Mexikanische Kartelle verändern die kolumbianische Drogenindustrie

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Nach Angaben der kolumbianischen Polizei steigt der Preis für ein Kilogramm hochwertiges Kokain an der Grenze zwischen den USA und Mexiko um mehr als das Achtzehnfache auf 30.000 US-Dollar und innerhalb der Vereinigten Staaten auf mehr als 120.000 US-Dollar pro Kilogramm (Foto: PoliciaColombia)
Datum: 09. Mai 2022
Uhrzeit: 16:27 Uhr
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Autor: Redaktion
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Abgesandte mexikanischer Drogenkartelle beteiligen sich immer stärker an der Kokainproduktion in Kolumbien. Laut einem Bericht von „Reuters“ bezahlen sie die Landwirte im Voraus und treiben den Anbau hochproduktiver Sorten voran. Führende mexikanische Kartelle wie Sinaloa und Jalisco Nueva Generacion, die über große Einflussgebiete in Mexiko verfügen und mit brutaler Gewalt um die Kontrolle der Drogenrouten kämpfen, kaufen seit langem Kokain von kolumbianischen Guerillagruppen und Verbrecherbanden. Aber während sie früher als diskrete Käufer auftraten – und immer noch eine direkte Auseinandersetzung mit dem Wettbewerb um ihre Geschäfte vermeiden – ist die zunehmende Präsenz von Abgesandten in mehreren Kokain produzierenden Gebieten spürbar, wie Anwohner und Bauern gegenüber „Reuters“ erklärten. Nach Angaben der kolumbianischen Anti-Drogen-Polizei haben die Kartelle erhebliche Veränderungen bei den angebauten Koka-Sorten bewirkt, die die Kokainproduktion in die Höhe treiben. Diese Entwicklungen beim Anbau von Koka haben nach Angaben der Polizei dazu beigetragen, dass die Menge und der Reinheitsgrad des in die Vereinigten Staaten und nach Europa geschmuggelten Kokains gestiegen sind.

Kokabauern, Informanten und gefasste Drogenhändler haben der Polizei und dem Militär detailliert berichtet, wie die mexikanischen Abgesandten Reinheitskontrollen durchführen, Beziehungen zum gesamten Spektrum der bewaffneten kolumbianischen Gruppen unterhalten und Preise aushandeln. Die besonders ertragreichen Koka-Samen seien das Ergebnis der vom Kartell finanzierten Anbaumaßnahmen erfahrener Landwirte und Agronomen, erklärte General Ricardo Alarcon, Leiter der Antidrogenpolizei. In den letzten drei Jahren hat seine Einheit vierzehn Anpassungen zur Steigerung der Produktivität festgestellt. Es gibt keine Beweise dafür, dass das Saatgut gentechnisch verändert wurde. Die Vereinten Nationen, Polizei- und Militärquellen sowie Anbauer und Menschenrechtsaktivisten sind sich einig, dass der jüngste Produktivitätsanstieg auf die sorgfältige Auswahl ertragreicher Sorten zurückzuführen ist. Ein Kokabauer in der Provinz Norte de Santander erklärte gegenüber „Reuters“, dass Vertreter des Kartells und ihre kolumbianischen Geschäftspartner vor zwei Jahren damit begonnen hätten, ertragreichere Sorten zu verteilen und die Landwirte angewiesen haben, diese anzubauen.

