Aternativlos: Klassisches Ausbildungsmodell im Finanzsektor

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"Banco do Brasil" ist die älteste Bank Brasiliens und gemessen an der Bilanzsumme das größte Finanzinstitut Südamerikas (Foto: Latinapress)
Datum: 18. Januar 2023
Uhrzeit: 14:45 Uhr
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Autor: Redaktion
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Laut einer empirischen Befragung unter Finanzinstituten ist die duale Berufsausbildung in Deutschland zukunftssichernd und rechnet sich: Nachwuchs aus ‚dem eigenen Stall‘ heranzuziehen hat demnach nur Vorteile. Diese Erkenntnis überzeugt auch Finanzinstitutionen in Lateinamerika vom Nutzen der dualen Ausbildung. 97 Prozent der Sparkassen übernehmen über die Hälfte bis alle ihrer Auszubildenden. Darüber hinaus wollen fast alle auch in Zukunft ausbilden. Das ergibt u.a. eine empirische Befragung der Hochschule für Finanzwirtschaft & Management (HFM) im Rahmen einer Auftragsstudie zu Nutzen und Rentabilität der dualen Berufsausbildung im Finanzsektor in Deutschland. Die Studie wurde im Rahmen des durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierten Regionalprojekts Mittelamerika von der Deutschen Sparkassenstiftung für internationale Kooperation (DSIK) in Auftrag gegeben und von der Hochschule für Finanzwirtschaft & Management (HFM) im Sommer 2022 umgesetzt.

An der Erhebung nahmen 154 Sparkassen teil (42 Prozent aller Sparkassen in Deutschland). Da sowohl die regionale Verteilung als auch die Größenklassen der beteiligten Sparkassen die gesamtdeutsche Situation darstellt, gilt die Studie als repräsentativ. „Die Sparkassen sind größter Anbieter von klassischen Ausbildungsplätzen in Deutschland, sodass die Ergebnisse letztlich die allgemeine aktuelle Situation der beruflichen Ausbildung zum Bankkaufmann/-frau im deutschen Finanzsektor abbilden“, erklärt Studienautor Prof. Dr. Dieter Rohrmeier.

Alle Institute bilden aus

Die Befragungsergebnisse zeigen, dass rund 69 Prozent der Sparkassen aktuell zwischen elf und 50 Auszubildende beschäftigen. Knapp 18 Prozent der Sparkassen haben zwischen 51 und 100 Auszubildende und jede zehnte Sparkasse bildet bis zu zehn Bankkaufleute aus. Über 100 Azubis sind lediglich in drei Prozent der Institute aktuell tätig. „Es gibt keine Sparkasse, die nicht ausbildet. Im Hinblick auf Nachwuchsförderung liefern die Finanzinstitute hier viel ab“, ergänzt Rohrmeier. Auch der auf höheren Ebenen zu beobachtende Frauenmangel im Finanzbereich wurzelt offensichtlich nicht in zu geringer Ausbildungsqualifikation, denn der Anteil der weiblichen Auszubildenden liegt bei knapp 79 Prozent der Sparkassen bei über der Hälfte.

Hohe Übernahmequoten: Fachkräfte aus dem „eigenen Stall“

In erster Linie kann man die Zukunftssicherung regionaler Finanzinstitute unter dem Aspekt des Fachkräftemangels und der weiteren demografischen Entwicklung beobachten, was auch an den Befragungsergebnissen abzulesen ist: Demnach übernehmen 85 Prozent der Sparkassen zwischen drei Viertel und jeden ihrer Auszubildenden in ein meist unbefristetes Beschäftigungsverhältnis. Lediglich rund 3 Prozent der Häuser haben im letzten Ausbildungsjahr nur zwischen einem Viertel und der Hälfte der Auszubildenden übernommen.

Abbildung: Übernahmequote von ausgebildeten Bankkaufleuten

Die Gründe dieses hohen Zuspruchs sind zahlreich: Mit der Berufsausbildung sparen sich die Institute etwa die Integrationskosten von Bewerbenden aus dem Arbeitsmarkt. „Darüber hinaus ist der Ausbildungsmarkt sogar leichter zu bewerben als der Markt für Fachkräfte. Die Einarbeitungszeit ist für eine nachfolgende Beschäftigung faktisch nicht relevant und die Bindung der Angestellten an das eigene Institut ist sehr hoch. So identifizieren sich die ausgebildeten jungen Menschen stärker mit ihrem Haus. Deshalb streben die Sparkassen nach wie vor eine hohe Übernahmequote an“, erörtert Rohrmeier. Zudem sei der Einsatz der Beschäftigten nach der Ausbildung flexibler, da die Berufsausbildung umfassend und breit angelegt ist. Dies ermögliche schnell höherwertige Tätigkeiten und eine raschere Weiterqualifizierung in Spezialisierungsfunktionen im Vertrieb – beispielsweise in der Firmenkundenbetreuung und Individualkundenberatung oder auch in internen Bereichen wie Personal, Controlling und weiteren Fachabteilungen.

Ungebrochen ist indes die Bereitschaft der Sparkassen, auch in Zukunft in erheblichem Ausmaß auszubilden. Von den 154 an der Befragung beteiligten Sparkassen ist nur ein einziges Institut dem Ausbildungsthema gegenüber skeptisch eingestellt. „Somit sehen die Sparkassen eine Weiterführung der dualen Berufsausbildung zugunsten des Nachwuchses aus dem ‚eigenen Stall‘ letztlich als Zukunftssicherung für das eigene Institut an. Sprich: Dieses Modell ist für Finanzinstitute auch perspektivisch alternativlos.“, schließt Rohrmeier.

Erfolgsmodell auch in Lateinamerika

Auch in Lateinamerika sind bereits zahlreiche Finanzinstitutionen vom Nutzen der dualen Ausbildung überzeugt. Mit Unterstützung der Deutschen Sparkassenstiftung für internationale Kooperation konnte die Ausbildung zum Bankkaufmann bzw. zur Bankkauffrau nach dem deutschen Beispiel bereits in Ecuador, El Salvador, Kolumbien, Mexiko und Peru erfolgreich eingeführt werden. In Zusammenarbeit mit lokalen Partnerinstitutionen wird bei der Umsetzung auf eine Anpassung an die lokalen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen sowie eine Verankerung in den nationalen Bildungsstrukturen geachtet. Die Ergebnisse der Studie bestärken nicht nur die teilnehmenden Institutionen darin, dass sich der Aufwand lohnt. Sie können damit auch viele weitere Finanz- und Bildungsinstitutionen in Lateinamerika von einer Einführung der dualen Berufsausbildung überzeugen.

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