Schul-Massaker in Brasilien: Verzweifelte Suche nach Motiv für Amoklauf► Seite 2

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Datum: 07. April 2011
Uhrzeit: 23:24 Uhr
Leserecho: 1 Kommentar
Autor: Dietmar Lang
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► Mehrheitlich Mädchen unter den Opfern

Eine blutige Spur des Grauens hat er allerdings in der Schule hinterlassen. Nachdem er noch mit einer Lehrerin geredet hat, betritt er ein Klassenzimmer im ersten Stock. Dort eröffnet er aus zwei Revolvern Kaliber 38 das Feuer auf die anwesenden Schüler. Dabei scheint er es vornehmlich auf Mädchen abgesehen zu haben, was nicht nur die blutige Bilanz sondern auch die Aussage eines Augenzeugen zu bestätigen scheint. Am Ende sind zehn Schülerinnen tot und zehn weitere verletzt, andererseits „nur“ zwei tote und drei verletzte Schüler zu beklagen.

„Er hat die Mädchen mit Kopfschüssen getötet. Mädchen, die wollte er töten“, zeigt sich der 13-jährige Schüler Mateus überzeugt. „Uns Jungen hat er nur verletzen wollen, mit Schüssen in die Arme oder Beine“ fügt er hinzu und bestätigt sogar ein kurzes Gespräch mit dem Amokläufer. „Er hat mir gesagt, ich solle ruhig sein, dann würde ich nicht sterben. Ich habe dann gebetet und Gott gebeten, mich zu schützen“ so Mateus abschliessend.

Dass sich Wellington bereits seit geraumer Zeit für Schusswaffen interessierte, bestätigt zudem einer seiner Adoptivbrüder gegenüber einem brasilianischen Nachrichtenteam. „Er hat [im Internet] viel danach gesucht, auch nach solchen Sachen, wie sie jetzt passiert ist“ erklärt der Mann, der in der Nähe der Hauptstadt Brasília ausfindig gemacht wurde und aus Angst vor Repressalien unerkannt bleiben möchte. Er bestätigt zudem, dass Wellington in psychologischer Behandlung war, die Sitzungen jedoch abgebrochen hatte. „Er war auch angetan davon, ein Flugzeug zu zerstören, wie ein anderes das in den USA gemacht hat“ fügt der Bruder abschliessend hinzu.

Betrachtet man die Bilder der Überwachungskamera in der Schule, so lässt sich Wellington jede Menge Zeit und zeigt keine Spur von Nervosität oder Hektik. Viele Kinder können dadurch zwischenzeitlich ins Freie flüchten, entkommen der grausamen Szenerie. Der Todesschütze weiss, dass er in wenigen Minuten sterben wird. „Wenn es möglich ist, begrabt mich neben meiner schlafenden Mutter“ hat er in seinem wirren Abschiedsbrief geschrieben und zugleich sein Leichentuch mitgebracht. Es wird später von der Polizei in einer in einem Klassensaal abgestellten Tasche gefunden. In dem Laken soll er gemäss seinem Brief nackt eingewickelt und in den Sarg gelegt werden. Doch über das wahre Motiv seiner scheinbar detailliert geplanten Tat schweigt er sich aus.

Als er sich auf den Weg in die oberen Stockwerke macht, hat er bereits rund 30 Schüsse abgegeben und seine Waffen mehrfach nachgeladen. Zehn Kinder sind bereits tot. Munition hat er zu diesem Zeitpunkt immer noch ausreichend dabei. Doch beim Verlassen eines Klassenzimmers wird er von einem alarmierten Polizisten überrascht, mit dem er sich einen kurzen Schusswechsel liefert. Wellington wird ins Bein getroffen und stürzt. Nun richtet er die Waffe gegen sich selbst und beendet sein Leben gegen 8:30 Uhr mit einem Kopfschuss. In seinen beiden Revolvern stecken noch neun Patronen.

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Kommentarbereich

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  1. 1
    unwichtig

    Wer von all den anderen Amokläufern wurden denn katholisch, evangelisch, atheistisch oder sonstwie erzogen? Würde mich ja mal interessieren…

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