Tierwelt in Lateinamerika: Der Guatemala-Brüllaffe► Seite 2

Datum: 02. März 2011
Uhrzeit: 18:54 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Redaktion
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► Die IUCN listet die Art als stark gefährdet

Wie alle Brüllaffen ernährt sich der Guatemala-Brüllaffe rein vegetarisch, und zwar mehr als alle anderen Neuweltaffen von (vorwiegend jungen) Blättern. Allzu wählerisch erweist er sich bei seinen Fresswanderungen durch das Wohngebiet allerdings nicht: Er nimmt erstens auf vielen verschiedenen Baumarten Blätter zu sich, und zweitens verspeist er hier und dort durchaus auch ein paar Früchte oder Blüten. Wie alle seine Vettern spielt er deshalb eine nicht unbedeutende Rolle bei der Verbreitung von Baumsamen.

Gebrüll hält Artgenossen auf Distanz

Der Guatemala-Bruellaffe lebt normalerweise in Familiengruppen von vier bis acht Individuen, bei denen es sich um ein erwachsenes Männchen, zwei bis drei erwachsene Weibchen und deren Junge handelt. Oft besteht eine Gruppe auch lediglich aus einem erwachsenen Paar und dessen Nachkommen; Gruppen mit mehr als einem erwachsenen Männchen gibt es hingegen kaum. Der Guatemala-Brüllaffe unterscheidet sich hierin deutlich von seinem mittelamerikanischen Vetter, dem Mantelbrüllaffen, der gewöhnlich in Gruppen von zehn bis über dreissig Individuen mit jeweils mehreren erwachsenen Männchen und Weibchen lebt.

Die Familiengruppen der Guatemala-Brüllaffen führen eine territoriale Lebensweise, beanspruchen also ihr Wohngebiet für sich allein und halten sämtliche Artgenossen nach Möglichkeit daraus fern. Die Grösse dieser Territorien ist, entsprechend der von Ort zu Ort unterschiedlichen Lebensraumqualität, ziemlich variabel, scheint aber zumeist zwischen 25 und 100 Hektar zu liegen.

Ähnlich den südostasiatischen Gibbons (Gattung Hylobates) geben die Brüllaffen ihren Territoriumsanspruch durch laute Rufe – das namengebende «Brüllen» – bekannt. Ihr blasenartig vergrössertes Zungenbein und der ungewöhnlich mächtige Schildknorpel ihres Kehlkopfs erlauben ihnen, Töne zu erzeugen, die zu den lautesten im ganzen Tierreich gehören. Im Wald ist das Rufen der Brüllaffen etwa drei Kilometer, mit dem Wind oder über dem Wasser sogar bis fünf Kilometer weit zu hören! Das Brüllen dient dazu, allen anderen Artgenossen in der betreffenden Gegend unmissverständlich die Anwesenheit einer intakten Familie anzuzeigen, sie mit friedlichem Mittel auf Distanz zu halten.

Es ist stets das erwachsene Männchen der Guatemala-Brüllaffengruppe, welches besonders lauthals brüllt. Seine Weibchen stimmen zwar in das Geheul ein, doch haben sie weniger stark ausgebildete Kehlorgane. Ihr Rufen ist deshalb nicht so laut wie das des Männchens; zudem ist ihre Stimmlage höher.

Seltsamerweise wird in Belize je nach Saison zu unterschiedlichen Tageszeiten gebrüllt: Während der trockeneren Jahreszeit (November bis April) rufen die dunklen Affen hauptsächlich am frühen Morgen, gleich nach Sonnenaufgang, und dann wieder am späten Nachmittag, kurz vor Sonnenuntergang. Während der Hauptregenzeit (Mai bis Oktober) gibt es frühmorgens und spätnachmittags weniger, dafür um die Tagesmitte herum deutlich mehr Gebrüll. Den Grund für diese saisonalen Unterschiede kennen wir nicht.

Der Jaguar, die Harpyie – und der Mensch

Die natürlichen Feinde der Guatemala-Brüllaffen – insbesondere der jüngeren, unerfahreneren Individuen – sind zur Hauptsache der Jaguar, der Ozelot (Leopardus pardalis)und die Langschwanzkatze (Leopardus wiedii). Aber auch vor der Harpyie (Harpia harpyja), einem mächtigen, auf die Affenjagd im Walddach spezialisierten Greifvogel, müssen sie sich in acht nehmen. Die durch diese natürlichen Widersacher herbeigeführten Todesfälle haben auf den Gesamtbestand der Art allerdings keine merklichen Auswirkungen; sie werden über die natürliche Nachzucht ständig wettgemacht.

Folgenschwere Beeinträchtigungen der Guatemala-Brüllaffenbestände vermag einzig der Mensch zu verursachen. In der Tat dürfte die Zukunft der lautstarken Affen – wie dies bei so vielen anderen tierlichen und pflanzlichen Lebewesen auf unserem Planeten der Fall ist – längerfristig einzig davon abhängen, wie sich der Mensch ihnen und ihrem Lebensraum gegenüber verhält. Ihr Schicksal liegt gewissermassen in seinen Händen.

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  1. 1
    Gast.

    Das Leben dieser Tiere ist schützenswert,obwohl Brüllaffen
    gibts auch in V.
    Der größte Brüllaffe lebt im Miraflores, fragt sich bloß wie lange noch?

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