Deutsche Energieunternehmen finanzieren toxische Geschäfte in Kolumbien

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Klimaschädlicher Brennstoff wird immer noch zur Stromproduktion genutzt (Foto: GobiernodeMexico)
Datum: 19. November 2023
Uhrzeit: 11:07 Uhr
Leserecho: 0 Kommentare
Autor: Redaktion
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2022 bezog Deutschland fast ein Fünftel seiner Steinkohle aus Kolumbien. Ein Großteil der Kohleimporte stammt aus Cerrejón – dem größten Tagebau Lateinamerikas, betrieben vom Schweizer Bergbauriesen Glencore. Der neue Bericht „Gewinnt Cerrejón immer“? der Menschenrechtsorganisationen CINEP und Censat Agua Viva, gemeinsam mit Fair Finance International und Oxfam, belegt einmal mehr: Glencores Steinkohlemine in Nordkolumbien fügt Mensch und Umwelt massiven Schaden zu – bis heute. Möglich macht das auch viel Geld aus Deutschland: Deutsche Energieunternehmen zählen zu den wichtigsten Kunden Glencores und deutsche Banken und Versicherungen finanzieren dessen toxische Geschäfte. CINEP und Censat Agua Viva sagen dazu: „Glencore hat in einer ohnehin wasserarmen Region den Bruno-Fluss umgeleitet, nur um Cerrejón aufzubauen, und das wenige verbliebene Wasser verschmutzt.“ Als ob das nicht genug wäre, versuchten die Konzerne nun mit einer Millionen-Dollar-schweren Schiedsgerichtsklage die kolumbianische Regierung unter Druck zu setzen, um die Kohlemine zu erweitern. Wenn Investoren und Banker ihr Geld in Unternehmen anlegen, die Menschen- und Umweltrechte verletzen, machen sie sich zu Komplizen dieser Verbrechen.“

Vom Kohlebergbau in La Guajira Betroffene und Menschenrechtsorganisationen in Kolumbien und Deutschland fordern deshalb: Die deutschen Geschäftspartner von Glencore dürfen sich nicht länger zu Komplizen von dessen schädlichem Geschäftsmodell machen. Sie müssen ihren Sorgfaltspflichten zum Schutz von Mensch, Umwelt und Klima vollständig nachkommen. Die Bundesregierung muss gegenüber den Unternehmen die Einhaltung ihrer Sorgfaltspflichten konsequent durchsetzen und sich in der EU dafür stark machen, dass das neue EU-Lieferkettengesetz umfassend auch für den Finanzsektor gilt.

Hintergrund: Cerrejón liegt im Departement La Guajira in Nordkolumbien. Über 340.000 Menschen – ein Drittel der dortigen Bevölkerung – leiden direkt unter den Auswirkungen des Tagebaus. Die Liste an Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung durch Cerrejón ist lang, wie die Organisationen Cinep und Censat Agua Viva in ihrem Bericht zeigen: Gemeinden wurden vertrieben und zwangsgeräumt, ohne angemessene Wiedergutmachung. Die Luft wird massiv verschmutzt, Flüsse, Grundwasser und Wälder sind viele Orte zerstört. Kohlestaub verursacht vermehrt Gesundheitsschäden wie Krebs und Atemwegserkrankungen. Trinkwassermangel und Unterernährung gefährdet das Leben vor allem von Kindern. Das Recht ethnischer Gemeinden auf Konsultation und Zustimmung wird immer wieder verletzt, Menschenrechtsverteidiger*innen werden regelmäßig angegriffen. Wegen der immensen Schäden für Umwelt und Gesundheit fordert 2020 elf UN-Menschenrechtsexpert*innen einen Teilstopp Cerrejóns.

Deutsche Unternehmen finanzieren Glencores toxische Geschäfte bis heute ungebremst weiter: Energieunternehmen wie EnBW, Uniper, RWE und Steag kauften 2022 mit rund 7,3 Millionen Tonnen fast vier Mal mehr Steinkohle aus Kolumbien als 2021 – ein Großteil von Cerrejón. Banken und Versicherungen – darunter die Deutsche Bank, die Commerzbank, die DZ-Bank, die Deka-Gruppe und die Allianz – hielten im Juni 2023 über 530 Millionen US-Dollar an Anleihen und Aktien an Glencore und vergaben zwischen 2016 und Mitte 2023 fast 5 ,8 Milliarden US-Dollar an Krediten und Garantien an das Unternehmen.

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