroffen sind Arbeitsmigrant*innen (Foto: Oxfam)
Datum: 28. Februar 2022
Uhrzeit: 12:51 Uhr
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Autor: Redaktion
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Arbeiter*innen auf Ananas- oder Traubenfeldern in Costa Rica und Südafrika arbeiten unter niedrigsten Löhnen und katastrophalen Arbeitsbedingungen. Besonders betroffen sind Arbeitsmigrant*innen. Das zeigt die neue Oxfam-Studie „Grenzenlose Ausbeutung“. Davon profitieren deutsche Supermärkte, die massiven Druck auf Produzenten ausüben, besonders billig zu produzieren und damit Ausbeutung auf dem Feld begünstigen. Oxfam fordert, dass die Supermärkte Menschenrechte achten und angemessene Preise an Zulieferer zahlen. Die Bundesregierung muss das deutsche Lieferkettengesetz ambitioniert umsetzen, indem sie etwa Beschwerden entschieden nachgeht. Sie sollte sich außerdem dafür einsetzen, dass der Entwurf für ein EU- Lieferkettengesetz tatsächlich möglich macht, dass Betroffene von Menschenrechtsverletzungen Schadensersatz bei deutschen Gerichten einklagen können.

Oxfam hat für die Studie die Lieferketten von Wein und Ananas zurückverfolgt – von den Regalen der großen deutschen Supermarktketten bis zu konkreten Farmen und Anbaugebieten. Bei Zulieferern aller großen deutschen Supermärkte konnte Oxfam Menschenrechtsverstöße nachweisen.

Hungerlöhne und Akkordarbeit auf Plantagen

Die Löhne der Arbeiter*innen sind extrem niedrig. So bekommen die Menschen auf einer Edeka-Zulieferplantage in Costa Rica nur 4,50 Euro pro Tag. In Südafrika verdient knapp die Hälfte der für die Studie befragten Arbeiterinnen weniger als den Mindestlohn von 194 Euro pro Monat. In beiden Ländern ist Akkordarbeit mit mehr als zwölf Stunden für die Arbeiter*innen an der Tagesordnung. Arbeiterinnen im südafrikanischen Traubenanbau berichten, dass sie zu sexuellen Handlungen genötigt werden, um eine Arbeitsstelle zu bekommen. Sie sind außerdem giftigen Pestiziden ausgesetzt und haben während der Arbeit keinen Zugang zu Toiletten und Trinkwasser. Wenn sich die Menschen gegen diese Missstände wehren, werden sie massiv unter Druck gesetzt. Gerichtsurteile aus Costa Rica zeigen die unrechtmäßige Entlassung von Gewerkschaftsmitgliedern auf Ananasplantagen, die Rewe und Lidl beliefern. Rewe bewirbt seinen Zulieferer ausdrücklich als nachhaltig und sozial. Arbeiter*innen berichteten Oxfam, dass selbst Familienangehörige von Gewerkschaftsmitgliedern entlassen werden. Besonders schwierig ist die Situation für migrantische Arbeitskräfte, die in ständiger Angst leben, abgeschoben zu werden und deshalb von Gewalt und Ausbeutung noch stärker betroffen sind.

Nur wer im Einkauf billig ist, kommt ins Supermarktregal

In Deutschland teilen sich die vier großen Supermarktketten (Rewe mit Penny, Aldi Süd und Nord, Edeka mit Netto und die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören) 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels. „Mit dieser Marktmacht üben die Supermärkte massiven Druck auf Lieferanten und Produzenten aus: Nur wer im Einkauf billig ist, kommt ins Supermarktregal“, erklärt Tim Zahn, Oxfam-Experte für Wirtschaft und Menschenrechte und einer der Autoren der Studie. Steffen Vogel, Oxfam-Experte für globale Lieferketten und Co-Autor der Studie, ergänzt: „Während Arbeiterinnen mit Hungerlöhnen abgespeist werden, machen die Supermärkte auf ihre Kosten satte Gewinne. Was eine Plantagenarbeiterin in Costa Rica in einem Jahr verdient, streicht Lidl- und Kaufland-Eigentümer Dieter Schwarz in sechs Sekunden ein.“ Das sieht man auch an den Preisen im Supermarkt: Von einer Flasche Wein, die für drei Euro verkauft wird, kommen nur circa drei Cent bei den Farmarbeiterinnen in Südafrika an.

Höhere Löhne und ein starkes Lieferkettengesetz können helfen

Oxfam fordert die Supermärkte auf, ihrer menschenrechtliche Sorgfaltspflicht für ihre gesamte Lieferkette umfassend nachzukommen. Sie müssen beispielweise angemessene Preise an Zulieferer zahlen, um damit Löhne für die Arbeiter*innen zu ermöglichen, von denen diese sich und ihre Familien ernähren können. Auch die Bundesregierung ist in der Pflicht: Sie muss das 2021 verabschiedete deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz ambitioniert umsetzen, indem sie zum Beispiel Beschwerden über Menschenrechtsverletzungen entschieden nachgeht. Zudem sollte sie sich jetzt für ein starkes EU-Lieferkettengesetz einsetzen, das effektiven Rechtsschutz in der EU für Betroffene möglich macht. Damit könnten zum ersten Mal in der gesamten EU Standards gesetzt werden, um Menschenrechtsverletzungen zu verhindern.

Komplette Studie

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