Biennale Venedig: Die Kunst Lateinamerikas übersetzt ihre sozialen Probleme

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Die 59. Biennale von Venedig ist eine internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst (Foto: labiennale)
Datum: 02. Mai 2022
Uhrzeit: 12:07 Uhr
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Autor: Redaktion
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Die 59. Biennale von Venedig ist eine internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Die „Olympiade der Kunstwelt“ findet vom 23. April bis 27. November 2022 statt, außerhalb der zentralen, internationalen Ausstellung produzieren einzelne Nationen eigene Shows (Pavillons). Zehn lateinamerikanische Länder bringen ihren natürlichen und multikulturellen Reichtum ein, zeigen aber auch die sozialen Ungleichheiten, die Geißel der Männergewalt und die politischen Herausforderungen des Kontinents auf. Die „Biennale von Venedig“ zeigt die Werke von 213 Künstlern, von denen neunzig Prozent Frauen sind, die in den nationalen Pavillons und bei den Begleitveranstaltungen ausstellen.

Die Torfmoore von Chile

Camila Marambio verwandelt den chilenischen Pavillon in ein großes, wunderschönes patagonisches Torfmoor und ruft die Menschen dazu auf, diese „komplexen Ökosysteme“ zu erhalten, die für den Kampf gegen den Klimawandel unerlässlich sind, weil sie Kohlenstoff aus der Atmosphäre binden und speichern. Das Werk trägt den Titel „Turba Tol“ und umfasst die Beteiligung des Klangkünstlers Ariel Bustamante, der Filmemacherin Dominga Sotomayor, der Kunsthistorikerin Carla Macchiavello, des Architekten Alfredo Thiermann und des Managers Juan Pablo Vergara.

Eingliederung in Guatemala

Inklusion ist der Titel des Gemäldes, mit dem Christian Escobar, bekannt als „Chrispapita“, eine Vision von der multikulturellen Vielfalt Guatemalas und der Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft bietet. Ein imposantes Gemälde, sieben Meter breit und 2,8 Meter hoch, stellt vierzehn Figuren aus der Gegenwart, der Vergangenheit und der Zukunft dar, die zeigen, wie sie gemeinsam den Fortschritt in Guatemala vorantreiben können, wie der Künstler sagt.

Mexiko und die kapitalistische Welt

Eines der interessantesten Werke ist das über Mexiko und seine Kritik an den Folgen des Kolonialismus, das den Titel „Hasta que los cantos broten“ trägt. Der Pavillon zeigt die Werke von vier Künstlern, Fernando Palma Rodríguez, Santiago Borja Charles, Mariana Castillo Deball und Naomi Rincón Gallardo, die Themen wie die Gewalt des Kapitalismus, die Konfrontation zwischen den Kulturen infolge der Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert oder die Fähigkeit des Menschen, sich zu verändern und zu wandeln, trotz der von früheren Generationen auferlegten Bedingungen, anprangern.

Peru und soziale Probleme

Der Künstler und Aktivist Herbert Rodriguez spricht Themen wie Rassismus, Gewalt, Rechte und Menschenwürde an. Der peruanische Pavillon „La paz es una promesa corrosiva“ (Frieden ist ein zersetzendes Versprechen) setzt sich mit Themen wie Rassismus, Gewalt, Rechte und Menschenwürde auseinander. Zeitungscover mit Schlagzeilen wie „Lasst uns gegen die Plage der Feminizide kämpfen“ wechseln sich ab mit Zeitschriftenausschnitten, die nackte Frauen zeigen; aber es gibt auch scharfe Kritik an der Kirche und Nachrichten über den sexuellen Missbrauchsskandal der katholischen Kirche und neben Fotos der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. werden Nachrichten über den Missbrauchsskandal der katholischen Gruppe „Sodalitium“ präsentiert.

Uruguay und das Schneiderhandwerk

Mit „Persona“ verwandelt der uruguayische Künstler Gerardo Goldwasser das Schneiderhandwerk in Kunst. Sein Vorschlag basiert auf vier Werken, die eine Hommage an diesen Beruf darstellen, der so eng mit seiner Vergangenheit verbunden ist, da sein Großvater dank der Tatsache, dass er die Uniformen der Deutschen anfertigte, im Konzentrationslager Buchenwald überleben konnte.

Argentinien und der Ursprung der Substanz

Die argentinische Künstlerin Mónica Heller thematisiert die Herkunft des Stoffes mit einer 3D-animierten Videoinstallation mit dem Titel „The origin of the imported substance will import the importance of the origin“, ein Projekt, das von Alejo Ponce de León vorbereitet wurde und aus verschiedenen Projektionsvorrichtungen besteht, die nacheinander und zur gleichen Zeit aufeinander folgen, gekreuzte Botschaften an das Publikum senden und einen völlig verdunkelten Raum beleuchten.

Brasilien und seine Utopien

Der Brasilianer Jonathas de Andrade betont in „Com o coração saindo pela boca“ soziale Ungleichheiten, Utopien und die Verteidigung der Gemeinschaft, insbesondere in Lateinamerika. Wortspiele und Bilder von Körperteilen wie blutige Zungen, offene Münder und geweitete Augen prangern in einer Installation mit einem Ohr als Eingangstür soziale Missstände wie Gewalt und Armut an und laden das Publikum ein, genau hinzuhören und auf die Probleme der Welt zu achten.

Kuba, Bolivien und Venezuela

Kuba nutzt die Gelegenheit, um mit „Terra Ignota“ von Rafael Villares, Kcho und Giuseppe Stampone in einem von Nelson Ramírez de Arellano Conde aus Havanna kuratierten Pavillon die Bedeutung seiner Ursprünge zu unterstreichen. Bolivien nimmt mit „Wara Wara Jawira“ an der Biennale teil, mit dem das Kollektiv Warmichacha seinen Respekt für die Kultur der Anden und die Weisheit der Vorfahren zum Ausdruck bringt – während die Venezolaner Palmira Correa, César Vázquez, Mila Quast und Jorge Recio Venezuela in „Tierra, País, Casa, Cuerpo“ eine konzeptionelle Reise über den Körper und die Kunst unternehmen.

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