Obwohl die mit Koka bepflanzte Fläche in den Jahren 2020, 2019 und 2018 zurückging, stiegen die geschätzte Kokainproduktion und der durchschnittliche Ertrag an Kokainhydrochlorid pro angebautem Hektar in jedem dieser Jahre, so die Zahlen der Vereinten Nationen. Im Jahr 2020, dem letzten Jahr, für das Zahlen verfügbar sind, stieg die potenzielle Jahresproduktion um acht Prozent auf 1.228 Tonnen, während der Ertrag pro Hektar um achtzehn auf 7,9 Kilogramm anstieg. Die potenzielle Produktion bezieht sich auf die Menge, die erzeugt werden würde, wenn alle Kokablätter zu reinem Kokain verarbeitet würden. Die Kartelle kaufen sowohl Koka-Basis als auch hochwertiges Kokain von kolumbianischen Verbrechersyndikaten wie dem Clan del Golfo, den Rebellen der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) und ehemaligen Mitgliedern der Guerillagruppe Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC), die ein Friedensabkommen von 2016 ablehnen, so Sicherheitsquellen bei Polizei und Armee. Die Kartelle finanzieren den Bau von Laboratorien und Lagerhäusern, in denen die Lieferungen koordiniert werden und laut Polizeiquellen finanzieren sie auch improvisierte Docks und halbtauchfähige Boote auf dem Pazifik. Dem Bericht zufolge sind fast alle Lieferungen mit Logos versehen, die zur Kontrolle von Herkunft und Qualität verwendet werden. Die Landwirte sebst haben kaum eine andere Wahl, als die neuen Sorten anzubauen. „Wenn jemand mit einem Gewehr, in Tarnkleidung oder als Zivilist gekleidet, aber mit einem Gewehr im Gürtel hier ankommt und mir sagt, dass dies die Samen sind, die ich anbauen soll, dann tue ich einfach, was er sagt“, erklärte Fernando, ein Bauer aus Norte de Santander. „Es geht um mein Leben und das meiner Familie.“

Kokain kann aus vier Stämmen der Pflanze Erythroxylum gewonnen werden, von denen drei – Novogranatense, Coca und Ipadu – in Kolumbien vorkommen. Die ertragreichste Sorte variiert je nach Klima – einige Sorten gedeihen in kälteren Gebieten, andere sind widerstandsfähiger gegen Trockenheit. Die nationale Polizei hat das Vorhandensein von Sorten, die umgangssprachlich oder kommerziell als „Tingomaria“, „Giant“, „Bolivian Black“ und „Bolivian Red“ bekannt sind, sowohl in Norte de Santander als auch in Narino, den beiden größten Kokainanbaugebieten, festgestellt. Die Landwirte werden ermutigt, das Saatgut zu wechseln, um die Produktion weiter zu steigern und die Erntezeiten zu verkürzen. Einige Anpassungen führen zu vier bis sechs Ernten pro Jahr, anstatt der traditionellen drei. Mehr als die Hälfte des Kokains verlässt Kolumbien entlang der Pazifikküste und eine wichtige Allianz der Kartelle in der Region besteht mit den FARC-Dissidenten. Die Rekordernte und die hohe Nachfrage bedeuten, dass das Geschäft gut läuft. Nach Angaben der kolumbianischen Polizei steigt der Preis für ein Kilogramm hochwertiges Kokain an der Grenze zwischen den USA und Mexiko um mehr als das Achtzehnfache auf 30.000 US-Dollar und innerhalb der Vereinigten Staaten auf mehr als 120.000 US-Dollar pro Kilogramm.

In Kolumbien sind die geringe Präsenz des Staates, die Armut und der Mangel an wirtschaftlichen Möglichkeiten ein Grund dafür, dass das Angebot der Kartelle, für die Ernte zu zahlen – auch im Voraus – für die Bauern attraktiv ist. „Der Drogenhandel hat zugenommen, weil sich der Staat völlig zurückgezogen hat. Es gibt keine menschenwürdigen Wohnungen, keine menschenwürdige Gesundheitsversorgung, keine menschenwürdige Bildung und keine menschenwürdige Arbeit“, sagte Luis Alfredo Vasquez, Sozialführer in Tumaco. Ähnlich ist die Situation in Norte de Santander, wo die steigende Kokainproduktion zwar zu einem Anstieg der Gewalt geführt hat, die Erzeuger aber wirtschaftliche Vorteile spüren. „Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben die Kokabauern in der Region Bargeld im Voraus“, bekräftigt Wilfredo Canizares, Leiter der Menschenrechtsgruppe „Fundacion Progresar“.

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